086 Land in Sicht!

Der brandenburgische Denkmaltag 2026

Vortrag beim brandenburgischen Denkmaltag in Doberlug-Kirchhain. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM

Scheunen, Ställe, Speicher und Werkstätten gehören seit Jahrhunderten zum Bild brandenburgischer Dörfer. Doch viele dieser Gebäude haben ihre ursprüngliche Funktion verloren. Sie stehen leer, verfallen oder verschwinden ganz. Gleichzeitig verändert sich das Leben auf dem Land: Menschen ziehen zu, neue Häuser entstehen, alte werden umgebaut und neue Nutzungen gesucht. Wie kann es gelingen, dabei die Geschichte und Eigenart der Dörfer zu bewahren, ohne sie zu musealisieren?

Dieser Frage widmete sich der Brandenburgische Denkmaltag 2026 im Refektorium des Klosters Doberlug in Doberlug-Kirchhain. Unter dem Motto „LAND IN SICHT! – Dörfliche Nutzbauten zwischen Bedarf und Bewahrung“ kamen Fachleute aus Denkmalpflege, Architektur und Regionalentwicklung mit Initiativen, Eigentümerinnen und Eigentümern sowie Interessierten zusammen. Die neue Folge der DENKMALZEIT nimmt die Hörer:innen mit auf den Denkmaltag.

Im Vortragssaal präsentierten sich unterschiedliche Initativen. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM

Brandenburg ist bis heute stark ländlich geprägt, doch gerade Gebäude wie Scheunen, Ställe und andere Nutzbauten werden als kulturelles Erbe häufig weniger wahrgenommen als Kirchen, Schlösser oder Herrenhäuser. Dabei erzählen sie von Landwirtschaft und Handwerk, von regionalen Baumaterialien und Bauweisen und nicht zuletzt davon, wie Menschen über Generationen hinweg auf dem Land gelebt und gearbeitet haben. Zugleich gehören sie zu den besonders gefährdeten Gebäuden. Landwirtschaft hat sich grundlegend verändert, viele historische Bauten werden für ihre ursprüngliche Aufgabe nicht mehr gebraucht. Manche sind für heutige Nutzungen zu groß, andere in schlechtem Zustand. Mit dem Verlust ihrer Funktion stellt sich deshalb fast zwangsläufig die Frage: Was kann aus ihnen werden? Eine einfache Antwort gibt es darauf nicht. Nicht jedes Gebäude wird erhalten werden können. Umso wichtiger ist es, genauer hinzusehen und darüber zu sprechen, welche Qualitäten vorhanden sind und welche neuen Möglichkeiten sich daraus entwickeln lassen.

Das Podium zum Abschluss des Denkmaltags. Foto: A.-M. Graatz. BLDAM

Ländliche Bauten dürfen nicht wie in einem Bildbearbeitungsprogramm „freigestellt“, also isoliert betrachtet werden. Die Gebäude gehören zu einer Landschaft, zu einem Dorf und zu dessen Geschichte. Sie bestehen aus regionalen Materialien, in Beziehung zu Nachbarn und Handwerkern und waren Teile eines sozialen und wirtschaftlichen Zusammenhangs.

Doch was tun, wenn eine alte Scheune bereits verfällt und Geld, Erfahrung oder geeignete Handwerker fehlen? Genau vor dieser Situation stehen viele Eigentümerinnen und Eigentümer. Eine Besucherin des Denkmaltags berichtet im Podcast von einer Scheunenruine, die sie gemeinsam mit ihrem Mann als Teil einer historischen Hofanlage erworben hat. Erste Sicherungsmaßnahmen sind erfolgt, doch nun stellen sich Fragen nach Förderung, Beratung und fachkundigen Handwerkern. Hier kommen Netzwerke ins Spiel. Die Arbeitsgemeinschaft Historische Dorfkerne und die Interessengemeinschaft Bauernhaus gehören zu den Organisationen, die Wissen vermitteln, Kontakte herstellen und Menschen zusammenbringen.

Der Denkmaltag machte zugleich deutlich, dass Erhaltung nicht bedeuten kann, Dörfer auf einem bestimmten historischen Stand einzufrieren. Sie haben sich immer verändert und werden es weiterhin tun. Entscheidend ist deshalb auch, wie Neues entsteht. Damit führt die Frage nach Scheunen und Ställen weit über einzelne Denkmale hinaus. Es geht um lebenswerte Dörfer, um Wohnraum und Infrastruktur, um regionale Identität und um die Frage, wer künftig auf dem Land leben möchte und kann.

Arbeitsheft des Brandenburgischen Landesamts für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums zum ländlichen Bauen. Michael Imhof Verlag / BLDAM

Eine Patentlösung kann auch der Denkmaltag nicht anbieten. Dafür zeigt er etwas anderes: Die staatliche Denkmalpflege allein kann das dörfliche Bauerbe nicht retten. Es braucht Eigentümerinnen und Eigentümer, Kommunen, Architektinnen und Architekten, Handwerker, Vereine und engagierte Menschen vor Ort – und vor allem das Gespräch zwischen ihnen.

Die neue Folge der DENKMALZEIT versammelt diese unterschiedlichen Stimmen. Und sie zeigt: Zwischen Bewahren und Verändern liegt kein unauflösbarer Widerspruch. Gerade dort, wo historische Gebäude neue Aufgaben erhalten und neue Architektur den Charakter eines Ortes ernst nimmt, kann aus dem baulichen Erbe etwas entstehen, das nicht nur Vergangenheit bewahrt, sondern Zukunft ermöglicht.

Eine Extra-Folge der DENKMALZEIT dokumentiert die Podiumsdiskussion, die zum Abschluss des Denkmaltags stattfand.

