087 Des Königs Zahnbürste?

Spektakulärer Fund aus dem Neuen Palais in Potsdam

Die älteste archäologisch nachgewiesene Zahnbürste in Berlin und Brandenburg. Foto: K.-U. Uschmann, archaeofakt

Was hat eine Zahnbürste aus Knochen und Schweineborsten mit Friedrich dem Großen, süßen Speisen und moderner Zahngesundheit zu tun? Zum Tag der Zahngesundheit werfen wir einen Blick auf eine überraschende Geschichte: Bei archäologischen Untersuchungen am Neuen Palais in Potsdam wurde eine rund 250 Jahre alte Zahnbürste entdeckt – vermutlich die älteste archäologisch nachgewiesene Zahnbürste in Berlin und Brandenburg.

Das Neue Palais in Potsdam. Foto: S. Jahns, BLDAM

Die Ausgrabungen rund um das Neue Palais fanden zwischen 2013 und 2018 statt. Dabei untersuchten Archäologinnen und Archäologen unter anderem historische Abwasserkanäle. In deren Ablagerungen fanden sich zahlreiche Überreste, darunter Obstkerne, Glasscherben, Eierschalen, Federn und Insektenreste. Besonders häufig waren Erdbeer- und Feigenkerne. Die Funde geben Einblicke in die Ernährung am Hof und passen zu historischen Quellen, nach denen Friedrich der Große frisches Obst und Süßspeisen besonders schätzte.

Nüsschen einer Erdbeere. Friedrich II. aß nachweislich gerne Erdbeeren. Foto: V. Podsiadlowski/M. Hochmuth, DAI

Die spektakulärste Entdeckung lag allerdings nicht im Abwasserkanal: Unter dem ehemaligen Königsflügel wurde eine etwa neun Zentimeter lange Zahnbürste aus Knochen und Schweineborsten gefunden. Ihre Nähe zu den ehemaligen Räumen Friedrichs des Großen und weitere Funde aus der Zeit sprechen dafür, dass sie aus dem späten 18. Jahrhundert stammt. Ob sie tatsächlich Friedrich dem Großen gehörte, lässt sich allerdings nicht eindeutig beweisen.

Brombeer- und Himbeerkerne aus dem Neuen Palais. Fotos: V. Podsiadlowski/M. Hochmuth, DAI
Abwasserrohr des 19. Jahrhunderts aus englischer Produktion im Neuen Palais in Potsdam. Foto: K.-U. Uschmann, archaeofakt

Die Zahnbürste zeigt zugleich, wie sehr sich die Mundpflege verändert hat. Im 18. Jahrhundert waren Zahnbürsten vor allem ein Luxusgut. Die harten Schweineborsten konnten das Zahnfleisch reizen und wurden nach damaligen Empfehlungen nur selten verwendet. Mit der zunehmenden Verbreitung von Zucker wurde Zahnpflege immer wichtiger – auch wenn man die tatsächlichen Ursachen von Karies noch nicht verstand.

Friedrich II. legte vermutlich Wert auf die Zahnpflege. Zumindest empfing er 1756 den Zahnarzt Philipp Pfaff (1713–1766), der zu den Wegbereitern der wissenschaftlichen Zahnheilkunde in Deutschland zählt. Bei der Audienz überreichte Pfaff Friedrich II. persönlich seine „Abhandlung von den Zähnen des menschlichen Körpers und deren Krankheiten“, in der er auch Fragen der Zahnpflege und Vorbeugung behandelte. Als Anerkennung seiner Arbeit ernannte ihn der König zum königlich-preußischen Hofzahnarzt.

Heute wissen wir, dass vor allem das Zusammenspiel von Zahnbelag, Bakterien und häufigem Zuckerkonsum Karies begünstigt. Die Zahnärztin Jacqueline Leese erklärt im Podcast, worauf es bei moderner Zahnpflege ankommt: Mindestens zweimal täglich gründlich putzen, die Zahnzwischenräume reinigen, eine gesunde Ernährung und regelmäßig zur Kontrolle gehen.

