088 Zwischen Salz und Stuckmarmor

Die Kunst des Bewahrens im Kloster Neuzelle

Die barocke Klosterkirche in Neuzelle. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM

Abblätternde Farbe, feine Risse und verborgene Spuren vergangener Jahrhunderte: Restaurator:innen untersuchen historische Oberflächen, entschlüsseln ihre Geschichte und entwickeln Methoden, um wertvolle Kunstwerke für die Zukunft zu bewahren. Wie anspruchsvoll diese Arbeit ist, zeigt sich am Beispiel der barocken Vorhalle der Stiftskirche St. Marien im Kloster Neuzelle. Hier werden aufwendige Wandmalereien und Stuckmarmorflächen konserviert und restauriert.

In der aktuellen Folge der DENKMALZEIT geben Professor Mechthild Noll-Minor, Referatsleiterin für Restaurierung und Bauforschung am Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseum, und die Restauratorin Dr. Dorothee Schmidt-Breitung Einblicke in ihre Arbeit. Sie erklären, welche Schäden die Kunstwerke bedrohen, wie moderne Untersuchungsmethoden helfen und wie sich der Restaurator:innen-Beruf entwickelt hat.

Baubesprechung der Restaurator:innen mit einem Verteter der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Oder-Spree. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM

Die Vorhalle empfängt die Besucherinnen und Besucher mit aufwendigen Wandmalereien und Stuckmarmor. Sie stimmt auf den Kirchenraum ein und erzählt von der religiösen Bedeutung des Klosters. Zugleich verweist die Architektur auf eine ältere Geschichte: Hinter der barocken Gestaltung sind Teile der mittelalterlichen Bausubstanz bis heute erhalten. Künstlerische Einflüsse aus Italien und Böhmen prägen das besondere Erscheinungsbild der katholischen Klosterkirche. Über Jahrzehnte drang Feuchtigkeit in das Mauerwerk ein. Dadurch gelangten Salze an die Oberfläche, deren Kristallisation die empfindlichen Farbschichten und den Stuckmarmor beschädigt. Abblätternde Malereien, weiße Ablagerungen und sich lösende Oberflächen zeugen von den Schäden. Bevor die aktuellen Arbeiten beginnen konnten, wurden die Schäden systematisch erfasst, Musterflächen bearbeitet und ein Restaurierungskonzept entwickelt. Die Maßnahmen erfolgen nun schrittweise in mehreren Bauabschnitten.

Die „Restaurierungswerkstatt“ in der Vorhalle der Kirche. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM

Ein wichtiger Unterschied: Konservierung dient dem Erhalt der originalen Substanz, Restaurierung verbessert die Lesbarkeit der Kunstwerke. Fehlstellen werden behutsam geschlossen, ohne die historischen Malereien großflächig nachzumalen. Ziel ist es, die Authentizität der Kunstwerke zu bewahren und auch ihre Altersspuren als Teil ihrer Geschichte sichtbar zu lassen. Moderne Untersuchungsmethoden helfen dabei, die verschiedenen historischen Schichten zu unterscheiden. Aufnahmen mit ultravioletter und infraroter Strahlung sowie multispektrale Bildverfahren machen frühere Übermalungen und schwer erkennbare Bilddetails sichtbar. Auch innovative Materialien kommen zum Einsatz: Spezielle Kompressen nehmen Salze aus den empfindlichen Oberflächen auf.

Eine Wandpartie in der Vorhalle. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM

Neben den Schäden spielen Temperatur und Luftfeuchtigkeit eine entscheidende Rolle. Seit 2017 werden Klimadaten erfasst, um die Prozesse im Mauerwerk besser zu verstehen. Zudem wird geprüft, ob ein Windfang den Einfluss des Außenklimas auf die Vorhalle verringern kann. Gleichzeitig müssen die Arbeiten mit dem Gottesdienstbetrieb und dem touristischen Besucherverkehr abgestimmt werden. Drei Bauabschnitte sind bis Ende 2027 vorgesehen.

Links

Kloster Neuzelle

Stiftskirche St. Marien

Museum Himmlisches Theater

Europäischer Tag der Restaurierung am 18. Oktober 2026

087 Des Königs Zahnbürste?

Spektakulärer Fund aus dem Neuen Palais in Potsdam

Die älteste archäologisch nachgewiesene Zahnbürste in Berlin und Brandenburg. Foto: K.-U. Uschmann, archaeofakt

Was hat eine Zahnbürste aus Knochen und Schweineborsten mit Friedrich dem Großen, süßen Speisen und moderner Zahngesundheit zu tun? Zum Tag der Zahngesundheit werfen wir einen Blick auf eine überraschende Geschichte: Bei archäologischen Untersuchungen am Neuen Palais in Potsdam wurde eine rund 250 Jahre alte Zahnbürste entdeckt – vermutlich die älteste archäologisch nachgewiesene Zahnbürste in Berlin und Brandenburg.

Das Neue Palais in Potsdam. Foto: S. Jahns, BLDAM

Die Ausgrabungen rund um das Neue Palais fanden zwischen 2013 und 2018 statt. Dabei untersuchten Archäologinnen und Archäologen unter anderem historische Abwasserkanäle. In deren Ablagerungen fanden sich zahlreiche Überreste, darunter Obstkerne, Glasscherben, Eierschalen, Federn und Insektenreste. Besonders häufig waren Erdbeer- und Feigenkerne. Die Funde geben Einblicke in die Ernährung am Hof und passen zu historischen Quellen, nach denen Friedrich der Große frisches Obst und Süßspeisen besonders schätzte.

Nüsschen einer Erdbeere. Friedrich II. aß nachweislich gerne Erdbeeren. Foto: V. Podsiadlowski/M. Hochmuth, DAI

Die spektakulärste Entdeckung lag allerdings nicht im Abwasserkanal: Unter dem ehemaligen Königsflügel wurde eine etwa neun Zentimeter lange Zahnbürste aus Knochen und Schweineborsten gefunden. Ihre Nähe zu den ehemaligen Räumen Friedrichs des Großen und weitere Funde aus der Zeit sprechen dafür, dass sie aus dem späten 18. Jahrhundert stammt. Ob sie tatsächlich Friedrich dem Großen gehörte, lässt sich allerdings nicht eindeutig beweisen.