Gespräche mit: Jens Wiese von der Interessengemeinschaft Bauernhaus, Dr. Kenneth Anders, Programmleiter des Oderbruch Museums Altranft, Prof. Niklas Fanelsa vom Architekturbüro Atelier Fanelsa und Prof. an der TU München, Dr. Sabine Bauer, Koordinatorin der AG Historische Dorfkerne im Land Brandenburg, Prof. Heinz Nagler erster Vorsitzender Förderverein Baukultur Brandenburg, Architekt, Stadtplaner und Prof. em. an der BTU Cottbus, Dr. Marcus Cante, Fachreferent für Inventarisation am BLDAM und Dr. Andrea Sonnleitner, Fachreferentin für historische Bauforschung am BLDAM.

Podiumsdiskussion:

Moderation: Dr. Wera Groß, ehemalige Fachreferentin für Praktische Denkmalpflege am BLDAM

Teilnehmer:innen: Architekt Dr. Achim Krekeler, Andrea Nickisch vom Netzwerk Zukunftsorte, Marco Beckendorf, Bürgermeister von Wiesenburg und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Historische Dorfkerne, Dr. Kenneth Anders, Programmleiter des Oderbruch Museums Altranft, Prof. Niklas Fanelsa, Architekturbüro Atelier Fanelsa und Professor an der Technischen Universität München

Links

Arbeitsheft Nr. 70: Ländliches Bauen in Brandenburg – Forschungsgeschichte und Bauernhofaufmaße bis 1945

AG Historische Dorfkerne im Land Brandenburg

Förderverein Baukultur Brandenburg e. V.

Mühlenvereinigung Berlin-Brandenburg e.V.

Interessengemeinschaft Bauernhaus e.V.

Netzwerk Zukunftsorte e.V.

Jugendbauhütte Brandenburg

Oderbruch Museum Altranft

Atelier Fanelsa

085 Vom Ab- und Auftauchen

Was liegt unter Wasser?

Tauchgang an einem Kaffenkahn im Werbellinsee. Postkarte des BLDAM. Foto: K. Dietterle

Was verbirgt sich unter der Wasseroberfläche unserer Seen, Flüsse und Meere? Zum internationalen Tag des Kulturerbes unter Wasser widmet sich die neue Folge von DENKMALZEIT der Unterwasserarchäologie – und nimmt uns mit auf eine Reise durch Deutschland, von der Ostsee über den Werbellinsee bis zum Bodensee und darüber hinaus in die Schweiz.

Die AKUFA-Tagung im Archäologischen Landesmuseum in Brandenburg an der Havel.
Foto: A.-M. Graatz, BLDAM

Im Mittelpunkt steht die dritte Tagung des Arbeitskreises für Unterwasser- und Feuchtbodenarchäologie (AKUFA) in Brandenburg an der Havel. Dort kommen Fachleute, ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger:innen sowie interessierte Sporttaucherinnen und Sporttaucher zusammen, um sich über ihre Arbeit, neue Methoden und aktuelle Herausforderungen auszutauschen.

Sie erzählen, wie archäologische Untersuchungen unter Wasser funktionieren, welche Funde dort entdeckt werden und warum das Kulturerbe unter Wasser besonderen Schutz braucht. Mit dabei sind unter anderem Unterwasserarchäologinnen und -archäologen aus Brandenburg, Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und der Schweiz sowie ehrenamtliche Unterwasserarchäolog:innen aus Brandenburg.

Unterwasser-Exkursion während der AKUFA-Tagung. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM

Ein besonderes Highlight der Tagung ist die Tauchexkursion zu einem mittelalterlichen Fundplatz im Werbellinsee. Die mittelalterliche Kemlade Altenhof ist bereits seit dem 19. Jahrhundert bekannt. Heute weiß man, dass dort vermutlich im 12. und 13. Jahrhundert eine Befestigungsanlage des niederen Adels auf Plattformen im Wasser bestand. Unter Wasser haben sich Pfosten, Palisaden und Gebäudereste erhalten. Bei nur etwa zwei Metern Wassertiefe lässt sich die Anlage fast wie ein Freilichtmuseum unter Wasser erkunden. Gleichzeitig zeigt sich hier eine der großen Herausforderungen der Unterwasserarchäologie: Der Fundplatz liegt in einem beliebten Tauchgewässer und ist dadurch zunehmend gefährdet.

Auch die Geschichte der sogenannten Kaffenkähne wird erzählt. Die einfachen Lastkähne transportierten früher Baumaterial, Abfall und Waren über die Gewässer rund um Berlin. Viele gingen bei starkem Wind unter und liegen heute als historische Wracks auf dem Grund des Werbellinsees.

Tauchgang zur Kemlade von Altenhof. Foto: J. Bugenhagen

Der Blick geht außerdem über Brandenburg hinaus. Am Bodensee werden Pfahlbauten sowie Schiffs- und Flugzeugwracks erforscht. Mithilfe von Sonardaten und modernen Vermessungsmethoden lassen sich große Bereiche des Seegrunds untersuchen und auffällige Strukturen gezielt überprüfen. Aus der Schweiz wird unter anderem von archäologischen Projekten im Kanton Luzern berichtet, bei denen Pfahlbauten und die Herausforderungen eines geplanten Tunnelbaus im Seebecken eine wichtige Rolle spielen.

Ein zentrales Thema ist der Schutz des Kulturerbes unter Wasser. Sinkende Wasserstände, steigende Temperaturen, eingeschleppte Arten wie der Schiffsbohrwurm oder die Quagga-Dreikantmuschel und weitere Umwelteinflüsse setzen den Fundstellen zu. Das Engagement von Ehrenamtlichen ist dabei besonders wichtig. Gerade in Brandenburg tragen sie wesentlich dazu bei, Unterwasserdenkmale zu erforschen, regelmäßig zu kontrollieren und ihren Zustand zu dokumentieren.

