Die Kunst des Bewahrens im Kloster Neuzelle

Abblätternde Farbe, feine Risse und verborgene Spuren vergangener Jahrhunderte: Restaurator:innen untersuchen historische Oberflächen, entschlüsseln ihre Geschichte und entwickeln Methoden, um wertvolle Kunstwerke für die Zukunft zu bewahren. Wie anspruchsvoll diese Arbeit ist, zeigt sich am Beispiel der barocken Vorhalle der Stiftskirche St. Marien im Kloster Neuzelle. Hier werden aufwendige Wandmalereien und Stuckmarmorflächen konserviert und restauriert.
In der aktuellen Folge der DENKMALZEIT geben Professor Mechthild Noll-Minor, Referatsleiterin für Restaurierung und Bauforschung am Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseum, und die Restauratorin Dr. Dorothee Schmidt-Breitung Einblicke in ihre Arbeit. Sie erklären, welche Schäden die Kunstwerke bedrohen, wie moderne Untersuchungsmethoden helfen und wie sich der Restaurator:innen-Beruf entwickelt hat.

Die Vorhalle empfängt die Besucherinnen und Besucher mit aufwendigen Wandmalereien und Stuckmarmor. Sie stimmt auf den Kirchenraum ein und erzählt von der religiösen Bedeutung des Klosters. Zugleich verweist die Architektur auf eine ältere Geschichte: Hinter der barocken Gestaltung sind Teile der mittelalterlichen Bausubstanz bis heute erhalten. Künstlerische Einflüsse aus Italien und Böhmen prägen das besondere Erscheinungsbild der katholischen Klosterkirche. Über Jahrzehnte drang Feuchtigkeit in das Mauerwerk ein. Dadurch gelangten Salze an die Oberfläche, deren Kristallisation die empfindlichen Farbschichten und den Stuckmarmor beschädigt. Abblätternde Malereien, weiße Ablagerungen und sich lösende Oberflächen zeugen von den Schäden. Bevor die aktuellen Arbeiten beginnen konnten, wurden die Schäden systematisch erfasst, Musterflächen bearbeitet und ein Restaurierungskonzept entwickelt. Die Maßnahmen erfolgen nun schrittweise in mehreren Bauabschnitten.

Ein wichtiger Unterschied: Konservierung dient dem Erhalt der originalen Substanz, Restaurierung verbessert die Lesbarkeit der Kunstwerke. Fehlstellen werden behutsam geschlossen, ohne die historischen Malereien großflächig nachzumalen. Ziel ist es, die Authentizität der Kunstwerke zu bewahren und auch ihre Altersspuren als Teil ihrer Geschichte sichtbar zu lassen. Moderne Untersuchungsmethoden helfen dabei, die verschiedenen historischen Schichten zu unterscheiden. Aufnahmen mit ultravioletter und infraroter Strahlung sowie multispektrale Bildverfahren machen frühere Übermalungen und schwer erkennbare Bilddetails sichtbar. Auch innovative Materialien kommen zum Einsatz: Spezielle Kompressen nehmen Salze aus den empfindlichen Oberflächen auf.

Neben den Schäden spielen Temperatur und Luftfeuchtigkeit eine entscheidende Rolle. Seit 2017 werden Klimadaten erfasst, um die Prozesse im Mauerwerk besser zu verstehen. Zudem wird geprüft, ob ein Windfang den Einfluss des Außenklimas auf die Vorhalle verringern kann. Gleichzeitig müssen die Arbeiten mit dem Gottesdienstbetrieb und dem touristischen Besucherverkehr abgestimmt werden. Drei Bauabschnitte sind bis Ende 2027 vorgesehen.
Links
Stiftskirche St. Marien
Museum Himmlisches Theater
Europäischer Tag der Restaurierung am 18. Oktober 2026