Brombeer- und Himbeerkerne aus dem Neuen Palais. Fotos: V. Podsiadlowski/M. Hochmuth, DAI
Abwasserrohr des 19. Jahrhunderts aus englischer Produktion im Neuen Palais in Potsdam. Foto: K.-U. Uschmann, archaeofakt

Die Zahnbürste zeigt zugleich, wie sehr sich die Mundpflege verändert hat. Im 18. Jahrhundert waren Zahnbürsten vor allem ein Luxusgut. Die harten Schweineborsten konnten das Zahnfleisch reizen und wurden nach damaligen Empfehlungen nur selten verwendet. Mit der zunehmenden Verbreitung von Zucker wurde Zahnpflege immer wichtiger – auch wenn man die tatsächlichen Ursachen von Karies noch nicht verstand.

Friedrich II. legte vermutlich Wert auf die Zahnpflege. Zumindest empfing er 1756 den Zahnarzt Philipp Pfaff (1713–1766), der zu den Wegbereitern der wissenschaftlichen Zahnheilkunde in Deutschland zählt. Bei der Audienz überreichte Pfaff Friedrich II. persönlich seine „Abhandlung von den Zähnen des menschlichen Körpers und deren Krankheiten“, in der er auch Fragen der Zahnpflege und Vorbeugung behandelte. Als Anerkennung seiner Arbeit ernannte ihn der König zum königlich-preußischen Hofzahnarzt.

Heute wissen wir, dass vor allem das Zusammenspiel von Zahnbelag, Bakterien und häufigem Zuckerkonsum Karies begünstigt. Die Zahnärztin Jacqueline Leese erklärt im Podcast, worauf es bei moderner Zahnpflege ankommt: Mindestens zweimal täglich gründlich putzen, die Zahnzwischenräume reinigen, eine gesunde Ernährung und regelmäßig zur Kontrolle gehen.

Ein weiteres Ergebnis der Untersuchungen sind zahlreiche Funde von Obstkernen und Nüssen. Neben Erdbeeren konnten Brombeeren, Himbeeren, Wein und Nüsse nachgewiesen werden. Auch Eierschalen erzählen von der Speisenverwendung im Hohenzollern’schen Haushalt. Von Friedrich II. ist bekannt, dass er gerne frrisches Obst aß.

So verbindet der Fund aus dem Neuen Palais Archäologie und Gegenwart: Eine kleine Zahnbürste erzählt von höfischer Lebensweise, Esskultur und dem Wandel unseres Verständnisses von Zahngesundheit – und zeigt, wie viel Geschichte in einem alltäglichen Gegenstand stecken kann.

Gespräche mit: Dr. Kay-Uwe Uschmann, Archäologe und Dr. Susanne Jahns, Fachreferentin für Archäobotanik am BLDAM sowie mit der Zahnärztin Jacqueline Leese.

Weiterführende Links

Friedrich der Große und die Musik

Flötenkonzert Nr. 3 von Friedrich II.

Das Neue Palais

Das preußische Kochbuch. Köstlichkeiten und Geschichten aus der königlichen Küche von Bernd Maether, Ronny Pietzner

A Haunting Spectre. Archaeological Studies of Social Organisation, Economic Practice, and Inequality. A Festschrift for Johannes Müller on the occasion of his 65th birthday.

Zum Hofzahnarzt Philipp Pfaff

086 Land in Sicht!

Der brandenburgische Denkmaltag 2026

Vortrag beim brandenburgischen Denkmaltag in Doberlug-Kirchhain. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM

Scheunen, Ställe, Speicher und Werkstätten gehören seit Jahrhunderten zum Bild brandenburgischer Dörfer. Doch viele dieser Gebäude haben ihre ursprüngliche Funktion verloren. Sie stehen leer, verfallen oder verschwinden ganz. Gleichzeitig verändert sich das Leben auf dem Land: Menschen ziehen zu, neue Häuser entstehen, alte werden umgebaut und neue Nutzungen gesucht. Wie kann es gelingen, dabei die Geschichte und Eigenart der Dörfer zu bewahren, ohne sie zu musealisieren?

Dieser Frage widmete sich der Brandenburgische Denkmaltag 2026 im Refektorium des Klosters Doberlug in Doberlug-Kirchhain. Unter dem Motto „LAND IN SICHT! – Dörfliche Nutzbauten zwischen Bedarf und Bewahrung“ kamen Fachleute aus Denkmalpflege, Architektur und Regionalentwicklung mit Initiativen, Eigentümerinnen und Eigentümern sowie Interessierten zusammen. Die neue Folge der DENKMALZEIT nimmt die Hörer:innen mit auf den Denkmaltag.

Im Vortragssaal präsentierten sich unterschiedliche Initativen. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM

Brandenburg ist bis heute stark ländlich geprägt, doch gerade Gebäude wie Scheunen, Ställe und andere Nutzbauten werden als kulturelles Erbe häufig weniger wahrgenommen als Kirchen, Schlösser oder Herrenhäuser. Dabei erzählen sie von Landwirtschaft und Handwerk, von regionalen Baumaterialien und Bauweisen und nicht zuletzt davon, wie Menschen über Generationen hinweg auf dem Land gelebt und gearbeitet haben. Zugleich gehören sie zu den besonders gefährdeten Gebäuden. Landwirtschaft hat sich grundlegend verändert, viele historische Bauten werden für ihre ursprüngliche Aufgabe nicht mehr gebraucht. Manche sind für heutige Nutzungen zu groß, andere in schlechtem Zustand. Mit dem Verlust ihrer Funktion stellt sich deshalb fast zwangsläufig die Frage: Was kann aus ihnen werden? Eine einfache Antwort gibt es darauf nicht. Nicht jedes Gebäude wird erhalten werden können. Umso wichtiger ist es, genauer hinzusehen und darüber zu sprechen, welche Qualitäten vorhanden sind und welche neuen Möglichkeiten sich daraus entwickeln lassen.