Ein weiteres Ergebnis der Untersuchungen sind zahlreiche Funde von Obstkernen und Nüssen. Neben Erdbeeren konnten Brombeeren, Himbeeren, Wein und Nüsse nachgewiesen werden. Auch Eierschalen erzählen von der Speisenverwendung im Hohenzollern’schen Haushalt. Von Friedrich II. ist bekannt, dass er gerne frrisches Obst aß.

So verbindet der Fund aus dem Neuen Palais Archäologie und Gegenwart: Eine kleine Zahnbürste erzählt von höfischer Lebensweise, Esskultur und dem Wandel unseres Verständnisses von Zahngesundheit – und zeigt, wie viel Geschichte in einem alltäglichen Gegenstand stecken kann.

Gespräche mit: Dr. Kay-Uwe Uschmann, Archäologe und Dr. Susanne Jahns, Fachreferentin für Archäobotanik am BLDAM sowie mit der Zahnärztin Jacqueline Leese.

Weiterführende Links

Friedrich der Große und die Musik

Flötenkonzert Nr. 3 von Friedrich II.

Das Neue Palais

Das preußische Kochbuch. Köstlichkeiten und Geschichten aus der königlichen Küche von Bernd Maether, Ronny Pietzner

A Haunting Spectre. Archaeological Studies of Social Organisation, Economic Practice, and Inequality. A Festschrift for Johannes Müller on the occasion of his 65th birthday.

Zum Hofzahnarzt Philipp Pfaff

086 Land in Sicht!

Der brandenburgische Denkmaltag 2026

Vortrag beim brandenburgischen Denkmaltag in Doberlug-Kirchhain. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM

Scheunen, Ställe, Speicher und Werkstätten gehören seit Jahrhunderten zum Bild brandenburgischer Dörfer. Doch viele dieser Gebäude haben ihre ursprüngliche Funktion verloren. Sie stehen leer, verfallen oder verschwinden ganz. Gleichzeitig verändert sich das Leben auf dem Land: Menschen ziehen zu, neue Häuser entstehen, alte werden umgebaut und neue Nutzungen gesucht. Wie kann es gelingen, dabei die Geschichte und Eigenart der Dörfer zu bewahren, ohne sie zu musealisieren?

Dieser Frage widmete sich der Brandenburgische Denkmaltag 2026 im Refektorium des Klosters Doberlug in Doberlug-Kirchhain. Unter dem Motto „LAND IN SICHT! – Dörfliche Nutzbauten zwischen Bedarf und Bewahrung“ kamen Fachleute aus Denkmalpflege, Architektur und Regionalentwicklung mit Initiativen, Eigentümerinnen und Eigentümern sowie Interessierten zusammen. Die neue Folge der DENKMALZEIT nimmt die Hörer:innen mit auf den Denkmaltag.

Im Vortragssaal präsentierten sich unterschiedliche Initativen. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM

Brandenburg ist bis heute stark ländlich geprägt, doch gerade Gebäude wie Scheunen, Ställe und andere Nutzbauten werden als kulturelles Erbe häufig weniger wahrgenommen als Kirchen, Schlösser oder Herrenhäuser. Dabei erzählen sie von Landwirtschaft und Handwerk, von regionalen Baumaterialien und Bauweisen und nicht zuletzt davon, wie Menschen über Generationen hinweg auf dem Land gelebt und gearbeitet haben. Zugleich gehören sie zu den besonders gefährdeten Gebäuden. Landwirtschaft hat sich grundlegend verändert, viele historische Bauten werden für ihre ursprüngliche Aufgabe nicht mehr gebraucht. Manche sind für heutige Nutzungen zu groß, andere in schlechtem Zustand. Mit dem Verlust ihrer Funktion stellt sich deshalb fast zwangsläufig die Frage: Was kann aus ihnen werden? Eine einfache Antwort gibt es darauf nicht. Nicht jedes Gebäude wird erhalten werden können. Umso wichtiger ist es, genauer hinzusehen und darüber zu sprechen, welche Qualitäten vorhanden sind und welche neuen Möglichkeiten sich daraus entwickeln lassen.

