037 Die Ostmoderne und die Denkmalpflege

Der „Aktivist“ in Eisenhüttenstadt. © Thomas Drachenberg, BLDAM, 2011

Die Ostmoderne ist derzeit in aller Munde. Doch was ist eigentlich ostmodern? Und was haben wir davon in Brandenburg zu bieten? Was gibt es da zu entdecken und wie gehen wir als Denkmalpfleger*innen damit um?

Zu diesen und weiteren Themen rund um die Ostmoderne und die Herausforderungen der Denkmalpflege spricht in der Podcastfolge die Pressesprecherin des BLDAM, Julia Küchle, mit dem Landeskonservator Prof. Dr. Thomas Drachenberg.

Mit der Ostmoderne ist eigentlich die Nachkriegsmoderne in den Staaten des ehemaligen Ostblocks gemeint. Sind also alle Bauwerke, die dort bis zur Wende 1989 entstanden sind, ostmodern?

Der „Aktivist“ in Eisenhüttenstadt in neuer Nutzung. © Thomas Drachenberg, BLDAM, 2011

Nach der Überwindung des traditionalistischen Formenapparates der „Nationalen Tradition“ in der Stalinzeit entstand seit den frühen 1960er Jahren mehr Offenheit für moderne Formen und Konstruktionen. Industrialisierung und Fortschritt wurden in der DDR stärker betont. Der Plattenbau ermöglichte aber auch die Industrialisierung des Wohnungsbaus, mit der dem eklatanten Wohnungsmangel begegnet werden sollte. Aber nicht nur Plattenbauten sind „ostmodern“, auch kühne Konstruktionen wie die Hyparschale von Ulrich Müther in Templin und weitere exzeptionelle Bauten zählen dazu. Die Großgaststätte „Aktivist“ in Eisenhüttenstadt repräsentiert schon allein wegen ihrer schieren Größe eine heute schwer zu nutzende und deshalb eher gefährdete Architektur – eine Gaststätte für mehrere hundert Gäste kann dort heute kaum wirtschaftlich betrieben werden. Die Erhaltung und Umnutzung kann vor diesem Hintergrund als besondere Erfolgsgeschichte angesehen werden. In den 1980er Jahren entstanden dann Bauten, die an gewachsene Strukturen angepasst sein sollten, wie etwa in Bernau, wo ein „Altstadtplattenbau“ von 1984/85 das derzeit noch jüngste Gebäude in der brandenburgischen Denkmalliste ist.

Schwedt, Berliner Str. 52, Wandmosaik „Der Mensch erobert das Weltall“, 1967, von Erich Enge.
© Dirk Schermer, BLDAM, 2021

Bei der Beschäftigung mit der Ostmoderne ist aber nicht nur die Architektur selbst zu betrachten. Bis Ende 2022 erfasst das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege baubezogene Kunst in den ehemaligen DDR-Bezirkshauptstädten Frankfurt an der Oder und Cottbus. Finanziert wird das Projekt durch die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Am Industriestandort Eisenhüttenstadt läuft ebenfalls die flächendeckende Erfassung. In Schwedt wurde sie 2021 bereits abgeschlossen. Etwa 70 Objekte konnten hier dokumentiert werden, vom Wandmosaik „Der Mensch erobert das Weltall“ bis hin zu einer Betonstrukturmauer und zu Wohngruppenzeichen in großen Siedlungsanlagen.

Marie-Curie-Straße 1, Wohngruppenzeichen „Friedliche Anwendung der Atomkraft“, 1976, von Rudolf Grunemann. © Dirk Schermer, BLDAM, 2021

036 Der „Auftrag Speer“

In dieser Folge der DENKMALZEIT berichtet Dr. Katharina Steudtner, Fachreferentin im Dezernat Inventarisation, über die neu erschienene Publikation „Der ‚Auftrag Speer‘ der Staatlichen Bildstelle Berlin“, die das Ergebnis ihres dreijährigen Forschungsprojektes am Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseum (BLDAM) ist. Gegenstand ist die wissenschaftliche Erschließung eines fotografischen Bestandes im Messbildarchiv des BLDAM. Das Gespräch führt Julia Gerber, die Pressesprecherin des BLDAM.