Das Podium zum Abschluss des Denkmaltags. Foto: A.-M. Graatz. BLDAM

Ländliche Bauten dürfen nicht wie in einem Bildbearbeitungsprogramm „freigestellt“, also isoliert betrachtet werden. Die Gebäude gehören zu einer Landschaft, zu einem Dorf und zu dessen Geschichte. Sie bestehen aus regionalen Materialien, in Beziehung zu Nachbarn und Handwerkern und waren Teile eines sozialen und wirtschaftlichen Zusammenhangs.

Doch was tun, wenn eine alte Scheune bereits verfällt und Geld, Erfahrung oder geeignete Handwerker fehlen? Genau vor dieser Situation stehen viele Eigentümerinnen und Eigentümer. Eine Besucherin des Denkmaltags berichtet im Podcast von einer Scheunenruine, die sie gemeinsam mit ihrem Mann als Teil einer historischen Hofanlage erworben hat. Erste Sicherungsmaßnahmen sind erfolgt, doch nun stellen sich Fragen nach Förderung, Beratung und fachkundigen Handwerkern. Hier kommen Netzwerke ins Spiel. Die Arbeitsgemeinschaft Historische Dorfkerne und die Interessengemeinschaft Bauernhaus gehören zu den Organisationen, die Wissen vermitteln, Kontakte herstellen und Menschen zusammenbringen.

Der Denkmaltag machte zugleich deutlich, dass Erhaltung nicht bedeuten kann, Dörfer auf einem bestimmten historischen Stand einzufrieren. Sie haben sich immer verändert und werden es weiterhin tun. Entscheidend ist deshalb auch, wie Neues entsteht. Damit führt die Frage nach Scheunen und Ställen weit über einzelne Denkmale hinaus. Es geht um lebenswerte Dörfer, um Wohnraum und Infrastruktur, um regionale Identität und um die Frage, wer künftig auf dem Land leben möchte und kann.

Arbeitsheft des Brandenburgischen Landesamts für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums zum ländlichen Bauen. Michael Imhof Verlag / BLDAM

Eine Patentlösung kann auch der Denkmaltag nicht anbieten. Dafür zeigt er etwas anderes: Die staatliche Denkmalpflege allein kann das dörfliche Bauerbe nicht retten. Es braucht Eigentümerinnen und Eigentümer, Kommunen, Architektinnen und Architekten, Handwerker, Vereine und engagierte Menschen vor Ort – und vor allem das Gespräch zwischen ihnen.

Die neue Folge der DENKMALZEIT versammelt diese unterschiedlichen Stimmen. Und sie zeigt: Zwischen Bewahren und Verändern liegt kein unauflösbarer Widerspruch. Gerade dort, wo historische Gebäude neue Aufgaben erhalten und neue Architektur den Charakter eines Ortes ernst nimmt, kann aus dem baulichen Erbe etwas entstehen, das nicht nur Vergangenheit bewahrt, sondern Zukunft ermöglicht.

Eine Extra-Folge der DENKMALZEIT dokumentiert die Podiumsdiskussion, die zum Abschluss des Denkmaltags stattfand.

Gespräche mit: Jens Wiese von der Interessengemeinschaft Bauernhaus, Dr. Kenneth Anders, Programmleiter des Oderbruch Museums Altranft, Prof. Niklas Fanelsa vom Architekturbüro Atelier Fanelsa und Prof. an der TU München, Dr. Sabine Bauer, Koordinatorin der AG Historische Dorfkerne im Land Brandenburg, Prof. Heinz Nagler erster Vorsitzender Förderverein Baukultur Brandenburg, Architekt, Stadtplaner und Prof. em. an der BTU Cottbus, Dr. Marcus Cante, Fachreferent für Inventarisation am BLDAM und Dr. Andrea Sonnleitner, Fachreferentin für historische Bauforschung am BLDAM.

Podiumsdiskussion:

Moderation: Dr. Wera Groß, ehemalige Fachreferentin für Praktische Denkmalpflege am BLDAM

Teilnehmer:innen: Architekt Dr. Achim Krekeler, Andrea Nickisch vom Netzwerk Zukunftsorte, Marco Beckendorf, Bürgermeister von Wiesenburg und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Historische Dorfkerne, Dr. Kenneth Anders, Programmleiter des Oderbruch Museums Altranft, Prof. Niklas Fanelsa, Architekturbüro Atelier Fanelsa und Professor an der Technischen Universität München

Links

Arbeitsheft Nr. 70: Ländliches Bauen in Brandenburg – Forschungsgeschichte und Bauernhofaufmaße bis 1945

AG Historische Dorfkerne im Land Brandenburg

Förderverein Baukultur Brandenburg e. V.

Mühlenvereinigung Berlin-Brandenburg e.V.

Interessengemeinschaft Bauernhaus e.V.

Netzwerk Zukunftsorte e.V.

Jugendbauhütte Brandenburg

Oderbruch Museum Altranft

Atelier Fanelsa

084 Kann man Erinnerung ausgraben?

Jugendliche gestalten Erinnerungskultur in Ravensbrück

Zitat von Anna Seghers an der Gedenkwand im Eingangsbereich der 1959 eröffneten Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück. Foto: C. Krauskopf, BLDAM

Geschichte hinterlässt Spuren – manche sind auf den ersten Blick sichtbar, andere liegen im Boden verborgen. Im ehemaligen Konzentrationslager Ravensbrück haben Schüler:innen eines Leipziger Gymnasiums gemeinsam mit Wissenschaftler:innen genau nach diesen Spuren gesucht. Dabei ging es nicht nur um archäologische Funde, sondern auch um die Frage, wie Erinnerungskultur heute gestaltet werden kann.

Die Leiziger Jugendlichen im Ausgrabungsschnitt. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM

Im Rahmen der „Aktion Schöpfung bewahren“ verbrachten Jugendliche aus Leipzig zwei Wochen in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, um den historischen Ort kennenzulernen und aktiv mitzugestalten. Dabei ging es nicht nur ums Zuhören und Lernen, sondern vor allem ums Mitmachen.

Plan und Text der von den Leipziger Jugendlichen gestalteten Informationsstele zu Baracke 32. Foto: C. Krauskopf, BLDAM

In der ersten Woche entwickelten die Jugendlichen eine neue Informationsstele für die ehemalige Baracke 32. Sie macht die Ergebnisse archäologischer Untersuchungen sichtbar und hilft Besucherinnen und Besuchern, die Geschichte dieses Ortes besser zu verstehen.