Das Podium zum Abschluss des Denkmaltags. Foto: A.-M. Graatz. BLDAM

Ländliche Bauten dürfen nicht wie in einem Bildbearbeitungsprogramm „freigestellt“, also isoliert betrachtet werden. Die Gebäude gehören zu einer Landschaft, zu einem Dorf und zu dessen Geschichte. Sie bestehen aus regionalen Materialien, in Beziehung zu Nachbarn und Handwerkern und waren Teile eines sozialen und wirtschaftlichen Zusammenhangs.

Doch was tun, wenn eine alte Scheune bereits verfällt und Geld, Erfahrung oder geeignete Handwerker fehlen? Genau vor dieser Situation stehen viele Eigentümerinnen und Eigentümer. Eine Besucherin des Denkmaltags berichtet im Podcast von einer Scheunenruine, die sie gemeinsam mit ihrem Mann als Teil einer historischen Hofanlage erworben hat. Erste Sicherungsmaßnahmen sind erfolgt, doch nun stellen sich Fragen nach Förderung, Beratung und fachkundigen Handwerkern. Hier kommen Netzwerke ins Spiel. Die Arbeitsgemeinschaft Historische Dorfkerne und die Interessengemeinschaft Bauernhaus gehören zu den Organisationen, die Wissen vermitteln, Kontakte herstellen und Menschen zusammenbringen.

Der Denkmaltag machte zugleich deutlich, dass Erhaltung nicht bedeuten kann, Dörfer auf einem bestimmten historischen Stand einzufrieren. Sie haben sich immer verändert und werden es weiterhin tun. Entscheidend ist deshalb auch, wie Neues entsteht. Damit führt die Frage nach Scheunen und Ställen weit über einzelne Denkmale hinaus. Es geht um lebenswerte Dörfer, um Wohnraum und Infrastruktur, um regionale Identität und um die Frage, wer künftig auf dem Land leben möchte und kann.

Arbeitsheft des Brandenburgischen Landesamts für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums zum ländlichen Bauen. Michael Imhof Verlag / BLDAM

Eine Patentlösung kann auch der Denkmaltag nicht anbieten. Dafür zeigt er etwas anderes: Die staatliche Denkmalpflege allein kann das dörfliche Bauerbe nicht retten. Es braucht Eigentümerinnen und Eigentümer, Kommunen, Architektinnen und Architekten, Handwerker, Vereine und engagierte Menschen vor Ort – und vor allem das Gespräch zwischen ihnen.

Die neue Folge der DENKMALZEIT versammelt diese unterschiedlichen Stimmen. Und sie zeigt: Zwischen Bewahren und Verändern liegt kein unauflösbarer Widerspruch. Gerade dort, wo historische Gebäude neue Aufgaben erhalten und neue Architektur den Charakter eines Ortes ernst nimmt, kann aus dem baulichen Erbe etwas entstehen, das nicht nur Vergangenheit bewahrt, sondern Zukunft ermöglicht.

Eine Extra-Folge der DENKMALZEIT dokumentiert die Podiumsdiskussion, die zum Abschluss des Denkmaltags stattfand.

Gespräche mit: Jens Wiese von der Interessengemeinschaft Bauernhaus, Dr. Kenneth Anders, Programmleiter des Oderbruch Museums Altranft, Prof. Niklas Fanelsa vom Architekturbüro Atelier Fanelsa und Prof. an der TU München, Dr. Sabine Bauer, Koordinatorin der AG Historische Dorfkerne im Land Brandenburg, Prof. Heinz Nagler erster Vorsitzender Förderverein Baukultur Brandenburg, Architekt, Stadtplaner und Prof. em. an der BTU Cottbus, Dr. Marcus Cante, Fachreferent für Inventarisation am BLDAM und Dr. Andrea Sonnleitner, Fachreferentin für historische Bauforschung am BLDAM.