Interviews und Gespräche mit:

Lukas Goldmann, Fachreferent für Ehrenamt, Slawisches Mittelalter und Unterwasserarchäologie am BLDAM, Roger Blum und Jan Seifert, ehrenamtliche Unterwasserarchäologen, Alexandra Ulisch, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt „Wracks und Tiefsee“ am Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, Lea Emmenegger und Anna Kienholz von der Kantonsarchäologie Luzern, Dr. Jens Auer vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern und Sprecher der Kommission für Unterwasser- und Feuchtbodenarchäologie, Exkursions- und Tagungsteilnehmer:innen

Links

Kommission für Unterwasser- und Feuchtbodenarchäologie (KUFA)

Programm der AKUFA Tagung 2026

Verein für Unterwasserarchäologie Berlin-Brandenburg e. V.

UNESCO-Konvention zum Schutz des Kulturerbes unter Wasser

Literatur, Blogs und Weiteres

Artikel: Ein markgräflicher Pfahlbau im Werbellinsee: die spätmittelalterliche Kemlade von Altenhof (Brandenburg) von Felix Biermann, Roger Blum, Jan Seifert

Kaffenkähne

Was macht eine Unterwasserarchäologin?

Tauch-Podcast Dekozeit

Blog rund ums Tauchen

Projekt „Wracks und Tiefsee

Terra-x-Folge mit dem Unterwasserarchäologen Dr. Florian Huber

Museen im, am und auf dem Wasser

Sporttauchermuseum Berlin

Freiwassermuseum Mecklenburg-Vorpommern

Pfahlbauten

Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg

Die Bremer Kogge im Deutschen Schiffahrtsmuseum

Technikmuseum Berlin

084 Kann man Erinnerung ausgraben?

Jugendliche gestalten Erinnerungskultur in Ravensbrück

Zitat von Anna Seghers an der Gedenkwand im Eingangsbereich der 1959 eröffneten Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück. Foto: C. Krauskopf, BLDAM

Geschichte hinterlässt Spuren – manche sind auf den ersten Blick sichtbar, andere liegen im Boden verborgen. Im ehemaligen Konzentrationslager Ravensbrück haben Schüler:innen eines Leipziger Gymnasiums gemeinsam mit Wissenschaftler:innen genau nach diesen Spuren gesucht. Dabei ging es nicht nur um archäologische Funde, sondern auch um die Frage, wie Erinnerungskultur heute gestaltet werden kann.

Die Leiziger Jugendlichen im Ausgrabungsschnitt. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM

Im Rahmen der „Aktion Schöpfung bewahren“ verbrachten Jugendliche aus Leipzig zwei Wochen in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, um den historischen Ort kennenzulernen und aktiv mitzugestalten. Dabei ging es nicht nur ums Zuhören und Lernen, sondern vor allem ums Mitmachen.

Plan und Text der von den Leipziger Jugendlichen gestalteten Informationsstele zu Baracke 32. Foto: C. Krauskopf, BLDAM

In der ersten Woche entwickelten die Jugendlichen eine neue Informationsstele für die ehemalige Baracke 32. Sie macht die Ergebnisse archäologischer Untersuchungen sichtbar und hilft Besucherinnen und Besuchern, die Geschichte dieses Ortes besser zu verstehen.

Die Informationsstele zu Baracke 32. Foto: C. Krauskopf, BLDAM

Anschließend wurde es praktisch: Gemeinsam mit Archäolog:innen und Grabungstechnikern des BLDAM beteiligten sich die Jugendlichen an Ausgrabungen im Bereich der sogenannten „Nacht-und-Nebel-Baracke“ 32. Dabei wurde schnell deutlich, dass Archäologie weit mehr ist als das Freilegen von Funden – sie macht Geschichte greifbar und eröffnet neue Perspektiven auf einen Ort, dessen Vergangenheit bis heute bewegt.

Interviews und Gespräche mit:

Schülern eines Leipziger Gymnasiums, Dr. Andrea Genest (Leiterin Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück), Prof. Dr. Franz Schopper (Direktor des BLDAM und Landesarchäologe) sowie Katharina Malek-Custodis (Dezernatsleiterin Bodendenkmalpflege und stellvertretende Landesarchäologin).

Links:

Short auf YouTube

Podcastfolge aus dem Jahr 2025: Archäologisches Workcamp in der Gedenkstätte Ravensbrück

Mahn‑ und Gedenkstätte Ravensbrück

083 Das geheime Einhorn von Brandenburg an der Havel

Ausschnitt aus dem brandenburger Einhornteppich. Foto: Anne-Marie Graatz, BLDAM

Ein Einhorn mitten in Brandenburg – und kaum jemand kannte es. Seit Jahrhunderten hängt in der St. Gotthardtkirche in Brandenburg an der Havel ein außergewöhnlicher Einhornteppich, der bis heute Fragen aufwirft. Woher stammt er? Was erzählt seine Darstellung? Und warum gilt er als europaweit einzigartig? Die aktuelle Folge der DENKMALZEIT geht dem Geheimnis dieses mittelalterlichen Einhorns auf den Grund. Nach einer aufwendigen Restaurierung kehrt die kostbare Tapisserie an ihren historischen Platz in der Taufkapelle zurück, nachdem sie zuvor in der Ausstellung „Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst“ im Museum Barberini in Potsdam zu sehen war.