Der „Auftrag Speer“, das sind mehr als 1.700 großformatige Glasnegative, die in den Jahren um 1940 als Großauftrag Speers an die Staatliche Bildstelle Berlin entstanden sind und sich heute im Messbildarchiv des BLDAM befinden. Sie dokumentieren Gebäude, Modelle, zugehörige Pläne und Zeichnungen, die die megalomanen Planungen des Generalbauinspektors Albert Speer und anderer führender Architekten in der Zeit des Nationalsozialismus belegen. Jahrzehntelang waren diese Aufnahmen für die Einsichtnahme gesperrt.

Wettbewerb Hochschulstadt, Siegerentwurf Hanns Dustmann, Querschnitt des Aulagebäudes.
© BLDAM, MBA 47 i 2 / Sep. 275.11.10

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Förderlinie eHeritage in den Jahren 2018-2020 geförderte Projekt ‚NS-Architekturmodelle digital‘ gab dem Messbildarchiv die Möglichkeit, Aufnahmen von Bauprojekten des NS-Regimes zu digitalisieren und online zugänglich zu machen.

Mit der von Katharina Steudtner konzipierten Publikation – einem ausführlichen thematischen Katalog und einer Essaysammlung – eröffnen sich überraschende Forschungsperspektiven für bereits bekannte wie auch bislang unbekannte Teilbestände. Die hochauflösenden Scans der Glasplatten zeigen unerwartete Details diesseits und jenseits vorbestimmter Bildausschnitte und belegen die Aufnahme- und Retuschetechniken der Bildstelle. Um bisherige Forschungen einzubeziehen, zu systematisieren und zu verknüpfen, hat Steudtner mit Wissenschaftler*innen unterschiedlicher Disziplinen zusammengearbeitet, etwa aus den Archiv-, Geschichts- und Bildwissenschaften, insbesondere der Architekturgeschichte, aber auch aus der Architektursoziologie und Provenienzforschung.

Friedrich Gillys »Ehrentempel« für Friedrich den Großen am Leipziger Platz in Berlin, Entwurf von 1796 als Beispiel der NS-zeitlichen Rezeption der Baugeschichte.
© BLDAM, MBA 48 q 17 / Sep. 486.12a

Der Band ist in der Reihe der Arbeitshefte des BLDAM erschienen und enthält Texte von Katja Bernhardt, Harald Bodenschatz, Bart FM Droog, Christian Fuhrmeister, Hans Georg Hiller von Gaertringen, Katrin Hiller von Gaertringen, Stephan Klingen, Ulrike Kohl, Detlef Mallwitz, Timo Nüßlein, Constanze Röhl, Alexander Schmidt, Peter I. Schneider, Carsten Seifert, Katharina Steudtner, Kaja Teschner, Jaap van den Born und P. Paul Zalewski.

Der »Auftrag Speer« der Staatlichen Bildstelle Berlin.
Zur wissenschaftlichen Erschließung eines fotografischen Bestandes im Messbildarchiv des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums.

Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum, hrsg. von Thomas Drachenberg, Arbeitsheft Nr. 60

400 Seiten, 370 Abb., 210 x 297 mm, teils farbige Abbildungen
Lukas Verlag, August 2022
ISBN 978-3-86732-378-9
40,- Euro

Digitaler Katalog zum „Auftrag Speer“

Messbildarchiv des BLDAM

Arbeitshefte des BLDAM

035 Chorin, Schinkel und die Denkmalpflege

Kloster Chorin. Östlich der Apsis sind Ausgrabungsarbeiten im Zuge des Wegebaus zu sehen (2018). Foto: K. Schmahlfeldt, BLDAM

Das Kloster Chorin ist eines der wichtigsten Denkmale im Land Brandenburg. In den Jahren 2022 und 2023 feiert es die 750. Wiederkehr seiner Gründung. Dass es heute noch erhalten ist, geht auch auf die Initiative des preußischen Architekten und Staatsbeamten Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) zurück. Er hatte das Kloster „wiederentdeckt“ und die ersten Anstöße für seine Erhaltung und Restaurierung gegeben. Als Schweinezuchtbetrieb erlebte er die Anlage bei seinem ersten Besuch. Um die Erhaltung von Denkmalen und besonders auch des Klosters Chorin bemüht, verfasste er zahlreiche Gutachten und Texte. Bereits 1815 formulierte er ein Memorandum, das grundlegende Gedanken zur Einrichtung einer staatlichen Denkmalpflege enthielt. Unter anderem forderte er die Einführung einer Denkmalliste:

„Um nun zuförderst erst zur Kenntniß des vorhandenen zu kommen, würde, nachdem die Organistaion der nöthigen Schutzdeputationen vollendet ist, deren erstes Geschäft sein: Verzeichnisse alles dessen anzufertigen, was sich in ihrem Bezirk vorfindet, und diese Verzeichnisse mit einem Gutachten über den Zustand der Gegenstände und über die Art, wie man sie erhalten könne, zu begleiten.“

Hinsichtlich des Klosters Chorin sandte Schinkel am 8. Januar 1817 an die Generalverwaltung des preußischen Finanzministeriums eine Stellungnahme zum Zustand der Klostergebäude mit der konkreten Forderung der Erhaltung. In der Podcast-Folge kommt er selbst zu Wort.

Titelseite des Mosaik-Bandes zu
Schinkel und Chorin. © Mosaik-Verlag Berlin

Nahegebracht wird uns die Geschichte des Klosters und auch die von Karl Friedrich Schinkel im Kult-Comic Mosaik. Die vielen Menschen bekannten Abrafaxe besuchen den Architekten und unterstützen seine Arbeit, auch in Bezug auf Chorin – eine lohnende Lektüre, nicht nur für Comic-Fans. Leider ist das Heft bereits vergriffen, es kann aber über die Internetseite des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz als pdf heruntergeladen werden.

Karl Friedrich Schinkel und die Schweine
in Chorin im Comic-Heft. © Mosaik-Verlag Berlin

In den Jubiläumsjahren 2022 und 2023 finden zahlreiche Veranstaltungen im Kloster Chorin statt, über die Sie sich auf der Internetseite www.kloster-chorin.org informieren können.

Sprecher:
Christof Krauskopf
Thomas Drachenberg

034 Ritter – Minne – Tafelfreuden

Blick in den Klostergarten während der Archäotechnica 2022. Foto: Susann Stein

Am 20. und 21. August 2022 fand im Archäologischen Landesmuseum in Brandenburg an der Havel die Archäotechnica statt. Unter dem Motto „Ritter – Minne – Tafelfreuden“ präsentierten Darsteller*innen, Fachleute und Living History-Gruppen viele Aspekte des Lebens der mittelalterlichen Eliten. Warum aber bringen wir zwei Podcast-Folgen zur Archäotechnica hintereinander? Die letzte Folge sollte Menschen ins Museum locken, mit dieser Folge bieten wir die Gelegenheit, zumindest mit den Ohren in die Veranstaltung einzutauchen. Zu Wort kommen Darsteller*innen und Expert*innen über ihre Forschungen und Arbeiten, aber auch Besucher*innen.

Arne Koets beim Kampf zu Pferd. Foto: Susann Stein

Im Klosterhof erzählt Arne Koets über seine Vorführung des ritterlichen Kampfs zu Pferd und über Ausbildung und Zucht mittelalterlicher Kriegspferde in der Mitte des 15. Jahrhunderts. Dann gesellen wir uns zu Brüdern des Deutschen Ritterordens der Zeit um 1410, die sich auf den Weg nach Tannenberg (Grunwald, Polen) machen. Sie berichten über die Schlacht bei Grunwald und das Leben der Ordensbrüder.

Die in der letzten Folge gestellte Frage nach dem Sarwürken konnte am Stand des Archäotechnischen Zentrums Welzow beantwortet werden. Der Sarwürker arbeitete an einem Kettenhemd.

Im Kreuzgang des Pauliklosters zeigte Dr. Katrin Kania (pallia – Mittelalter hautnah) zahlreiche Aspekte mittelalterlicher Kleidung und deren Rekonstruktion. Die Interessengemeinschaft WOLF, eine internationale Living History-Gruppe mit Sitz in Frankfurt am Main, hat sich dem Leben des ausgehenden 12. Jahrhunderts verschrieben. Indra Starke-Ottich spricht über die Tätigkeit der Gruppe und die Herstellung der sehr akribisch auf der Basis von Originalstücken und bildlichen Darstellungen hergestellten Repliken, mit denen Leben und Arbeiten der mittelalterlichen Menschen präsentiert werden.