Podiumsdiskussion:

Moderation: Dr. Wera Groß, ehemalige Fachreferentin für Praktische Denkmalpflege am BLDAM

Teilnehmer:innen: Architekt Dr. Achim Krekeler, Andrea Nickisch vom Netzwerk Zukunftsorte, Marco Beckendorf, Bürgermeister von Wiesenburg und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Historische Dorfkerne, Dr. Kenneth Anders, Programmleiter des Oderbruch Museums Altranft, Prof. Niklas Fanelsa, Architekturbüro Atelier Fanelsa und Professor an der Technischen Universität München

Links

Arbeitsheft Nr. 70: Ländliches Bauen in Brandenburg – Forschungsgeschichte und Bauernhofaufmaße bis 1945

AG Historische Dorfkerne im Land Brandenburg

Förderverein Baukultur Brandenburg e. V.

Mühlenvereinigung Berlin-Brandenburg e.V.

Interessengemeinschaft Bauernhaus e.V.

Netzwerk Zukunftsorte e.V.

Jugendbauhütte Brandenburg

Oderbruch Museum Altranft

Atelier Fanelsa

086 Extra: Die Podiumsdiskussion zum brandenburgischen Denkmaltag 2026

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Die Extra-Folge der DENKMALZEIT dokumentiert die Podiumsdiskussion anlässlich des brandenburgischen Denkmaltags 2026. Auf dem Podium diskutieren Architekt Dr. Achim Krekeler aus Brandenburg an der Havel, Andrea Nickisch vom Netzwerk Zukunftsorte, Marco Beckendorf, Bürgermeister von Wiesenburg und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Historische Dorfkerne, Dr. Kenneth Anders, Programmleiter des Oderbruch Museums Altranft, Prof. Niklas Fanelsa vom Architekturbüro Atelier Fanelsa und Professor an der Technischen Universität München. Die Moderation hatte Dr. Wera Groß vom BLDAM.

086 Land in Sicht!

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Scheunen, Ställe, Speicher und Werkstätten gehören seit Jahrhunderten zum Bild brandenburgischer Dörfer. Doch viele dieser Gebäude haben ihre ursprüngliche Funktion verloren. Sie stehen leer, verfallen oder verschwinden ganz. Gleichzeitig verändert sich das Leben auf dem Land: Menschen ziehen zu, neue Häuser entstehen, alte werden umgebaut und neue Nutzungen gesucht. Wie kann es gelingen, dabei die Geschichte und Eigenart der Dörfer zu bewahren, ohne sie zu musealisieren?

Dieser Frage widmete sich der Brandenburgische Denkmaltag 2026 im Refektorium des Klosters Doberlug in Doberlug-Kirchhain. Unter dem Motto „LAND IN SICHT! – Dörfliche Nutzbauten zwischen Bedarf und Bewahrung“ kamen Fachleute aus Denkmalpflege, Architektur und Regionalentwicklung mit Initiativen, Eigentümerinnen und Eigentümern sowie Interessierten zusammen. Die neue Folge der DENKMALZEIT nimmt die Hörer:innen mit auf den Denkmaltag.

085 Vom Ab- und Auftauchen

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Was verbirgt sich unter der Wasseroberfläche unserer Seen, Flüsse und Meere? Zum internationalen Tag des Kulturerbes unter Wasser widmet sich die neue Folge von DENKMALZEIT der Unterwasserarchäologie – und nimmt uns mit auf eine Reise durch Deutschland, von der Ostsee über den Werbellinsee bis zum Bodensee und darüber hinaus in die Schweiz.

Im Mittelpunkt steht die dritte Tagung des Arbeitskreises für Unterwasser- und Feuchtbodenarchäologie (AKUFA) in Brandenburg an der Havel. Dort kommen Fachleute, ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger:innen sowie interessierte Sporttaucherinnen und Sporttaucher zusammen, um sich über ihre Arbeit, neue Methoden und aktuelle Herausforderungen auszutauschen.