Der rund 5,5 Meter breite Wandteppich aus dem späten 15. Jahrhundert fasziniert nicht nur durch seine aufwendige Handwerkskunst, sondern auch durch seine vielen offenen Fragen. Die Restauratorin des BLDAM, Dörte Busch, erklärt, warum die Herstellung einer solchen Tapisserie einst zu den kostspieligsten Kunstformen zählte und weshalb der Einhornteppich heute als europaweit einzigartig gilt. Sein Motiv zeigt eine höfische Szene mit einem zahmen Einhorn, dessen Symbolik zwischen mittelalterlicher Liebesallegorie und christlicher Marienverehrung angesiedelt ist. Bis heute sind jedoch weder seine genaue Herkunft noch seine ursprüngliche Funktion eindeutig geklärt.

Der Einhornteppich in seiner Spezialvitrine. Foto: Anne-Marie Graatz, BLDAM

Die Folge begleitet außerdem die feierliche Rückkehr des Kunstwerks in die Kirche und lässt verschiedene Menschen zu Wort kommen: Besucherinnen und Besucher, Wissenschaftler:innen sowie die „Brandenburger Bücherkinder“, die sich kreativ mit dem Einhornteppich auseinandergesetzt haben. Ihr Mentor Armin Schubert spricht über kulturelle Bildung und darüber, wie historische Kunstwerke junge Menschen dazu anregen können, sich mit Geschichte, Sprache und Kultur auseinanderzusetzen.

St. Gotthardt in Brandenburg an der Havel. Foto: Anne-Marie Graatz, BLDAM

Einen besonderen Einblick geben die Restaurator:innen, die den Teppich begleitet haben. Textilrestauratorin Julia Zitzmann berichtet von der sorgfältigen Konservierung der jahrhundertealten Tapisserie. Dabei ging es nicht nur um die Stabilisierung von Fehlstellen und die behutsame Restaurierung des Gewebes, sondern vor allem um die Frage, wie das empfindliche Kunstwerk dauerhaft am historischen Ort erhalten werden kann. Restaurator und Vitrinenplaner Matthias Farke erklärt die eigens entwickelte Vitrine, die mithilfe einer nachhaltigen Klimatisierung ohne Strom für konstante Temperatur- und Feuchtigkeitswerte sorgt. So kann der Teppich dauerhaft in der Kirche bleiben und gleichzeitig optimal geschützt werden. Zum Abschluss spricht Pfarrer Philipp Mosch über die Rückkehr des Einhornteppichs in die St. Gotthardtkirche und seine Bedeutung für die Gemeinde. Er verbindet die Geschichte des Einhorns mit seiner christlichen Symbolik und lädt Besucherinnen und Besucher ein, das außergewöhnliche Kunstwerk selbst zu entdecken. Die Podcastfolge verbindet Denkmalpflege, Restaurierungswissenschaft, Kunstgeschichte und persönliche Geschichten zu einem lebendigen Blick auf ein außergewöhnliches Kulturerbe.

Interviews und Gespräche mit:

Dörte Busch, Restauratorin und Fachreferentin für die Restaurierung von Ausstattung am BLDAM , Textilrestauratorin Julia Zitzmann, Restaurator und Vitrinenplaner Matthias Farke, Pfarrer Philipp Mosch der St. Gotthardt- und Christusgemeinde in Brandenburg an der Havel, Juna von den Bücherkindern, Armin Schubert, Mentor der Bücherkinder und den Besucher:innen.

Links

Einhorn-Short

St. Gotthardtkirche Brandenburg an der Havel

Bücherkinder Brandenburg an der Havel

Film: Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst

Museum Barberini Potsdam

Textilrestaurierung Julia Zitzmann

Museumsberatung Matthias Farke

082 Filmreif ausgegraben: Zwischen Grabung und Leinwand – 20 Jahre „Momentaufnahmen“

Thumbnail des neuesten, des 20. Jahresfilms. Grafik: Oliver Thomas

20 Jahre Archäologie im Film, unzählige Geschichten aus dem Boden Brandenburgs: In der neuen Folge der DENKMALZEIT feiern wir das Jubiläum der Archäologie-Filmreihe „Momentaufnahmen“. Dafür haben wir mit dem Regisseur Thomas Claus und dem Sprecher und Hörspielautor Harry Kühn gesprochen. Getroffen haben wir die beiden Ende Februar bei der Premiere des aktuellen Jahresfilms im Rahmen der Jahrestagung der Brandenburgischen Landesarchäologie im Archäologischen Landesmuseum in Brandenburg an der Havel.

Der Filmemacher Thomas Claus. Foto: S. Vandenrath

Im Gespräch blicken beide auf die Entstehung und Entwicklung der Filmreihe zurück. Thomas Claus, der seit über zwei Jahrzehnten archäologische Themen filmisch begleitet, berichtet, wie aus einzelnen Grabungen dokumentarische Geschichten werden. Die Filme folgen dabei einem festen Konzept: Jedes Jahr werden archäologische Projekte aus ganz Brandenburg vorgestellt und in eine spannende Erzählung eingebettet. Ziel ist es, die oftmals verborgene Arbeit der Archäologinnen und Archäologen zu zeigen und Forschungsergebnisse einem breiten Publikum zugänglich zu machen.

Thomas Claus und das Filmteam in Ravensbrück, 2026. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM

Besonders wichtig ist dabei die enge Zusammenarbeit mit den Grabungsteams. Bereits während der Ausgrabungen wird überlegt, welche Funde, Fragestellungen oder besonderen Situationen filmisch erzählt werden können. Oft entstehen die spannendsten Momente direkt vor Ort – etwa bei überraschenden Entdeckungen oder wenn historische Schicksale durch archäologische Befunde greifbar werden. Die Dreharbeiten verlangen dabei nicht nur technisches Know-how, sondern auch ein Verständnis für archäologische Methoden und Arbeitsabläufe.