Die Informationsstele zu Baracke 32. Foto: C. Krauskopf, BLDAM

Anschließend wurde es praktisch: Gemeinsam mit Archäolog:innen und Grabungstechnikern des BLDAM beteiligten sich die Jugendlichen an Ausgrabungen im Bereich der sogenannten „Nacht-und-Nebel-Baracke“ 32. Dabei wurde schnell deutlich, dass Archäologie weit mehr ist als das Freilegen von Funden – sie macht Geschichte greifbar und eröffnet neue Perspektiven auf einen Ort, dessen Vergangenheit bis heute bewegt.

Interviews und Gespräche mit:

Schülern eines Leipziger Gymnasiums, Dr. Andrea Genest (Leiterin Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück), Prof. Dr. Franz Schopper (Direktor des BLDAM und Landesarchäologe) sowie Katharina Malek-Custodis (Dezernatsleiterin Bodendenkmalpflege und stellvertretende Landesarchäologin).

Links:

Short auf YouTube

Podcastfolge aus dem Jahr 2025: Archäologisches Workcamp in der Gedenkstätte Ravensbrück

Mahn‑ und Gedenkstätte Ravensbrück

083 Das geheime Einhorn von Brandenburg an der Havel

Ausschnitt aus dem brandenburger Einhornteppich. Foto: Anne-Marie Graatz, BLDAM

Ein Einhorn mitten in Brandenburg – und kaum jemand kannte es. Seit Jahrhunderten hängt in der St. Gotthardtkirche in Brandenburg an der Havel ein außergewöhnlicher Einhornteppich, der bis heute Fragen aufwirft. Woher stammt er? Was erzählt seine Darstellung? Und warum gilt er als europaweit einzigartig? Die aktuelle Folge der DENKMALZEIT geht dem Geheimnis dieses mittelalterlichen Einhorns auf den Grund. Nach einer aufwendigen Restaurierung kehrt die kostbare Tapisserie an ihren historischen Platz in der Taufkapelle zurück, nachdem sie zuvor in der Ausstellung „Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst“ im Museum Barberini in Potsdam zu sehen war.

Der rund 5,5 Meter breite Wandteppich aus dem späten 15. Jahrhundert fasziniert nicht nur durch seine aufwendige Handwerkskunst, sondern auch durch seine vielen offenen Fragen. Die Restauratorin des BLDAM, Dörte Busch, erklärt, warum die Herstellung einer solchen Tapisserie einst zu den kostspieligsten Kunstformen zählte und weshalb der Einhornteppich heute als europaweit einzigartig gilt. Sein Motiv zeigt eine höfische Szene mit einem zahmen Einhorn, dessen Symbolik zwischen mittelalterlicher Liebesallegorie und christlicher Marienverehrung angesiedelt ist. Bis heute sind jedoch weder seine genaue Herkunft noch seine ursprüngliche Funktion eindeutig geklärt.

Der Einhornteppich in seiner Spezialvitrine. Foto: Anne-Marie Graatz, BLDAM

Die Folge begleitet außerdem die feierliche Rückkehr des Kunstwerks in die Kirche und lässt verschiedene Menschen zu Wort kommen: Besucherinnen und Besucher, Wissenschaftler:innen sowie die „Brandenburger Bücherkinder“, die sich kreativ mit dem Einhornteppich auseinandergesetzt haben. Ihr Mentor Armin Schubert spricht über kulturelle Bildung und darüber, wie historische Kunstwerke junge Menschen dazu anregen können, sich mit Geschichte, Sprache und Kultur auseinanderzusetzen.

St. Gotthardt in Brandenburg an der Havel. Foto: Anne-Marie Graatz, BLDAM

Einen besonderen Einblick geben die Restaurator:innen, die den Teppich begleitet haben. Textilrestauratorin Julia Zitzmann berichtet von der sorgfältigen Konservierung der jahrhundertealten Tapisserie. Dabei ging es nicht nur um die Stabilisierung von Fehlstellen und die behutsame Restaurierung des Gewebes, sondern vor allem um die Frage, wie das empfindliche Kunstwerk dauerhaft am historischen Ort erhalten werden kann. Restaurator und Vitrinenplaner Matthias Farke erklärt die eigens entwickelte Vitrine, die mithilfe einer nachhaltigen Klimatisierung ohne Strom für konstante Temperatur- und Feuchtigkeitswerte sorgt. So kann der Teppich dauerhaft in der Kirche bleiben und gleichzeitig optimal geschützt werden. Zum Abschluss spricht Pfarrer Philipp Mosch über die Rückkehr des Einhornteppichs in die St. Gotthardtkirche und seine Bedeutung für die Gemeinde. Er verbindet die Geschichte des Einhorns mit seiner christlichen Symbolik und lädt Besucherinnen und Besucher ein, das außergewöhnliche Kunstwerk selbst zu entdecken. Die Podcastfolge verbindet Denkmalpflege, Restaurierungswissenschaft, Kunstgeschichte und persönliche Geschichten zu einem lebendigen Blick auf ein außergewöhnliches Kulturerbe.

Interviews und Gespräche mit:

Dörte Busch, Restauratorin und Fachreferentin für die Restaurierung von Ausstattung am BLDAM , Textilrestauratorin Julia Zitzmann, Restaurator und Vitrinenplaner Matthias Farke, Pfarrer Philipp Mosch der St. Gotthardt- und Christusgemeinde in Brandenburg an der Havel, Juna von den Bücherkindern, Armin Schubert, Mentor der Bücherkinder und den Besucher:innen.

Links

Einhorn-Short

St. Gotthardtkirche Brandenburg an der Havel

Bücherkinder Brandenburg an der Havel

Film: Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst

Museum Barberini Potsdam

Textilrestaurierung Julia Zitzmann

Museumsberatung Matthias Farke

077 „It’s a match“ – Radkreuz und Gussform wiedervereint

Spektakulärer Fund in Berlin und Brandenburg

Was Dating-Apps versprechen, hat die Archäologie hier wirklich geliefert: „It’s a match“ – „Es passt zusammen“. Berlin und Brandenburg erleben eine archäologische Liebesgeschichte mit Happy End. Ein Radkreuz aus dem 10. oder 11. Jahrhundert und seine Gussform haben sich wiedergefunden.