Die Gespräche führte Anne-Marie Graatz.

085 Vom Ab- und Auftauchen

Was liegt unter Wasser?

Tauchgang an einem Kaffenkahn im Werbellinsee. Postkarte des BLDAM. Foto: K. Dietterle

Was verbirgt sich unter der Wasseroberfläche unserer Seen, Flüsse und Meere? Zum internationalen Tag des Kulturerbes unter Wasser widmet sich die neue Folge von DENKMALZEIT der Unterwasserarchäologie – und nimmt uns mit auf eine Reise durch Deutschland, von der Ostsee über den Werbellinsee bis zum Bodensee und darüber hinaus in die Schweiz.

Die AKUFA-Tagung im Archäologischen Landesmuseum in Brandenburg an der Havel.
Foto: A.-M. Graatz, BLDAM

Im Mittelpunkt steht die dritte Tagung des Arbeitskreises für Unterwasser- und Feuchtbodenarchäologie (AKUFA) in Brandenburg an der Havel. Dort kommen Fachleute, ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger:innen sowie interessierte Sporttaucherinnen und Sporttaucher zusammen, um sich über ihre Arbeit, neue Methoden und aktuelle Herausforderungen auszutauschen.

Sie erzählen, wie archäologische Untersuchungen unter Wasser funktionieren, welche Funde dort entdeckt werden und warum das Kulturerbe unter Wasser besonderen Schutz braucht. Mit dabei sind unter anderem Unterwasserarchäologinnen und -archäologen aus Brandenburg, Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und der Schweiz sowie ehrenamtliche Unterwasserarchäolog:innen aus Brandenburg.

Unterwasser-Exkursion während der AKUFA-Tagung. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM

Ein besonderes Highlight der Tagung ist die Tauchexkursion zu einem mittelalterlichen Fundplatz im Werbellinsee. Die mittelalterliche Kemlade Altenhof ist bereits seit dem 19. Jahrhundert bekannt. Heute weiß man, dass dort vermutlich im 12. und 13. Jahrhundert eine Befestigungsanlage des niederen Adels auf Plattformen im Wasser bestand. Unter Wasser haben sich Pfosten, Palisaden und Gebäudereste erhalten. Bei nur etwa zwei Metern Wassertiefe lässt sich die Anlage fast wie ein Freilichtmuseum unter Wasser erkunden. Gleichzeitig zeigt sich hier eine der großen Herausforderungen der Unterwasserarchäologie: Der Fundplatz liegt in einem beliebten Tauchgewässer und ist dadurch zunehmend gefährdet.

Auch die Geschichte der sogenannten Kaffenkähne wird erzählt. Die einfachen Lastkähne transportierten früher Baumaterial, Abfall und Waren über die Gewässer rund um Berlin. Viele gingen bei starkem Wind unter und liegen heute als historische Wracks auf dem Grund des Werbellinsees.

Tauchgang zur Kemlade von Altenhof. Foto: J. Bugenhagen

Der Blick geht außerdem über Brandenburg hinaus. Am Bodensee werden Pfahlbauten sowie Schiffs- und Flugzeugwracks erforscht. Mithilfe von Sonardaten und modernen Vermessungsmethoden lassen sich große Bereiche des Seegrunds untersuchen und auffällige Strukturen gezielt überprüfen. Aus der Schweiz wird unter anderem von archäologischen Projekten im Kanton Luzern berichtet, bei denen Pfahlbauten und die Herausforderungen eines geplanten Tunnelbaus im Seebecken eine wichtige Rolle spielen.

Ein zentrales Thema ist der Schutz des Kulturerbes unter Wasser. Sinkende Wasserstände, steigende Temperaturen, eingeschleppte Arten wie der Schiffsbohrwurm oder die Quagga-Dreikantmuschel und weitere Umwelteinflüsse setzen den Fundstellen zu. Das Engagement von Ehrenamtlichen ist dabei besonders wichtig. Gerade in Brandenburg tragen sie wesentlich dazu bei, Unterwasserdenkmale zu erforschen, regelmäßig zu kontrollieren und ihren Zustand zu dokumentieren.