Sprecher und Autor Harry Kühn. Foto: H. Kühn

Auch Sprecher Harry Kühn gibt Einblicke in seine Arbeit. Er beschreibt, wie aus den Bildern und Interviews die fertige Erzählung entsteht und wie wichtig die richtige Tonalität ist, insbesondere bei sensiblen Themen. Rückblickend sehen beide Gesprächspartner die Filmreihe als wichtigen Beitrag zur Vermittlung von Geschichte und Archäologie. Die Filme dokumentieren nicht nur Ausgrabungen, die später oft wieder verfüllt werden, sondern schaffen auch ein Bewusstsein für die kulturellen Schätze Brandenburgs. Zugleich zeigen sie, wie sehr sich die mediale Vermittlung in den vergangenen 20 Jahren verändert hat – von den ersten Produktionen bis hin zu heutigen Filmen mit Drohnenaufnahmen, modernen Erzählformen und einer großen Reichweite im Internet.

Die Jubiläumsfolge macht deutlich: Die „Momentaufnahmen“ sind weit mehr als reine Grabungsberichte. Sie bewahren Wissen, erzählen Geschichten aus der Vergangenheit und ermöglichen faszinierende Einblicke in die Arbeit der Archäologie.

Thumbnail des ersten Jahresfilms aus dem Jahr 2006. Grafik: Oliver Thomas

Links

Zu Thomas Claus

Filme von Thomas Claus

YouTube-Kanal des BLDAM mit den Jahresfilmen „Momentaufnahmen“

Zu Harry Kühn

Lordspiel“ von Harry Kühn

Übersicht aller Jahresfilme „Momentaufnahmen

Der erste Jahresfilm

Der aktuelle (20.) Jahresfilm

Podcastfolge mit Harm Paulsen

Podcastfolge zur Ausstellung “Ausgeschlossen

081 Romantische Ackergrabungen und Römerliebe

Studierende der Grabungstechnik im Gespräch

Studierende der HTW Berlin legen in Groß Fredenwalde (Uckermark) Bodenverfärbungen frei. Foto: T. Schenk, HTW

In der aktuellen Folge der DENKMALZEIT dreht sich alles um den deutschlandweit einzigartigen Bachelorstudiengang „Konservierung, Restaurierung, Grabungstechnik“ an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW). Nach einer Zeit der Unsicherheit konnte der Studiengang erfolgreich gerettet werden und nimmt nun wieder Bewerber*innen auf. Im Mittelpunkt stehen zwei Studierende, Miriam und Benjamin. Sie berichten von ihrem Studienalltag, ihrer Begeisterung für archäologische Arbeiten und den Erfahrungen, die sie besonders geprägt haben. Die positive Stimmung nach der Rettung des Studiengangs ist deutlich spürbar. Mit viel Engagement machen die Studierenden auf den Studiengang aufmerksam und unterstützen Interessierte beim Einstieg.

Die beiden geben Einblicke in die vielfältigen Inhalte des Studiums: Naturwissenschaftliche Grundlagen, kulturhistorisches Wissen und ethische Fragen ergänzen sich gegenseitig. Von Anfang an spielt die praktische Ausbildung eine wichtige Rolle: Bei Lehrgrabungen und Projekten lernen die Studierenden, Verantwortung für archäologisches Kulturerbe zu übernehmen und wissenschaftliche Methoden direkt anzuwenden. Besonders eindrucksvoll sind die Schilderungen jener Momente, in denen erstmals echte archäologische Funde in den Händen gehalten werden. Solche Erfahrungen schaffen eine unmittelbare Verbindung zur Vergangenheit und machen den besonderen Reiz des Studiums aus.

Darüber hinaus wird deutlich, wie interdisziplinär der Studiengang angelegt ist. Archäologie, Anthropologie, Naturwissenschaften und Vermessung eröffnen vielfältige berufliche Perspektiven – von Denkmalämtern und Grabungsfirmen bis hin zu Forschungseinrichtungen. Abschließend informiert die Folge über Bewerbungsvoraussetzungen, Eignungsgespräch und Studienstart und zeigt, warum dieser besondere Studiengang für alle interessant sein kann, die Geschichte nicht nur erforschen, sondern aktiv bewahren möchten.

Transskript der Folge

Links

Bachelorstudiengang Konservierung/Restaurierung/Grabungstechnik

Masterstudiengänge:

Angewandte Landschafts- und Feldarchäologie

Konservierung und Restaurierung

Bewerbung Bachelorstudium

Der letzte Tag für die Bewerbung zum Wintersemester ist der 15. September!

Eignungsgespräche für das WiSe 2026/7

Das Eignungs- und Beratungsgespräch für das Bachelorstudium KRG findet am 15. Juni 2026 von 12-15 Uhr statt.

Ort: Campus Wilhelminenhof, Gebäude A, Raum 003 und 034.
Mitzubringen: Bewerbungsmappe und Unterlagen/ Zeugnisse

Weitere Infos hier!

Rundgang durch die Studiengangslabore

„Kommt vorbei! Jeden ersten Mittwoch im Monat bieten wir einen Rundgang durch die Studiengangslabore an, um Fragen zur Bewerbung und zum Studium direkt mit Studis und dem Lehrpersonal zu erläutern. Auch zu sehen: aktuelle Projekte und beispielhafte Bewerbungsmappen.“

Die nächsten Rundgangtermine finden statt am: 03. Juni und 01. Juli (von 15-17 Uhr) Um Anmeldung wird gebeten: Ayleen.Oezcelik@student.htw-berlin.de Treffpunkt am Aufgang I / Gebäude A.

