Der brandenburgische Denkmaltag 2026

Scheunen, Ställe, Speicher und Werkstätten gehören seit Jahrhunderten zum Bild brandenburgischer Dörfer. Doch viele dieser Gebäude haben ihre ursprüngliche Funktion verloren. Sie stehen leer, verfallen oder verschwinden ganz. Gleichzeitig verändert sich das Leben auf dem Land: Menschen ziehen zu, neue Häuser entstehen, alte werden umgebaut und neue Nutzungen gesucht. Wie kann es gelingen, dabei die Geschichte und Eigenart der Dörfer zu bewahren, ohne sie zu musealisieren?
Dieser Frage widmete sich der Brandenburgische Denkmaltag 2026 im Refektorium des Klosters Doberlug in Doberlug-Kirchhain. Unter dem Motto „LAND IN SICHT! – Dörfliche Nutzbauten zwischen Bedarf und Bewahrung“ kamen Fachleute aus Denkmalpflege, Architektur und Regionalentwicklung mit Initiativen, Eigentümerinnen und Eigentümern sowie Interessierten zusammen. Die neue Folge der DENKMALZEIT nimmt die Hörer:innen mit auf den Denkmaltag.

Brandenburg ist bis heute stark ländlich geprägt, doch gerade Gebäude wie Scheunen, Ställe und andere Nutzbauten werden als kulturelles Erbe häufig weniger wahrgenommen als Kirchen, Schlösser oder Herrenhäuser. Dabei erzählen sie von Landwirtschaft und Handwerk, von regionalen Baumaterialien und Bauweisen und nicht zuletzt davon, wie Menschen über Generationen hinweg auf dem Land gelebt und gearbeitet haben. Zugleich gehören sie zu den besonders gefährdeten Gebäuden. Landwirtschaft hat sich grundlegend verändert, viele historische Bauten werden für ihre ursprüngliche Aufgabe nicht mehr gebraucht. Manche sind für heutige Nutzungen zu groß, andere in schlechtem Zustand. Mit dem Verlust ihrer Funktion stellt sich deshalb fast zwangsläufig die Frage: Was kann aus ihnen werden? Eine einfache Antwort gibt es darauf nicht. Nicht jedes Gebäude wird erhalten werden können. Umso wichtiger ist es, genauer hinzusehen und darüber zu sprechen, welche Qualitäten vorhanden sind und welche neuen Möglichkeiten sich daraus entwickeln lassen.

Ländliche Bauten dürfen nicht wie in einem Bildbearbeitungsprogramm „freigestellt“, also isoliert betrachtet werden. Die Gebäude gehören zu einer Landschaft, zu einem Dorf und zu dessen Geschichte. Sie bestehen aus regionalen Materialien, in Beziehung zu Nachbarn und Handwerkern und waren Teile eines sozialen und wirtschaftlichen Zusammenhangs.
Doch was tun, wenn eine alte Scheune bereits verfällt und Geld, Erfahrung oder geeignete Handwerker fehlen? Genau vor dieser Situation stehen viele Eigentümerinnen und Eigentümer. Eine Besucherin des Denkmaltags berichtet im Podcast von einer Scheunenruine, die sie gemeinsam mit ihrem Mann als Teil einer historischen Hofanlage erworben hat. Erste Sicherungsmaßnahmen sind erfolgt, doch nun stellen sich Fragen nach Förderung, Beratung und fachkundigen Handwerkern. Hier kommen Netzwerke ins Spiel. Die Arbeitsgemeinschaft Historische Dorfkerne und die Interessengemeinschaft Bauernhaus gehören zu den Organisationen, die Wissen vermitteln, Kontakte herstellen und Menschen zusammenbringen.
Der Denkmaltag machte zugleich deutlich, dass Erhaltung nicht bedeuten kann, Dörfer auf einem bestimmten historischen Stand einzufrieren. Sie haben sich immer verändert und werden es weiterhin tun. Entscheidend ist deshalb auch, wie Neues entsteht. Damit führt die Frage nach Scheunen und Ställen weit über einzelne Denkmale hinaus. Es geht um lebenswerte Dörfer, um Wohnraum und Infrastruktur, um regionale Identität und um die Frage, wer künftig auf dem Land leben möchte und kann.
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Eine Patentlösung kann auch der Denkmaltag nicht anbieten. Dafür zeigt er etwas anderes: Die staatliche Denkmalpflege allein kann das dörfliche Bauerbe nicht retten. Es braucht Eigentümerinnen und Eigentümer, Kommunen, Architektinnen und Architekten, Handwerker, Vereine und engagierte Menschen vor Ort – und vor allem das Gespräch zwischen ihnen.
Die neue Folge der DENKMALZEIT versammelt diese unterschiedlichen Stimmen. Und sie zeigt: Zwischen Bewahren und Verändern liegt kein unauflösbarer Widerspruch. Gerade dort, wo historische Gebäude neue Aufgaben erhalten und neue Architektur den Charakter eines Ortes ernst nimmt, kann aus dem baulichen Erbe etwas entstehen, das nicht nur Vergangenheit bewahrt, sondern Zukunft ermöglicht.
Eine Extra-Folge der DENKMALZEIT dokumentiert die Podiumsdiskussion, die zum Abschluss des Denkmaltags stattfand.
Gespräche mit: Jens Wiese von der Interessengemeinschaft Bauernhaus, Dr. Kenneth Anders, Programmleiter des Oderbruch Museums Altranft, Prof. Niklas Fanelsa vom Architekturbüro Atelier Fanelsa und Prof. an der TU München, Dr. Sabine Bauer, Koordinatorin der AG Historische Dorfkerne im Land Brandenburg, Prof. Heinz Nagler erster Vorsitzender Förderverein Baukultur Brandenburg, Architekt, Stadtplaner und Prof. em. an der BTU Cottbus, Dr. Marcus Cante, Fachreferent für Inventarisation am BLDAM und Dr. Andrea Sonnleitner, Fachreferentin für historische Bauforschung am BLDAM.
Podiumsdiskussion:
Moderation: Dr. Wera Groß, ehemalige Fachreferentin für Praktische Denkmalpflege am BLDAM
Teilnehmer:innen: Architekt Dr. Achim Krekeler, Andrea Nickisch vom Netzwerk Zukunftsorte, Marco Beckendorf, Bürgermeister von Wiesenburg und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Historische Dorfkerne, Dr. Kenneth Anders, Programmleiter des Oderbruch Museums Altranft, Prof. Niklas Fanelsa, Architekturbüro Atelier Fanelsa und Professor an der Technischen Universität München
Links
Arbeitsheft Nr. 70: Ländliches Bauen in Brandenburg – Forschungsgeschichte und Bauernhofaufmaße bis 1945
AG Historische Dorfkerne im Land Brandenburg
Förderverein Baukultur Brandenburg e. V.
Mühlenvereinigung Berlin-Brandenburg e.V.
Interessengemeinschaft Bauernhaus e.V.
Netzwerk Zukunftsorte e.V.
Jugendbauhütte Brandenburg
Oderbruch Museum Altranft