Interviews und Gespräche mit:

Lukas Goldmann, Fachreferent für Ehrenamt, Slawisches Mittelalter und Unterwasserarchäologie am BLDAM, Roger Blum und Jan Seifert, ehrenamtliche Unterwasserarchäologen, Alexandra Ulisch, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt „Wracks und Tiefsee“ am Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, Lea Emmenegger und Anna Kienholz von der Kantonsarchäologie Luzern, Dr. Jens Auer vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern und Sprecher der Kommission für Unterwasser- und Feuchtbodenarchäologie, Exkursions- und Tagungsteilnehmer:innen

Links

Kommission für Unterwasser- und Feuchtbodenarchäologie (KUFA)

Programm der AKUFA Tagung 2026

Verein für Unterwasserarchäologie Berlin-Brandenburg e. V.

UNESCO-Konvention zum Schutz des Kulturerbes unter Wasser

Literatur, Blogs und Weiteres

Artikel: Ein markgräflicher Pfahlbau im Werbellinsee: die spätmittelalterliche Kemlade von Altenhof (Brandenburg) von Felix Biermann, Roger Blum, Jan Seifert

Kaffenkähne

Was macht eine Unterwasserarchäologin?

Tauch-Podcast Dekozeit

Blog rund ums Tauchen

Projekt „Wracks und Tiefsee“

Terra-x-Folge mit dem Unterwasserarchäologen Dr. Florian Huber

Museen im, am und auf dem Wasser

Sporttauchermuseum Berlin

Freiwassermuseum Mecklenburg-Vorpommern

Pfahlbauten

Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg

Die Bremer Kogge im Deutschen Schiffahrtsmuseum

Technikmuseum Berlin

084 Kann man Erinnerung ausgraben?

Jugendliche gestalten Erinnerungskultur in Ravensbrück

Zitat von Anna Seghers an der Gedenkwand im Eingangsbereich der 1959 eröffneten Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück. Foto: C. Krauskopf, BLDAM

Geschichte hinterlässt Spuren – manche sind auf den ersten Blick sichtbar, andere liegen im Boden verborgen. Im ehemaligen Konzentrationslager Ravensbrück haben Schüler:innen eines Leipziger Gymnasiums gemeinsam mit Wissenschaftler:innen genau nach diesen Spuren gesucht. Dabei ging es nicht nur um archäologische Funde, sondern auch um die Frage, wie Erinnerungskultur heute gestaltet werden kann.

Die Leiziger Jugendlichen im Ausgrabungsschnitt. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM

Im Rahmen der „Aktion Schöpfung bewahren“ verbrachten Jugendliche aus Leipzig zwei Wochen in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, um den historischen Ort kennenzulernen und aktiv mitzugestalten. Dabei ging es nicht nur ums Zuhören und Lernen, sondern vor allem ums Mitmachen.

Plan und Text der von den Leipziger Jugendlichen gestalteten Informationsstele zu Baracke 32. Foto: C. Krauskopf, BLDAM

In der ersten Woche entwickelten die Jugendlichen eine neue Informationsstele für die ehemalige Baracke 32. Sie macht die Ergebnisse archäologischer Untersuchungen sichtbar und hilft Besucherinnen und Besuchern, die Geschichte dieses Ortes besser zu verstehen.

Die Informationsstele zu Baracke 32. Foto: C. Krauskopf, BLDAM

Anschließend wurde es praktisch: Gemeinsam mit Archäolog:innen und Grabungstechnikern des BLDAM beteiligten sich die Jugendlichen an Ausgrabungen im Bereich der sogenannten „Nacht-und-Nebel-Baracke“ 32. Dabei wurde schnell deutlich, dass Archäologie weit mehr ist als das Freilegen von Funden – sie macht Geschichte greifbar und eröffnet neue Perspektiven auf einen Ort, dessen Vergangenheit bis heute bewegt.