Über den Studiengang:

Inforadio rbb24

Tagesspiegel

Deutschlandfunk

FAZ

BZ

Geo

Landesdenkmalamt Berlin

080 Zwischen Sturm, Hitze und Starkregen

Brandenburgs Gartendenkmale im Klimawandel

Bei der Erfassung im Landschaftspark in Baruth. Foto: Christin Herrmann, BLDAM

Ein einzigartiges Projekt der Gartendenkmalpflege setzt sich für den Erhalt des gartenkulturellen Erbes Brandenburgs ein. Über 400 historische Gärten und Parks prägen die Kulturlandschaft des Landes und sind zugleich wertvolle Zeugnisse seiner Geschichte. Doch orkanartige Stürme, Starkregen und zunehmende Trockenperioden infolge des Klimawandels gefährden ihren Bestand zunehmend. Um dieses kulturelle Erbe auch für kommende Generationen zu bewahren, sind gezielte Maßnahmen zur Klimaanpassung dringend erforderlich.

Das Projektteam. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM

Seit einem Jahr arbeitet beim BLDAM ein eigens dafür zuständiges Projektteam an einer landesweiten Bestandsaufnahme. Ziel ist es, die bereits entstandenen sowie künftig zu erwartenden Klimaschäden in denkmalgeschützten Gärten und Parks systematisch zu erfassen, zu analysieren und zu bewerten. Darüber hinaus unterstützen sie und beraten bei der Erstellung von Förderanträgen und dienen als Multiplikator:innen ins Land hinein. Im Rahmen einer Veranstaltung des GartenForums Glienicke stellte kürzlich das Projektteam seine Arbeit im Schloss Babelsberg in Potsdam einem großen Publikum vor.

Finanziert aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) und des Landes Brandenburg unterstützt das Förderprogramm „Klimaanpassung 2023“ seit Dezember 2023 Vorhaben, die ebenjener Anpassung von denkmalgeschützten Garten- und Parkanlagen im Land Brandenburg an den Klimawandel dienen. Gefördert werden können die Erarbeitung von Strategien und Handlungskonzepten für Präventions- und Risikomanagement und zur Klimaanpassung sowie deren Umsetzung. Weitere Informationen zum Förderprogramm „Klimaanpassung 2023“ erhalten Sie bei der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB).

In der Podcastfolge spricht Anne-Marie Graatz mit dem Projektteam. Im Anschluss sind die Vorträge des Projektteams dokumentiert.

Links

Projekt des BLDAM “Anpassung von Gartendenkmalen an den Klimawandel

Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB)

Schlosspark Wiesenburg, Landkreis Potsdam-Mittelmark

Klostergarten Neuzelle, Landkreis Oder-Spree

Das GartenForum Glienicke

Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

079 Ein starkes Signal für Grabungstechnik und Feldarchäologie

Bei der Tagung des Verbands für Grabungstechnik und Feldarchäologie präsentierten die Redner:innen neu Entwicklungen in der Dokumantationstechnik und aktuelle Ausgrabungen. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM

Im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg an der Havel fand die vierte bundesweite Fachtagung des Verbandes für Grabungstechnik und Feldarchäologie statt. Neben fachlichem Austausch, neuen Methoden und digitalen Dokumentationsverfahren stand vor allem eine Nachricht im Mittelpunkt: Der bedrohte Studiengang Konservierung, Restaurierung, Grabungstechnik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW) soll erhalten bleiben.

In der Podcastfolge sprechen wir mit verschiedenen Teilnehmer:innen der Tagung, mit einer der Tagungsorganisatorinnen, mit Dr. Thomas Schenk, dem Vorsitzenden des Verbands und Professor für Grabungstechnik und Feldarchäologie an der HTW sowie einem ganz besonderen Studierenden.

Professor Schenk berichtete von den schwierigen Monaten vor der Tagung. Wegen massiver Einsparungen im Berliner Hochschulbereich stand der Studiengang akut vor dem Aus. Die Nachricht hatte bundesweit Protest ausgelöst – von Studierenden, Fachverbänden, Landesarchäologien und zahlreichen Unterstützerinnen und Unterstützern. Im Akademischen Senat der Hochschule für Technik und Wirtschaft wurde schließlich gegen die Abschaffung gestimmt. Besonders das Engagement der Studierenden spielte dabei eine entscheidende Rolle.

Blick in die ehemalige Dominikaner-Klosterkirche in Brandenburg an der Havel während der Tagung. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM

Die Erleichterung war auf der Tagung spürbar. Denn der Studiengang ist bundesweit einzigartig: Er bietet die einzige grundständige akademische Ausbildung im Bereich Grabungstechnik und Feldarchäologie in Deutschland. Alternativ gibt es nur berufliche Fortbildungswege, etwa an Landesdenkmalämtern. Gleichzeitig ist der Bedarf an qualifizierten Fachkräften enorm. Große Bauprojekte, Energiewende, Stromtrassen und Infrastrukturmaßnahmen müssen archäologisch begleitet werden. Dafür braucht es Menschen, die Funde und Befunde professionell dokumentieren, vermessen, bergen und auswerten können.

Moderne Technik im Einsatz: Live-Scan der Apsis der Dominikaner-Klosterkirche. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM

Die Tagung machte deutlich, wie vielfältig das Fach ist. Teilnehmende aus verschiedenen Bundesländern, aus Österreich und der Schweiz kamen zusammen, um Erfahrungen auszutauschen. Für viele ist gerade dieser Blick über den eigenen Arbeitsbereich hinaus besonders wertvoll.

Professor Schenk beschrieb Grabungstechnik als Verbindung von Praxis, Forschung und Landschaftsverständnis. Es gehe nicht nur darum, einzelne Befunde freizulegen, sondern archäologische Spuren im größeren Zusammenhang zu erkennen und zu verstehen. Auch Studierende sehen genau darin die Stärke des Studiengangs: Er verbindet Geisteswissenschaft, Naturwissenschaft und Technik – und macht kulturelles Erbe sichtbar und begreifbar.

