
Ein Einhorn mitten in Brandenburg – und kaum jemand kannte es. Seit Jahrhunderten hängt in der St. Gotthardtkirche in Brandenburg an der Havel ein außergewöhnlicher Einhornteppich, der bis heute Fragen aufwirft. Woher stammt er? Was erzählt seine Darstellung? Und warum gilt er als europaweit einzigartig? Die aktuelle Folge der DENKMALZEIT geht dem Geheimnis dieses mittelalterlichen Einhorns auf den Grund. Nach einer aufwendigen Restaurierung kehrt die kostbare Tapisserie an ihren historischen Platz in der Taufkapelle zurück, nachdem sie zuvor in der Ausstellung „Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst“ im Museum Barberini in Potsdam zu sehen war.
Der rund 5,5 Meter breite Wandteppich aus dem späten 15. Jahrhundert fasziniert nicht nur durch seine aufwendige Handwerkskunst, sondern auch durch seine vielen offenen Fragen. Die Restauratorin des BLDAM, Dörte Busch, erklärt, warum die Herstellung einer solchen Tapisserie einst zu den kostspieligsten Kunstformen zählte und weshalb der Einhornteppich heute als europaweit einzigartig gilt. Sein Motiv zeigt eine höfische Szene mit einem zahmen Einhorn, dessen Symbolik zwischen mittelalterlicher Liebesallegorie und christlicher Marienverehrung angesiedelt ist. Bis heute sind jedoch weder seine genaue Herkunft noch seine ursprüngliche Funktion eindeutig geklärt.

Die Folge begleitet außerdem die feierliche Rückkehr des Kunstwerks in die Kirche und lässt verschiedene Menschen zu Wort kommen: Besucherinnen und Besucher, Wissenschaftler:innen sowie die „Brandenburger Bücherkinder“, die sich kreativ mit dem Einhornteppich auseinandergesetzt haben. Ihr Mentor Armin Schubert spricht über kulturelle Bildung und darüber, wie historische Kunstwerke junge Menschen dazu anregen können, sich mit Geschichte, Sprache und Kultur auseinanderzusetzen.

Einen besonderen Einblick geben die Restaurator:innen, die den Teppich begleitet haben. Textilrestauratorin Julia Zitzmann berichtet von der sorgfältigen Konservierung der jahrhundertealten Tapisserie. Dabei ging es nicht nur um die Stabilisierung von Fehlstellen und die behutsame Restaurierung des Gewebes, sondern vor allem um die Frage, wie das empfindliche Kunstwerk dauerhaft am historischen Ort erhalten werden kann. Restaurator und Vitrinenplaner Matthias Farke erklärt die eigens entwickelte Vitrine, die mithilfe einer nachhaltigen Klimatisierung ohne Strom für konstante Temperatur- und Feuchtigkeitswerte sorgt. So kann der Teppich dauerhaft in der Kirche bleiben und gleichzeitig optimal geschützt werden. Zum Abschluss spricht Pfarrer Philipp Mosch über die Rückkehr des Einhornteppichs in die St. Gotthardtkirche und seine Bedeutung für die Gemeinde. Er verbindet die Geschichte des Einhorns mit seiner christlichen Symbolik und lädt Besucherinnen und Besucher ein, das außergewöhnliche Kunstwerk selbst zu entdecken. Die Podcastfolge verbindet Denkmalpflege, Restaurierungswissenschaft, Kunstgeschichte und persönliche Geschichten zu einem lebendigen Blick auf ein außergewöhnliches Kulturerbe.
Interviews und Gespräche mit:
Dörte Busch, Restauratorin und Fachreferentin für die Restaurierung von Ausstattung am BLDAM , Textilrestauratorin Julia Zitzmann, Restaurator und Vitrinenplaner Matthias Farke, Pfarrer Philipp Mosch der St. Gotthardt- und Christusgemeinde in Brandenburg an der Havel, Juna von den Bücherkindern, Armin Schubert, Mentor der Bücherkinder und den Besucher:innen.
Links
St. Gotthardtkirche Brandenburg an der Havel
Bücherkinder Brandenburg an der Havel
Film: Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst
Museum Barberini Potsdam
Textilrestaurierung Julia Zitzmann
Museumsberatung Matthias Farke