Bronzenes Radkreuz in der Gussform vom Spandauer Burgwall. © Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum, Foto: Lukas Goldmann

Die Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Dr. Manja Schüle, präsentierte bei einer Pressekonferenz in der Staatskanzlei des Landes Brandenburg gemeinsam mit Prof. Dr. Franz Schopper, Landesarchäologe und Direktor des Brandenburgischen Landesamts für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums (BLDAM), Prof. Dr. Matthias Wemhoff, Berliner Landesarchäologe und Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte in Berlin, Lukas Goldmann, wissenschaftlicher Referent für das slawische Mittelalter und Ehrenamt beim BLDAM, sowie der Finderin und ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegerin Juliane Rangnow einen außergewöhnlichen Bronzefund aus dem Havelland.

Bronzenes Radkreuz aus dem westlichen Havelland. © Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum, Foto: Gabriel Graf.

Das Radkreuz aus dem 10. oder 11. Jahrhundert wurde von der ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegerin Juliane Rangnow im Rahmen genehmigter Detektorbegehungen auf einem Fundplatz im westlichen Havelland entdeckt. Das Besondere an dem Fund: Das Bronze-Kreuz war in einer Form gegossen worden, die bereits vor mehr als 40 Jahren in Spandau zutage gekommen und die als „Spandauer Kreuz“ bekannt ist. Die 1983 bei Ausgrabungen auf dem slawischen Burgwall in Berlin-Spandau gefundene Gussform eines kleinen Radkreuzes gilt als einer der ältesten Nachweise der frühen Christianisierung zwischen Elbe und Oder. Sie wurde neben den Überresten eines Gebäudes gefunden, das der Ausgräber, Adrian von Müller, als frühe Kirche gedeutet hatte. Nach der Restaurierung und genauen Vermessung des im Havelland entdeckten Kreuzes am BLDAM sowie nach dem Abgleich mit der im Museum für Vor- und Frühgeschichte in Berlin ausgestellten Gussform konnte nachgewiesen werden, dass Kreuz und Gussform zusammengehören. Ein Gus aus der Form wurde bislang weder in Spandau noch anderswo gefunden – der jetzige Fund eines dazu passenden Gussstücks ist somit einzigartig.

Gussform und Kreuz sind Zeugen der frühen Christianisierung. Im frühen 10. Jahrhundert geriet die in dieser Zeit von nichtchristlichen slawischen Stämmen bewohnte Region des heutigen Berlins und Brandenburgs durch Eroberungsfeldzüge in den Einflussbereich des ostfränkischen Reiches, des Vorläufers des späteren Römisch-Deutschen Reiches. Die neuen Eliten brachten neben einer politischen Neuorganisation auch einen neuen Glauben mit.

Das Podium während der Pressekonferenz in der brandenburgischen Staatskanzlei. Von links nach rechts: Lukas Goldmann (BLDAM), Juliane Rangnow (ehrenamtliche Bodendenkmalpflegerin und Finderin), Prof. Dr. Franz Schopper (Landesarchäologe von Brandenburg), Dr. Manja Schüle (Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur), Prof. Dr. Matthias Wemhoff (Landesarchäologe von Berlin) und Stfean Breiding (Pressepsrecher des MWFK). Foto: A.-M. Graatz, BLDAM

Zeugnisse dieser ersten Christianisierung sind jedoch vorwiegend in historischen Schriftquellen überliefert, da die slawischen Stämme die neue Religion mehrheitlich ablehnten. Im Jahre 983 erhoben sie sich im sogenannten Lutizenaufstand gegen die ostfränkische Oberhoheit und erkämpften sich für etwa 150 Jahre ihre politische und religiöse Unabhängigkeit. Eine nachhaltige Christianisierung erfolgte erst im 12. und im 13. Jahrhundert, nachdem die Region endgültig als Mark Brandenburg Teil des Römisch-Deutschen Reiches geworden war.

Die Finderin mit den Landesarchäologen von Berlin und Brandenburg – und dem Kreuz. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM

Die Finderin des Bronze-Kreuzes gehört zu den rund 350 ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegerinnen und -pflegern des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums (BLDAM). Sie leisten einen wichtigen Beitrag für die Erfassung, Erhaltung und Vermittlung des archäologischen Erbes. Alle offiziell benannten ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegerinnen und -pfleger sind Absolvent*innenen eines Lehrgangs, den das BLDAM in enger Zusammenarbeit mit der Archäologischen Gesellschaft Berlin und Brandenburg e.V. organisiert. Seit 2022 gibt es einen Mitarbeiter beim BLDAM, der sie unterstützt und berät.

Interviews und Gespräche mit: Kulturministerin Dr. Manja Schüle, Prof. Dr. Franz Schopper, Landesarchäologe und Direktor des Brandenburgischen Landesamts für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums (BLDAM), Prof. Dr. Matthias Wemhoff, Berliner Landesarchäologe und Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte in Berlin, Lukas Goldmann, wissenschaftlicher Referent für das slawische Mittelalter und Ehrenamt beim BLDAM, sowie der Finderin und ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegerin Juliane Rangnow.

Tipp

Die Gussform und das Kreuz sind vom 24. Januar bis zum 11. März 2026 im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg in Brandenburg an der Havel zu sehen.

Darüber hinaus wird eine Sonderführung angeboten:

Ein passgenauer Neufund – Gussform und Abguss eines bronzenen Radkreuzes aus dem Slawischen Mittelalter mit Lukas Goldmann M.A., BLDAM

So. 22. Februar 2026, 14.00 Uhr (Dauer ca. 1 Stunde)

Kosten: Eintritt 5 € | erm. 3,50 € | Familien 10 € | Kinder unter 10 Jahren frei | Keine Führungsgebühr. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.

Eine verbindliche Anmeldung ist von Di bis So jeweils 10 bis 17 Uhr unter 03381 / 4104112 möglich.