Die Rettung des Studiengangs ist deshalb mehr als eine hochschulpolitische Entscheidung. Sie ist ein wichtiges Signal für die Zukunft der Archäologie, der Denkmalpflege und des kulturellen Erbes in Deutschland. Gleichzeitig bleibt die Aufgabe, das Fach bekannter zu machen und junge Menschen dafür zu gewinnen. Denn klar wurde auch: Engagement lohnt sich – und es darf nicht enden, auch wenn diese eine Krise vorerst abgewendet ist.

Links

Tagungsbericht auf der Website des VGFA

YouTube-Short zur Tagung

Bachelorstudiengang Konservierung/Restaurierung/Grabungstechnik

Masterstudiengang Angewandte Landschafts- und Feldarchäologie

Masterstudiengang Konservierung und Restaurierung

Bewerbung

Rundgang durch die Studiengangslabore

„Kommt vorbei! Jeden ersten Mittwoch im Monat bieten wir einen Rundgang durch die Studiengangslabore an, um Fragen zur Bewerbung und zum Studium direkt mit Studis und dem Lehrpersonal zu erläutern. Auch zu sehen: aktuelle Projekte und beispielhafte Bewerbungsmappen.“

Die nächsten Rundgangtermine finden am 03. Juni und 01. Juli (jeweils von 15-17 Uhr) statt Um Anmeldung wird gebeten: Ayleen.Oezcelik@student.htw-berlin.de Treffpunkt am Aufgang I / Gebäude A

Über den Studiengang

Deutschlandfunk

FAZ (nur mit Werbe-Tracking oder hinter der Bezahlschranke lesbar)

Berliner Zeitung (nur mit Werbe-Tracking oder hinter der Bezahlschranke lesbar)

Geo (nur mit Werbe-Tracking oder hinter der Bezahlschranke lesbar)

Landesdenkmalamt Berlin

078 Aus Wünsdorf in die Welt: Das Messbild- und Bildarchiv des BLDAM

Historische Kamera-Requisiten im Messbildarchiv in Wünsdorf. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM

Video zur Folge

In dieser Folge der DENKMALZEIT nehmen wir Sie mit nach Wünsdorf – in die amtseigene Messbild- und Bildarchiv der Abteilung Bau- und Kunstdenkmalpflege. Die analoge Bildsammlung besteht aus mehr als 260.000 Aufnahmen, ein Teil der Aufnahmen ist erschlossen und nun seit kurzem auf einer Fotodatenbank online zugänglich. Darüber spricht die Pressesprecherin am BLDAM, Anne-Marie Graatz, mit Astrid Mikoleietz, der Referatsleiterin für Dokumentation, Messbild- und Bildarchiv der Bau- und Kunstdenkmalpflege am BLDAM.

Historische Aufnahmen aus der Preussischen Messbildanstalt. Unten Mitte: Albrecht Meydenbauer. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM

Die Geschichte des Messbildsammlung reicht bis 1885 zurück, als Albrecht Meydenbauer die Königlich Preußische Meßbildanstalt gründete. Meydenbauer entwickelte spezielle Messkameras mit Winkelmaß-Funktion, um mittels photogrammetrischer Berechnungen präzise architektonische Zeichnungen zu erstellen. Die Anstalt existierte bis 1921, wurde dann in die Staatliche Bildstelle Berlin umgewandelt und produzierte bis 1945 überwiegend normale Fotografien auf Glasnegativen.

Blick in die Messbildsammlung. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Negative nach Moskau verbracht und 1958 größtenteils nach Ost-Berlin zurückgegeben. Im Jahr 1968 gelangten die Bestände an das Institut für Denkmalpflege der DDR und schließlich 1998 mit dem Umzug des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege nach Wünsdorf.

Die Glasnegative werden in Spezialschränken aufbewahrt. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM

Die Bildsammlung dient Wissenschaftler*innen, Kunsthistoriker*innen, Architekt*innen, Restaurator*innen und Studierenden aus ganz Europa und weltweit (u.a. USA, Indien, Singapur). Die Aufnahmen wurden für Rekonstruktionen bedeutender Bauwerke verwendet, darunter das Berliner Schloss, das Potsdamer Stadtschloss und das Knochenhaueramtshaus in Hildesheim. Zudem sind die Bilder wichtige Quellen für die Provenienzforschung. Die vollständige Erschließung der Sammlung ist noch nicht abgeschlossen. Die Bildsammlung stellt eine einzigartige Sammlung mit deutschlandweiter und teils auch weltweiter Bedeutung dar. Es dokumentiert Gebäude und Zustände, die teilweise nicht mehr existieren, und bleibt eine unverzichtbare Quelle für Denkmalpflege, Kunstgeschichte und archäologische Forschung.

Links

Messbild- und Bildsammlung

Die Fotodatenbank

Podcastfolge Der “Auftrag Speer”

Albrecht Meydenbauer

Königlich Preußische Messbild-Anstalt

Staatliche Bildstelle Berlin

Bundesstiftung Bauakademie

077 „It’s a match“ – Radkreuz und Gussform wiedervereint

Spektakulärer Fund in Berlin und Brandenburg

Was Dating-Apps versprechen, hat die Archäologie hier wirklich geliefert: „It’s a match“ – „Es passt zusammen“. Berlin und Brandenburg erleben eine archäologische Liebesgeschichte mit Happy End. Ein Radkreuz aus dem 10. oder 11. Jahrhundert und seine Gussform haben sich wiedergefunden.