Ein hoher Herr der IG Wolf erweist die
Gunst einer Audienz. Foto: C. Krauskopf, BLDAM

Im westlichen Kreuzgangflügel kamen drei Forschungsthemen zur Sprache. Dr. Bettina Jungklaus stellte anhand einer Kollektion von menschlichen Schädeln die Grundlagen anthropologischer Forschung dar. Dr. Christof Krauskopf vom BLDAM führte in grundlegende Aspekte der Erforschung des mittelalterlichen Adels und des Burgenbaus ein. Dr. Ludwig Biewer vom Herold e.V. erkkärte die Grundlagen der mittelalterlichen Heraldik. In der Podcast-Folge spricht er über Geschichte und Arbeitsfelder des Vereins, der sich seit 1869 mit den Themen Heraldik, Siegelkunde, Wappenkunde und anderen Feldern der historischen Hilfswissenschaften beschäftigt.

In der Podcast-Folge kommen aber nicht nur die Darsteller*innen und Expert*innen zu Wort, auch Besucherinnen, vor allem die Jüngeren, und Nachbarn des Museums beschreiben ihre Einrücke von der Veranstaltung.

Martin Uhlig und Robert Schuchhardt von
Nimmersêlich erläutern mittelalterliche Musik.
Foto: C. Krauskopf, BLDAM

Im Friedgarten führte das Musikensemble „Nimmersêlich“ aus Leipzig zwei Programme zur mittelalterlichen Musik auf. Robert Schuchardt und Martin Uhlig erklärten in zwei Gesprächskonzerten, was Minnesang eigentlich ist und wie der „verlorene Klang“ des Mittelalters rekonstruiert werden kann. Mit Fidel, Drehleier, Laute, Quinterne, Glockenspiel, Trommel und Gesang brachten sie zahlreiche Musikbeispiele des Mittelalters zu Gehör. In der Podcast-Folge sprechen sie über die Aktivitäten des Ensembles.

Geboten war natürlich noch mehr, im Podcast können nicht alle Gruppen zu Wort kommen. Die Folge mag aber einen Eindruck von der sehr gut besuchten Veranstaltung geben, bei der das Café Pauline im Landesmuseum für das leibliche Wohl der Besucher*innen sorgte – nicht nur, aber nicht zuletzt mit den hervorragenden Kuchen und Torten, für die das „Pauline“ in der Stadt bekannt und beliebt ist. Vielleicht macht die Podcast-Folge ja Lust auf einen Besuch im Museum oder bei einer der Veranstaltungen! Sie können das Programm auf der Website des Museums (www.landesmuseum-brandenburg.de) abrufen – und vergessen Sie bei einem Besuch das Café nicht.

Darsteller*innen, Gruppen und Expert*innen bei der Archäotechnica 2022:

Arne Koets http://arnekoets.nl/

IG Wolf e.V. http://www.igwolf.de/

3. Rabenbanner e.V. http://rabenbanner.siteboard.eu/

Kurfürstlich Sächsische Kriegsknechte 1475 https://www.facebook.com/KSK1475/

Dr. Katrin Kania pallia – Mittelalter hautnah https://www.pallia.net/

Dr. Ludwig Biewer, Herold e.V. https://herold-verein.de/

Geschichtsfenster Andrej Pfeiffer-Perkuhn http://www.geschichtsfenster.de/startseite/ueber-uns/

Nimmerselich – Musik des Mittelalters und der frühen Renaissance www.nimmerselich.de

Dr. Bettina Jungklaus https://anthropologie-jungklaus.de/

Lisa Kyre https://www.kleine-akademie.de/

ATZ Welzow https://www.atz-welzow.de/

033 Ist Sarwürken gefährlich? Die Archäotechnica 2022

Bei der Archäotechnica 2019. Foto: C. Krauskopf, BLDAM

Ist Sarwürken gefährlich? Was ist das eigentlich? Diese und viele andere Fragen werden bei der Archäotechnica im Archäologischen Landesmuseum in Brandenburg an der Havel beantwortet.

Nach längerer, pandemiebedingter Pause, während der nur kleinere, auf Abstand und mit weniger Besucher*innen ausgelegte Formate möglich waren, kann die Archäotechnica in diesem Jahr wieder in gewohnter Form stattfinden. Das Landesmuseum lädt endlich wieder dazu ein, vergangene Lebenswelten und Handwerkstechniken kennenzulernen. Die diesjährige Veranstaltung steht unter dem Motto „Ritter, Minne Tafelfreuden“. Von Minnesang über Tischkultur bis hin zu wechselnden Kleidermoden bietet sich den Besucher*innen ein breites Spektrum höfischer und bürgerlicher Lebenskultur.

