084 Kann man Erinnerung ausgraben?

Jugendliche gestalten Erinnerungskultur in Ravensbrück

Zitat von Anna Seghers an der Gedenkwand im Eingangsbereich der 1959 eröffneten Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück. Foto: C. Krauskopf, BLDAM

Geschichte hinterlässt Spuren – manche sind auf den ersten Blick sichtbar, andere liegen im Boden verborgen. Im ehemaligen Konzentrationslager Ravensbrück haben Schüler:innen eines Leipziger Gymnasiums gemeinsam mit Wissenschaftler:innen genau nach diesen Spuren gesucht. Dabei ging es nicht nur um archäologische Funde, sondern auch um die Frage, wie Erinnerungskultur heute gestaltet werden kann.

Die Leiziger Jugendlichen im Ausgrabungsschnitt. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM

Im Rahmen der „Aktion Schöpfung bewahren“ verbrachten Jugendliche aus Leipzig zwei Wochen in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, um den historischen Ort kennenzulernen und aktiv mitzugestalten. Dabei ging es nicht nur ums Zuhören und Lernen, sondern vor allem ums Mitmachen.

Plan und Text der von den Leipziger Jugendlichen gestalteten Informationsstele zu Baracke 32. Foto: C. Krauskopf, BLDAM

In der ersten Woche entwickelten die Jugendlichen eine neue Informationsstele für die ehemalige Baracke 32. Sie macht die Ergebnisse archäologischer Untersuchungen sichtbar und hilft Besucherinnen und Besuchern, die Geschichte dieses Ortes besser zu verstehen.

Die Informationsstele zu Baracke 32. Foto: C. Krauskopf, BLDAM

Anschließend wurde es praktisch: Gemeinsam mit Archäolog:innen und Grabungstechnikern des BLDAM beteiligten sich die Jugendlichen an Ausgrabungen im Bereich der sogenannten „Nacht-und-Nebel-Baracke“ 32. Dabei wurde schnell deutlich, dass Archäologie weit mehr ist als das Freilegen von Funden – sie macht Geschichte greifbar und eröffnet neue Perspektiven auf einen Ort, dessen Vergangenheit bis heute bewegt.

Interviews und Gespräche mit:

Schülern eines Leipziger Gymnasiums, Dr. Andrea Genest (Leiterin Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück), Prof. Dr. Franz Schopper (Direktor des BLDAM und Landesarchäologe) sowie Katharina Malek-Custodis (Dezernatsleiterin Bodendenkmalpflege und stellvertretende Landesarchäologin).

Links:

Short auf YouTube

Podcastfolge aus dem Jahr 2025: Archäologisches Workcamp in der Gedenkstätte Ravensbrück

Mahn‑ und Gedenkstätte Ravensbrück

083 Das geheime Einhorn von Brandenburg an der Havel

Ausschnitt aus dem brandenburger Einhornteppich. Foto: Anne-Marie Graatz, BLDAM

Ein Einhorn mitten in Brandenburg – und kaum jemand kannte es. Seit Jahrhunderten hängt in der St. Gotthardtkirche in Brandenburg an der Havel ein außergewöhnlicher Einhornteppich, der bis heute Fragen aufwirft. Woher stammt er? Was erzählt seine Darstellung? Und warum gilt er als europaweit einzigartig? Die aktuelle Folge der DENKMALZEIT geht dem Geheimnis dieses mittelalterlichen Einhorns auf den Grund. Nach einer aufwendigen Restaurierung kehrt die kostbare Tapisserie an ihren historischen Platz in der Taufkapelle zurück, nachdem sie zuvor in der Ausstellung „Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst“ im Museum Barberini in Potsdam zu sehen war.

Der rund 5,5 Meter breite Wandteppich aus dem späten 15. Jahrhundert fasziniert nicht nur durch seine aufwendige Handwerkskunst, sondern auch durch seine vielen offenen Fragen. Die Restauratorin des BLDAM, Dörte Busch, erklärt, warum die Herstellung einer solchen Tapisserie einst zu den kostspieligsten Kunstformen zählte und weshalb der Einhornteppich heute als europaweit einzigartig gilt. Sein Motiv zeigt eine höfische Szene mit einem zahmen Einhorn, dessen Symbolik zwischen mittelalterlicher Liebesallegorie und christlicher Marienverehrung angesiedelt ist. Bis heute sind jedoch weder seine genaue Herkunft noch seine ursprüngliche Funktion eindeutig geklärt.

Der Einhornteppich in seiner Spezialvitrine. Foto: Anne-Marie Graatz, BLDAM

Die Folge begleitet außerdem die feierliche Rückkehr des Kunstwerks in die Kirche und lässt verschiedene Menschen zu Wort kommen: Besucherinnen und Besucher, Wissenschaftler:innen sowie die „Brandenburger Bücherkinder“, die sich kreativ mit dem Einhornteppich auseinandergesetzt haben. Ihr Mentor Armin Schubert spricht über kulturelle Bildung und darüber, wie historische Kunstwerke junge Menschen dazu anregen können, sich mit Geschichte, Sprache und Kultur auseinanderzusetzen.

St. Gotthardt in Brandenburg an der Havel. Foto: Anne-Marie Graatz, BLDAM

Einen besonderen Einblick geben die Restaurator:innen, die den Teppich begleitet haben. Textilrestauratorin Julia Zitzmann berichtet von der sorgfältigen Konservierung der jahrhundertealten Tapisserie. Dabei ging es nicht nur um die Stabilisierung von Fehlstellen und die behutsame Restaurierung des Gewebes, sondern vor allem um die Frage, wie das empfindliche Kunstwerk dauerhaft am historischen Ort erhalten werden kann. Restaurator und Vitrinenplaner Matthias Farke erklärt die eigens entwickelte Vitrine, die mithilfe einer nachhaltigen Klimatisierung ohne Strom für konstante Temperatur- und Feuchtigkeitswerte sorgt. So kann der Teppich dauerhaft in der Kirche bleiben und gleichzeitig optimal geschützt werden. Zum Abschluss spricht Pfarrer Philipp Mosch über die Rückkehr des Einhornteppichs in die St. Gotthardtkirche und seine Bedeutung für die Gemeinde. Er verbindet die Geschichte des Einhorns mit seiner christlichen Symbolik und lädt Besucherinnen und Besucher ein, das außergewöhnliche Kunstwerk selbst zu entdecken. Die Podcastfolge verbindet Denkmalpflege, Restaurierungswissenschaft, Kunstgeschichte und persönliche Geschichten zu einem lebendigen Blick auf ein außergewöhnliches Kulturerbe.

Interviews und Gespräche mit:

Dörte Busch, Restauratorin und Fachreferentin für die Restaurierung von Ausstattung am BLDAM , Textilrestauratorin Julia Zitzmann, Restaurator und Vitrinenplaner Matthias Farke, Pfarrer Philipp Mosch der St. Gotthardt- und Christusgemeinde in Brandenburg an der Havel, Juna von den Bücherkindern, Armin Schubert, Mentor der Bücherkinder und den Besucher:innen.

Links

Einhorn-Short

St. Gotthardtkirche Brandenburg an der Havel

Bücherkinder Brandenburg an der Havel

Film: Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst

Museum Barberini Potsdam

Textilrestaurierung Julia Zitzmann

Museumsberatung Matthias Farke