Weiterführende Links

Berichterstattung im rbb

Short zur Pressekonferenz auf YouTube

Museum für Vor- und Frühgeschichte Berlin

Slawen in Brandenburg

Burg Spandau

073 Archäologie-Kongress in der Mitte Europas

Empfang im Rathaus der Stadt Frankfurt (Oder). Foto: A.-M. Graatz, BLDAM

Von Unterwasserarchäologie, historischen Romanen und mittelalterlichen Kellern: Frankfurt (Oder) war vier tagelang Austragungsort eines deutschlandweiten Archäologie-Kongresses mit über 250 Teilnehmenden, darunter auch Wissenschaftler*innen aus Polen, Tschechien, Litauen, Dänemark und weiteren Ländern. Vor genau 20 Jahren hat der Mittel- und Ostdeutsche Verband für Altertumsforschung schon einmal im Rahmen des Deutschen Archäologie Kongresses in die Kleiststadt eingeladen. Zahlreiche spannende Vorträge vom Neolithikum über die Bronzezeit bis zum Mittelalter und Neuzeit luden zur Diskussion ein und sorgten für einen Wissensaustausch über die Landesgrenzen hinweg.

Eingang zum Gräfin-Dönhoff-Gebäude der Europa-Universität Viadrina. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM

Tagungsort war neben der Europa-Universität Viadrina auch das Collegium Polonicum in Słubice. Der Abendempfang der Stadt Frankfurt (Oder) im Rathaus, der öffentliche Abendvortrag vom brandenburgischen Landesarchäologen Prof. Dr. Franz Schopper sowie Stadtführungen in Frankfurt und eine Exkursion nach Polen bereicherten das Programm zusätzlich.

Vortrag im großen Hörsaal des Collegium Polonicum in Słubice. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM

Die Tagung wurde in Kooperation mit der STIFTUNG EUROPA-UNIVERSITÄT VIADRINA, der Professur für Denkmalpflege und dem Collegium Polonicum organisiert.

Exkursion zum eisenzeitlichen Burgwall in Wicina in Polen. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM

Interviews und Gespräche mit: Christian Matthes, Stadtarchäologe in Frankfurter (Oder), Dr. Sophie Hüglin, Eberhard Karls Universität Tübingen, Claus Junghanns, Bürgermeister von Frankfurt (Oder), Roger Blum, ehrenamtlicher Unterwasserarchäologe, Lukas Goldmann, Fachreferent für Ehrenamt am BLDAM und Unterwasserarchäologe, Małgorzata Daszkiewicz, Archäologin, Prof. Dr. Paul Zalewski, Leiter des Masterstudiengangs „Schutz Europäischer Kulturgüter“ an der Europa-Universität Viadrina, Agnieszka Matuszewska, Archäologin, Dr. Jasper von Richthofen, Direktor der Görlitzer Sammlungen für Geschichte und Kultur sowie Vorsitzender des MOVAs.

Vorleser: Bastian Düwell und Michael Schneider
Vorgelesen aus:
CELTIA – Die Kelten vor der Zeitenwende. Ein historischer Roman von Christine Hatz. Erschienen 2023 bei LIBRUM Publishers & Editors, Basel, Frankfurt a.M. ISBN: 978-3-906897-79-0.
Auch als französische Übersetzung erhältlich: CELTIA – Les Celtes à la croisée de l’histoire, ISBN: 978-3-906897-80-6.

Sprecherin der Übersetzungen: Christel Pietsch

Links

Mittel- und Ostdeutsche Verband für Altertumsforschung e.V.

Verein für Unterwasserarchäologie Berlin-Brandenburg e. V.

Zum Unterwasserforscher Dr. Martin Rauschert

Masterstudiengang Schutz Europäischer Kulturgüter

Tipps zu Frankfurt (Oder)

Burgwall Lossow

Foyer des Rathauses: Archäologische Fenster – Glasplatte mit Blick in den Keller

St. Marienkirche

Viadrina Museum

Kleistmuseum

Kleistforum

Stadtarchiv Frankfurt (Oder)

Links zu Exkursionszielen in Polen

Burg Łagów

Archäologisches Museum der mittleren Oderregion

Historische Romane zur Eisenzeit

Celtia – Die Kelten vor der Zeitenwende von Christine Hatz

Hallstatt-Trilogie von Jutta Leskovar

Die Nebel von Avalon

071 Vom Hyper-Dancing und Müther-Hype – zwei Tage mit Ulrich Müther

Die Tagungsteilnehmer*innen strömen zur Hyparschale. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM

Von nächtlichen Zugfahrten mit Ulrich Müther über die richtige Aussprache der Hyper- oder Hyparschale bis zur Eislaufbahn in einem Mütherbau: In dieser Podcastfolge lassen wir es ordentlich „müthern“ und das Leben und Wirken des „Landbaumeisters“ von der Insel Rügen Revue passieren. Am 21.7. hätte er Geburtstag gefeiert, vor 91 Jahren wurde der Bauingenieur geboren. Deshalb geht an diesem Tag die Podcastfolge online.

Unter dem Motto “Harte Schale, weicher Kern?” widmete sich der brandenburgische Denkmaltag, in diesem Jahr gemeinsam mit dem Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern, den denkmalpflegerischen Erfahrungen bei der Restaurierung und Sanierung ausgewählter Bauten von Ulrich Müther. In einem zweitägigen Programm erlebten die circa zweihundert Teilnehmer*innen spannende Präsentationen rund um die Bauten von Ulrich Müther und kamen intensiv ins Gespräch. Dr. Wera Groß vom BLDAM und der Architekt Lutz Grabowski (immer.gut architektur) führten die Teilnehmenden über das Gelände der Hyparschale in Templin und gaben dabei interessante Einblicke in die Architektur des Gebäudes und seines Umfeldes. So besitzt der Schalenbau, in Anlehnung an seine ursprüngliche Nutzung als Gaststätte mit Dancefloor, eine Glitzerdecke und in der angrenzenden Kindertagesstätte befindet sich ein Fledermaushotel.