Interviews und Gespräche mit:

Schülern eines Leipziger Gymnasiums, Dr. Andrea Genest (Leiterin Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück), Prof. Dr. Franz Schopper (Direktor des BLDAM und Landesarchäologe) sowie Katharina Malek-Custodis (Dezernatsleiterin Bodendenkmalpflege und stellvertretende Landesarchäologin).

Links:

Short auf YouTube

Podcastfolge aus dem Jahr 2025: Archäologisches Workcamp in der Gedenkstätte Ravensbrück

Mahn‑ und Gedenkstätte Ravensbrück

084 Kann man Erinnerung ausgraben?

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Jugendliche gestalten Erinnerungskultur in Ravensbrück

Geschichte hinterlässt Spuren – manche sind auf den ersten Blick sichtbar, andere liegen im Boden verborgen. In Ravensbrück haben Schülerinnen eines Leipziger Gymnasiums gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen genau nach diesen Spuren gesucht. Dabei ging es nicht nur um archäologische Funde, sondern auch um die Frage, wie Erinnerungskultur heute gestaltet werden kann.

Im Rahmen der „Aktion Schöpfung bewahren“ verbrachten Jugendliche aus Leipzig zwei Wochen in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, um den historischen Ort kennenzulernen und aktiv mitzugestalten. Dabei ging es nicht nur ums Zuhören und Lernen, sondern vor allem ums Mitmachen.

In der ersten Woche entwickelten die Jugendlichen eine neue Informationsstele für die ehemalige Baracke 32. Sie macht die Ergebnisse archäologischer Untersuchungen sichtbar und hilft Besucher:innen, die Geschichte dieses Ortes besser zu verstehen.

Anschließend wurde es praktisch: Gemeinsam mit Archäolog:innen und Grabungstechnikern des BLDAM beteiligten sich die Jugendlichen an Ausgrabungen im Bereich der sogenannten „Nacht-und-Nebel-Baracke“ 32. Dabei wurde schnell deutlich, dass Archäologie weit mehr ist als das Freilegen von Funden – sie macht Geschichte greifbar und eröffnet neue Perspektiven auf einen Ort, dessen Vergangenheit bis heute bewegt.

083 Das geheime Einhorn von Brandenburg an der Havel

Ausschnitt aus dem brandenburger Einhornteppich. Foto: Anne-Marie Graatz, BLDAM

Ein Einhorn mitten in Brandenburg – und kaum jemand kannte es. Seit Jahrhunderten hängt in der St. Gotthardtkirche in Brandenburg an der Havel ein außergewöhnlicher Einhornteppich, der bis heute Fragen aufwirft. Woher stammt er? Was erzählt seine Darstellung? Und warum gilt er als europaweit einzigartig? Die aktuelle Folge der DENKMALZEIT geht dem Geheimnis dieses mittelalterlichen Einhorns auf den Grund. Nach einer aufwendigen Restaurierung kehrt die kostbare Tapisserie an ihren historischen Platz in der Taufkapelle zurück, nachdem sie zuvor in der Ausstellung „Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst“ im Museum Barberini in Potsdam zu sehen war.

Der rund 5,5 Meter breite Wandteppich aus dem späten 15. Jahrhundert fasziniert nicht nur durch seine aufwendige Handwerkskunst, sondern auch durch seine vielen offenen Fragen. Die Restauratorin des BLDAM, Dörte Busch, erklärt, warum die Herstellung einer solchen Tapisserie einst zu den kostspieligsten Kunstformen zählte und weshalb der Einhornteppich heute als europaweit einzigartig gilt. Sein Motiv zeigt eine höfische Szene mit einem zahmen Einhorn, dessen Symbolik zwischen mittelalterlicher Liebesallegorie und christlicher Marienverehrung angesiedelt ist. Bis heute sind jedoch weder seine genaue Herkunft noch seine ursprüngliche Funktion eindeutig geklärt.