Auch die mittelalterliche Heraldik und der Burgenbau im heutigen Land Brandenburg werden fachkundig in den Fokus genommen. Zudem vermitteln Akteur*innen aus den Bereichen Reenactment und Living History Wissenswertes zu Ritterorden und deren religiöse, politische und karitative Aufgaben. Im Klostergarten bieten Vorführungen zur zeitgenössischen Kampfkunst – ob zu Fuß oder hoch zu Ross – sowie zur Ausrüstung von Rittern und spätmittelalterlichen Kriegsknechten ein anschauliches Bild zur kämpferischen Seite des Mittelalters. Nicht fehlen dürfen natürlich verschiedenste Handwerkstechniken, wie das Nähen und Besticken hochwertiger Textilien, das Plattnern oder auch das Sarwürken. Ein abwechslungsreiches Tagesprogramm und die traditionelle Archäotechnica-Modenschau runden das Besuchserlebnis ab. Es konnten für die Vorführungen wieder zahlreiche Gruppen aus der Living History- und Reenactment-Szene gewonnen werden. Zu den Gruppen können Sie sich über die untenstehenden Links informieren.

Das Archäologische Landesmuseum begrüßt seine Gäste bei der Archäotechnica am 20. und 21. August jeweils ab 10 Uhr. Im Café Pauline können Sie sich bei Kaffee und Kuchen, aber auch kühlen Getränken und einem Mittagsimbiss stärken.

Der Eintritt ins Café ist frei, der Besuch von Archäotechnica und Museum kostet 5,- Euro, ermäßigt 3,50 Euro, Familien zahlen nur 10,- Euro und Kinder unter 10 Jahren haben freien Eintritt.

Über die Veranstaltung unterhalten sich im Podcast Dr. Christof Krauskopf und der Direktor des Brandenburgischen Archäologischen Landesmuseums, Prof. Dr. Franz Schopper.

Eingeladene Darsteller*innen

Arne Koets http://arnekoets.nl/

IG Wolf e.V. http://www.igwolf.de/

3. Rabenbanner e.V. http://rabenbanner.siteboard.eu/

Kurfürstlich Sächsische Kriegsknechte 1475 https://www.facebook.com/KSK1475/

pallia – Mittelalter hautnah  Dr. Katrin Kania https://www.pallia.net/

Herold e.V. https://herold-verein.de/

Geschichtsfenster Andrej Pfeiffer-Perkuhn http://www.geschichtsfenster.de/startseite/ueber-uns/

Dr. Lothar Jahn – Minnesang http://www.lothar-jahn.de/

Dr. Bettina Jungklaus https://anthropologie-jungklaus.de/

ATZ Welzow https://www.atz-welzow.de/

Lisa Kyre https://www.kleine-akademie.de/

032 Bücher! Die Archäologie-Redaktion des BLDAM

Wer liest schon noch Bücher? Wir! Und wir bringen sie heraus. Das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologische Landesmuseum hat einen eigenen Verlag, der aus der Redaktion des Museums für Ur- und Frühgeschichte Potsdam hervorgegangen ist. Schon zu DDR-Zeiten gab es im Museum eine recht gut ausgestattete Redaktion, die seit 1962 die Reihe „Veröffentlichungen des Museums für Ur- und Frühgeschichte Potsdam“ herausbrachte. Die Reihe, deren fünfzigster Band voraussichtlich im kommenden Jahr erscheint, heißt heute „Veröffentlichungen zur brandenburgischen Landesarchäologie“. Neben dieser Fachzeitschrift gibt es mit den „Forschungen zur Archäologie im Land Brandenburg“ eine weitere „Flaggschiffreihe“ des BLDAM, in dieser ist gerade der 23. Band in den abschließenden Druckvorbereitungen. Weitere Reihen sind die „Arbeitsberichte zur Bodendenkmalpflege in Brandenburg“ und die „Materialien zur Archäologie in Brandenburg“. Letztere erscheint beim Verlag Marie Leidorf in Rahden in Westfalen, sie wird von der Archäologischen Gesellschaft in Berlin und Brandenburg herausgegeben.