Das Logo der Landesdenkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern zeigt eine Müther’sche Hyparschale

Ulrich Müther (1934–2007) entwarf als Bauingenieur mehr als 70 doppelt gekrümmte Beton-Schalentragwerke, die er als Bauunternehmer zu großen Teilen auch mit errichtete. Nach einer Phase der Missachtung nach 1989 zählen diese Bauten heute zu den eindrucksvollen Beispielen der Moderne nach dem Zweiten Weltkrieg in der DDR und werden sorgsam erhalten. An den Beispielen in Templin, Rostock-Schutow, Neubrandenburg und Magdeburg wurden die unterschiedlichen baulichen Gegebenheiten sowie die jeweiligen Befund- und Schadenslagen analysiert. Vorgestellt und diskutiert wurden dabei die denkmalpflegerischen Strategien und Nutzungskonzepte, die nicht nur die Substanz der Gebäude beeinflussen, sondern auch deren äußeres Erscheinungsbild prägen.

Durch den Vergleich dieser vier markanten Beispiele konnten wertvolle Erkenntnisse gewonnen werden, die sowohl für die Erhaltung als auch für die zukünftige Nutzung historischer Bauwerke der Nachkriegszeit von Bedeutung sind. Es ist geplant, die Ergebnisse in einem Tagungsband zu dokumentieren, um das gesammelte Wissen nachhaltig für zukünftige Projekte bereitzustellen.

Der gemeinsame Denkmaltag der Länder Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern in der Templiner Hyparschale war sehr gut besucht. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM

Der gemeinsame Landesdenkmaltag 2025 ist eine Veranstaltung des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums und des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern in enger Zusammenarbeit mit der Brandenburgischen Architektenkammer. Kooperationspartner sind die Brandenburgische Ingenieurkammer, die Architektenkammer Mecklenburg-Vorpommern, die Ingenieurkammer Mecklenburg-Vorpommern, das Müther-Archiv sowie die Stadt Templin.

Wir danken der Wüstenrot-Stiftung für die großzügige Förderung.

Der Denkmaltag auf YouTube und Instagram.

Interviews und Gespräche mit: Prof. Dr. Thomas Drachenberg, Dr. Ramona Dornbusch, Dr. Wera Groß, Sabine Dahl, Journalistin und Moderatorin, Lutz Grabowski, Architekt, Prof. Matthias Ludwig und Dr. Dina Falbe vom Müther-Archiv der Hochschule Wismar, Dipl. Ing. Architekt Michael Bräuer, Weggefährte Müthers und Passant*innen.

Gemeinsamer Denkmaltag der Länder Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommen

Bericht auf der Website des BLDAM
Programm

Weiterführende Links

Mütherarchiv

Hyparschale Templin

Immergut-Architektur

Müther’s Vorbild: Félix Candela

Dipl. Ing. Architekt Michael Bräuer, Weggefährte Müthers

Film: Die Hyparschale in Magdeburg

Kurzfilm über Ulrich Müther

Popkultureller Tipp

Scooter – Hyper Hyper

070 Gegen das Vergessen

Archäologisches Workcamp in der Gedenkstätte Ravensbrück

Blick über das Untersuchungsareal im ehemaligen Konzentrationslager Ravensbrück. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM

Weite Flächen, brüchiger Beton und Vogelgezwitscher und mittendrin eine Gruppe von internationalen Freiwilligen. Welche Bedeutung hatte das größte Frauen-Konzentrationslager auf deutschem Boden? Wie wurde der 80. Jahrestag der Befreiung in Ravensbrück begangen? Wie wird die Gedenkstätte von Besucher*innen wahrgenommen? Und darf man in einem ehemaligen Konzentrationslager ausgraben? In dieser Folge der DENKMALZEIT begleiten wir – mit Unterstützung von Eva Gutensohn vom radio dreyeckland – einen Tag lang das einwöchige archäologische Workcamp in der Gedenkstätte Ravensbrück bei ihren Untersuchungen und Dokumentationen auf dem Gelände, unterhalten uns mit den Teilnehmenden, der Leiterin der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, Dr. Andrea Genest, und der Dezernatsleiterin Archäologische Denkmalpflege am BLDAM, Katharina Malek-Custodis.

Freigelegter Bereich der Baracke 32. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM

Die Idee des Projektes ist es, dass die zeitgeschichtliche Archäologie zusammen mit der Geschichtswissenschaft in Gedenkstätten praktische Anwendung findet und so durch den partizipativen Ansatz, bei der archäologischen Dokumentation ein Zugang für junge Erwachsene zum Thema geschaffen wird. Ausgegraben oder wie Katharina Malek-Custodis sagt „archäologisch dokumentiert“, wird die Baracke 32, eine so genannte „Nacht- und Nebelbaracke“ (s. unten), deren Steinfußboden per Zufall bei gärtnerischen Arbeiten während eines anderen Workcamps entdeckt wurde. Die Archäologin berichtet davon, dass nach dem Ende des Krieges generell zahlreiche Akten vernichtet wurden und Archäologie manchmal die einzige Wissenschaft ist, die Vergessenes wieder zurück ans Tageslicht befördern kann. Dr. Genest ergänzt, dass das gesamte Gelände vom Überlappen zweier Zeitschichten geprägt ist, der Zeit des Nationalsozialismus und der Phase der Um- und Nachnutzung der Roten Armee. So verwundert es auch nicht, dass „große“ Funde ausblieben, manchmal ist kein Fund auch ein Ergebnis. In der zeitgeschichtlichen Archäologie kann es von sehr großer Bedeutung sein, nichts zu finden, weil bestimmte Bereiche beräumt wurden, um alles in Vergessenheit geraten zu lassen. Auch im nächsten Jahr soll die Zusammenarbeit zwischen dem BLDAM und der Gedenkstätte Ravensbrück fortgeführt werden und ein weiteres archäologisches Workcamp die Geschichte des ehemaligen Konzentrationslagers untersuchen. Mitmachen können Interessierte jeden Alters!