Bronzenes Radkreuz in der Gussform vom Spandauer Burgwall. © Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum, Foto: Lukas Goldmann

Die Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Dr. Manja Schüle, präsentierte bei einer Pressekonferenz in der Staatskanzlei des Landes Brandenburg gemeinsam mit Prof. Dr. Franz Schopper, Landesarchäologe und Direktor des Brandenburgischen Landesamts für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums (BLDAM), Prof. Dr. Matthias Wemhoff, Berliner Landesarchäologe und Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte in Berlin, Lukas Goldmann, wissenschaftlicher Referent für das slawische Mittelalter und Ehrenamt beim BLDAM, sowie der Finderin und ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegerin Juliane Rangnow einen außergewöhnlichen Bronzefund aus dem Havelland.

Bronzenes Radkreuz aus dem westlichen Havelland. © Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum, Foto: Gabriel Graf.

Das Radkreuz aus dem 10. oder 11. Jahrhundert wurde von der ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegerin Juliane Rangnow im Rahmen genehmigter Detektorbegehungen auf einem Fundplatz im westlichen Havelland entdeckt. Das Besondere an dem Fund: Das Bronze-Kreuz war in einer Form gegossen worden, die bereits vor mehr als 40 Jahren in Spandau zutage gekommen und die als „Spandauer Kreuz“ bekannt ist. Die 1983 bei Ausgrabungen auf dem slawischen Burgwall in Berlin-Spandau gefundene Gussform eines kleinen Radkreuzes gilt als einer der ältesten Nachweise der frühen Christianisierung zwischen Elbe und Oder. Sie wurde neben den Überresten eines Gebäudes gefunden, das der Ausgräber, Adrian von Müller, als frühe Kirche gedeutet hatte. Nach der Restaurierung und genauen Vermessung des im Havelland entdeckten Kreuzes am BLDAM sowie nach dem Abgleich mit der im Museum für Vor- und Frühgeschichte in Berlin ausgestellten Gussform konnte nachgewiesen werden, dass Kreuz und Gussform zusammengehören. Ein Gus aus der Form wurde bislang weder in Spandau noch anderswo gefunden – der jetzige Fund eines dazu passenden Gussstücks ist somit einzigartig.

Gussform und Kreuz sind Zeugen der frühen Christianisierung. Im frühen 10. Jahrhundert geriet die in dieser Zeit von nichtchristlichen slawischen Stämmen bewohnte Region des heutigen Berlins und Brandenburgs durch Eroberungsfeldzüge in den Einflussbereich des ostfränkischen Reiches, des Vorläufers des späteren Römisch-Deutschen Reiches. Die neuen Eliten brachten neben einer politischen Neuorganisation auch einen neuen Glauben mit.

Das Podium während der Pressekonferenz in der brandenburgischen Staatskanzlei. Von links nach rechts: Lukas Goldmann (BLDAM), Juliane Rangnow (ehrenamtliche Bodendenkmalpflegerin und Finderin), Prof. Dr. Franz Schopper (Landesarchäologe von Brandenburg), Dr. Manja Schüle (Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur), Prof. Dr. Matthias Wemhoff (Landesarchäologe von Berlin) und Stfean Breiding (Pressepsrecher des MWFK). Foto: A.-M. Graatz, BLDAM

Zeugnisse dieser ersten Christianisierung sind jedoch vorwiegend in historischen Schriftquellen überliefert, da die slawischen Stämme die neue Religion mehrheitlich ablehnten. Im Jahre 983 erhoben sie sich im sogenannten Lutizenaufstand gegen die ostfränkische Oberhoheit und erkämpften sich für etwa 150 Jahre ihre politische und religiöse Unabhängigkeit. Eine nachhaltige Christianisierung erfolgte erst im 12. und im 13. Jahrhundert, nachdem die Region endgültig als Mark Brandenburg Teil des Römisch-Deutschen Reiches geworden war.

Die Finderin mit den Landesarchäologen von Berlin und Brandenburg – und dem Kreuz. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM

Die Finderin des Bronze-Kreuzes gehört zu den rund 350 ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegerinnen und -pflegern des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums (BLDAM). Sie leisten einen wichtigen Beitrag für die Erfassung, Erhaltung und Vermittlung des archäologischen Erbes. Alle offiziell benannten ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegerinnen und -pfleger sind Absolvent*innenen eines Lehrgangs, den das BLDAM in enger Zusammenarbeit mit der Archäologischen Gesellschaft Berlin und Brandenburg e.V. organisiert. Seit 2022 gibt es einen Mitarbeiter beim BLDAM, der sie unterstützt und berät.

Interviews und Gespräche mit: Kulturministerin Dr. Manja Schüle, Prof. Dr. Franz Schopper, Landesarchäologe und Direktor des Brandenburgischen Landesamts für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums (BLDAM), Prof. Dr. Matthias Wemhoff, Berliner Landesarchäologe und Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte in Berlin, Lukas Goldmann, wissenschaftlicher Referent für das slawische Mittelalter und Ehrenamt beim BLDAM, sowie der Finderin und ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegerin Juliane Rangnow.

Tipp

Die Gussform und das Kreuz sind vom 24. Januar bis zum 11. März 2026 im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg in Brandenburg an der Havel zu sehen.

Darüber hinaus wird eine Sonderführung angeboten:

Ein passgenauer Neufund – Gussform und Abguss eines bronzenen Radkreuzes aus dem Slawischen Mittelalter mit Lukas Goldmann M.A., BLDAM

So. 22. Februar 2026, 14.00 Uhr (Dauer ca. 1 Stunde)

Kosten: Eintritt 5 € | erm. 3,50 € | Familien 10 € | Kinder unter 10 Jahren frei | Keine Führungsgebühr. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.

Eine verbindliche Anmeldung ist von Di bis So jeweils 10 bis 17 Uhr unter 03381 / 4104112 möglich.

Weiterführende Links

Berichterstattung im rbb

Short zur Pressekonferenz auf YouTube

Museum für Vor- und Frühgeschichte Berlin

Slawen in Brandenburg

Burg Spandau