Der Einhornteppich in seiner Spezialvitrine. Foto: Anne-Marie Graatz, BLDAM

Die Folge begleitet außerdem die feierliche Rückkehr des Kunstwerks in die Kirche und lässt verschiedene Menschen zu Wort kommen: Besucherinnen und Besucher, Wissenschaftler:innen sowie die „Brandenburger Bücherkinder“, die sich kreativ mit dem Einhornteppich auseinandergesetzt haben. Ihr Mentor Armin Schubert spricht über kulturelle Bildung und darüber, wie historische Kunstwerke junge Menschen dazu anregen können, sich mit Geschichte, Sprache und Kultur auseinanderzusetzen.

St. Gotthardt in Brandenburg an der Havel. Foto: Anne-Marie Graatz, BLDAM

Einen besonderen Einblick geben die Restaurator:innen, die den Teppich begleitet haben. Textilrestauratorin Julia Zitzmann berichtet von der sorgfältigen Konservierung der jahrhundertealten Tapisserie. Dabei ging es nicht nur um die Stabilisierung von Fehlstellen und die behutsame Restaurierung des Gewebes, sondern vor allem um die Frage, wie das empfindliche Kunstwerk dauerhaft am historischen Ort erhalten werden kann. Restaurator und Vitrinenplaner Matthias Farke erklärt die eigens entwickelte Vitrine, die mithilfe einer nachhaltigen Klimatisierung ohne Strom für konstante Temperatur- und Feuchtigkeitswerte sorgt. So kann der Teppich dauerhaft in der Kirche bleiben und gleichzeitig optimal geschützt werden. Zum Abschluss spricht Pfarrer Philipp Mosch über die Rückkehr des Einhornteppichs in die St. Gotthardtkirche und seine Bedeutung für die Gemeinde. Er verbindet die Geschichte des Einhorns mit seiner christlichen Symbolik und lädt Besucherinnen und Besucher ein, das außergewöhnliche Kunstwerk selbst zu entdecken. Die Podcastfolge verbindet Denkmalpflege, Restaurierungswissenschaft, Kunstgeschichte und persönliche Geschichten zu einem lebendigen Blick auf ein außergewöhnliches Kulturerbe.

Interviews und Gespräche mit:

Dörte Busch, Restauratorin und Fachreferentin für die Restaurierung von Ausstattung am BLDAM , Textilrestauratorin Julia Zitzmann, Restaurator und Vitrinenplaner Matthias Farke, Pfarrer Philipp Mosch der St. Gotthardt- und Christusgemeinde in Brandenburg an der Havel, Juna von den Bücherkindern, Armin Schubert, Mentor der Bücherkinder und den Besucher:innen.

Links

Einhorn-Short

St. Gotthardtkirche Brandenburg an der Havel

Bücherkinder Brandenburg an der Havel

Film: Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst

Museum Barberini Potsdam

Textilrestaurierung Julia Zitzmann

Museumsberatung Matthias Farke

083 Das geheime Einhorn von Brandenburg an der Havel

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Ein Einhorn mitten in Brandenburg – und kaum jemand kannte es. Seit Jahrhunderten hängt in der St. Gotthardtkirche in Brandenburg an der Havel ein außergewöhnlicher Einhornteppich, der bis heute Fragen aufwirft. Woher stammt er? Was erzählt seine Darstellung? Und warum gilt er als europaweit einzigartig? Die aktuelle Folge der DENKMALZEIT geht dem Geheimnis dieses mittelalterlichen Einhorns auf den Grund.

Die Folge begleitet die feierliche Rückkehr des Kunstwerks in die Kirche und lässt verschiedene Menschen zu Wort kommen: Besucherinnen und Besucher, Wissenschaftler:innen sowie die „Brandenburger Bücherkinder“, die sich kreativ mit dem Einhornteppich auseinandergesetzt haben. Ihr Mentor Armin Schubert spricht über kulturelle Bildung und darüber, wie historische Kunstwerke junge Menschen dazu anregen können, sich mit Geschichte, Sprache und Kultur auseinanderzusetzen.

Die Gespräche führte Anne-Marie Graatz.