Dokumentationsarbeiten: Unter dem Betonboden, der während der Nutzung durch die Rote Armee angelegt wurde, sieht man den Ziegelboden aus der Zeit des nationalsozilistischen Terrorregimes. Foto: C. Krauskopf, BLDAM

Was genau gefunden wurde, hören Sie hier:

Podcastfolge mit Übersetzung der englischsprachigen Interviews

Podcastfolge ohne Übersetzungen (teilweise auf Englisch)

Überblick über die Geschichte des ehemaligen Konzentrationslagers

In Ravensbrück bei Fürstenberg wurde 1939 das größte deutsche Frauen-Konzentrationslager errichtet. 1941 wurde ein Männerlager, 1942 das „Jugendschutzlager Uckermark“ angegliedert. Von 1939 bis 1945 wurden 120.000 Frauen, 20.000 Männer und 1.200 weibliche Jugendliche des „Jugendschutzlagers Uckermark“ als Häftlinge registriert, sie stammten aus mehr als 30 Nationen. Zehntausende wurden ermordet oder starben an Hunger, Krankheiten oder durch medizinische Experimente. Am 30. April 1945 befreite die Rote Armee das Lager und rund 2.000 zurückgelassene kranke Häftlinge. Viele starben später an den Folgen der KZ-Haft. Nach Kriegsende nutzte die sowjetische Armee große Teile des ehemaligen Konzentrationslagers. Seit 1948 bemühten sich Überlebende und die Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes, den Bereich um das Krematorium als Gedenkort zu erhalten. Die 1959 gegründete Mahn‑ und Gedenkstätte Ravensbrück ist seit 1993 Teil der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten (SBG). 2013 eröffnete die Gedenkstätte im Beisein von Überlebenden die neue Dauerausstellung „Das Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück – Geschichte und Erinnerung“.

Der „Nacht- und Nebel-Erlass“

Am 7. Dezember 1941 erging ein „Führererlass“, der die Inhaftierung von politischen Gegnern, besonders aus dem Widerstand gegen das nationalsozialistische Terrorregime und die Besetzung von Nachbarländern, regelte. Danach wurden rund 7.000 des Widerstands verdächtige Personen aus zahlreichen europäischen Ländern verschleppt. Man verurteilte sie heimlich, behielt sie aber auch bei erwiesener Unschuld in Haft, ohne dass die Angehörigen irgendwelche Auskünfte erhielten. Das war der „Nacht- und Nebel“-Charakter der Aktion, der der Einschüchterung dienen sollte. Auch im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück waren Opfer des Erlasses inhaftiert. Die Inkraftsetzung des Erlasses durch das Oberkommando stellt eines der Kriegsverbrechen der Wehrmacht und ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit dar.

Weitere Informationen

Gedenkstätte Ravensbrück

Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten

Bundeszentrale für Politische Bildung: Ravensbrück

Interviews:
Anne-Marie Graatz, BLDAM
Christof Krauskopf, BLDAM
Eva Gutensohn, radio dreyeckland

Die Übersetzungen werden von Annika Waller und Joachim Stark (beide BLDAM) gesprochen.

069 Baukultur! Mindestens europäisch …

Die große Halle von Seddin im archäologschen Befund – bronzezeitliche Baukultur in Brandenburg. Foto: L. Dierkes, Universität Göttingen

In dieser Folge der DENKMALZEIT unterhält sich der Pressesprecher des BLDAM, Dr. Christof Krauskopf, mit dem brandenburgischen Landeskonservator, Prof. Dr. Thomas Drachenberg, zum Tag der Baukultur über die Baukultur. Was ist das? Was bedeutet Baukultur für die Menschen? Wie entwickelt sie sich? Und welche Rolle spielt die Baukultur im kulturellen Erbe und damit in der Denkmalpflege?

Die spätmittelalterliche Burgkapelle von Ziesar. Foto: C. Krauskopf, BLDAM

Für Thomas Drachenberg ist die Baukultur viel mehr als Form und Funktion: „Der sorgsame Umgang mit dem Bestand ist ein wesentlicher Teil der Baukultur. Es gibt eine Halbwertszeit in der Architektur, die man in den zurückliegenden Epochen beobachten kann. Wenn etwas nachhaltig und von großer Qualität ist, sowohl technisch als auch ästhetisch gebaut wurde, dann wird es als selbstverständlich betrachtet und weitergenutzt ohne dass es als alt und vorgestrig empfunden wird.“ Weiterhin wird über die Anfangszeit der Baukultur vom Neolithikum in Brandenburg über die große Halle und die Siedlung von Seddin, exzeptionelle mittelalterliche Bauten wie den Stolper Turm als eines der ältesten profanen Backsteingebäude Brandenburgs, die Burg in Ziesar bis zur Burg Eisenhardt in Bad Belzig, gesprochen.

Eckhaus in der Dortustraße in Potsdam, 1796, nach einem Entwurf von August Grabkowsky 1889 umgestaltet. Foto: R. Paschke, BLDAM

Die letzte und gleichzeitig zentrale Frage: Gibt es eine nationale Baukultur? Der Landeskonservator spricht sich dagegen aus: „Es gibt so viele Einflüsse von außen, sogar in der DDR-Zeit und beim Bauhaus. Man nehme nur die Kontakte zur De Stijl-Bewegung in Holland oder zu anderen Strömungen, die waren im kräftigen Austausch. Wir enden mindestens bei einer europäischen Baukultur und weit darüber hinaus. Schlussendlich lässt sich sagen, dass gute Baukultur Kommunikation ermöglichen muss, im Sinne der Demokratie, denn eine Diktatur braucht die Kommunikation nicht, da ist der Paradeplatz das Produkt. Für unsere Gesellschaft ist es ganz wichtig, dass Kommunikationsräume existieren, wo wir uns unter anderem über die Baukultur und die Denkmale austauschen können und jeder Mensch seinen Blick darauf erzählen kann und wir ins Unterhalten kommen.“

Die ADGB-Schule in Bernau. Entwurf von Hannes Meyer und Hans Wittwer, 1928-1930, 1950-1955 nach dem Entwurf von Georg Waterstradt erweitert. Foto: R. Schneider, BLDAM

Weiterführende Links:

Bundesstiftung Baukultur

Zur Baukultur beim Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen

Burgturm Stolpe:
Beitrag auf brandenburgikon
Besichtigung

Burg Ziesar

Zum Bauhaus:
Bauhaus Dessau
Bauhaus-Archiv
Bauhaus-Denkmal Bernau

Baukultur in Brandenburg finden Sie in der Denkmaldatenbank des Landes