Der erste Band der „Veröffentlchungen des Museums für Ur- und Frühgeschichte Potsdam“ von 1962 und Band 48 im „neuen Gewand“

In Kooperation mit dem Landesdenkmalamt Berlin kommt jedes Jahr ein Band „Archäologie in Berlin und Brandenburg“ beim Theiss-Verlag, der zur Wissenschaftlichen Buchgesellschaft Darmstadt gehört, auf den Markt. In den Bänden werden die wichtigsten Ausgrabungen und Forschungsprojekte des jeweils vorangegangen Jahrs in kurzen Beiträgen präsentiert.

Der jüngste Band von „Archäologie in Berlin und Brandenburg“ (erschienen 2022) und der Ausstellungsbegleitband zu Projekt und Ausstellung „Nachbau des slawenzeitlichen Einbaums von Ziesar“ (Projekt 2016, Ausstellung und Publikation 2017)

Zusätzlich erscheinen immer wieder Einzelpublikationen und Ausstellungsbegleitbände zu Sonderausstellungen im Archäologischen Landesmuseum, die z.T. dort bearbeitet werden.

Damit diese Publikationen zum Druck gebracht werden können, arbeitet die Redaktion unermüdlich – das heißt, Petra Woidt arbeitet unermüdlich. Bis auf zeitweise Teilzeitbeschäftigte sitzt sie nämlich mittlerweile alleine in der Redaktion, ein Effekt der Stellenkürzungen im öffentlichen Dienst des Landes seit der Zeit um 2000. Zur Bewältigung der vielfältigen Aufgaben werden immer wieder freie Lektor*innen, Grafiker*innen und Layouter*innen beauftragt. Und so erscheint ein Buch nach dem anderen. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie sind immerhin zwölf Bände erschienen, die meisten davon im eigenen Verlag, einige wenige in Kooperation mit der Deutschen Burgenvereinigung, dem Theiss-Verlag und dem Verlag Marie Leidorf.

Über die vielfältigen Tätigkeiten, die bis zur Drucklegung eines Buches erforderlich sind, sowie weitere Aufgaben, etwa als Korrespondentin für die Zeitschrift „Archäologie in Deutschland“, unterhält sich in dieser Folge der DENKMALZEIT die Redakteurin Petra Woidt mit Christof Krauskopf.

Die Publikationen der Archäologischen Abteilung des BLDAM sind in unserem Shop gelistet.

031 Denkmale auf Kohle: Erfassung der Bergbaulandschaft in der Lausitz

Die Förderbrücke F 60 in Lichterfeld. Foto: M. Baxmann, BLDAM

Infolge des Strukturstärkungsgesetzes für Kohleregionen, das im August 2020 verabschiedet wurde, sollen diese gefördert und in ihrem Strukturwandel begleitet werden. Vor diesem Hintergrund erfasst das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologische Landesmuseum von Juli 2021 bis Juni 2023 die bergbaubedingte Kulturlandschaft mit ihren prägenden materiellen Zeugnissen in der Lausitz. Das Projekt, das auch die Braunkohleregionen in Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Sachsen-Anhalt umfasst, wird durch Bundesmittel finanziert.

Das Untersuchungsgebiet umfasst in Brandenburg die Landkreise Dahme-Spreewald, Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz und Spree-Neiße und die kreisfreie Stadt Cottbus. Innerhalb dieser Landkreise hat das Projektteam elf Abbaugebiete ausgemacht, die nacheinander untersucht werden. Darunter befinden sich die beiden aktiven Abbaugebiete Jänschwalde und Welzow, genauso wie zum Beispiel der Muskauer Faltenbogen, der vom Altbaubergbau geprägt ist. Im Abbaugebiet Tröbitz-Domsdorf befindet sich u.a. die Brikettfabrik Louise.

Sieben Untersuchungskategorien liegen der Erfassung zugrunde. Der Kategorie 1 werden die Zeugnisse zugeordnet, die einen direkten Bezug zum Bergbau haben. Darunter fallen beispielsweise die Gruben, Schächte, Tagesanlagen und technische Anlagen, aber auch Instrumente zur Wasserhaltung. Kategorie 2 beschreibt die Verstromung und die Fernwärme. Dabei werden die Kraftwerke als Objektbereiche aber auch die einzelnen technischen Anlagen wie Kesselhäuser, die Verwaltungs- und Sozialbauten und die Transportmöglichkeiten erfasst. In Kategorie 3 beschäftigen wir uns mit den Veredelungsanlagen, in erster Linie mit den Brikettfabriken. Die Kategorie 4 umfasst die technische Infrastruktur. Dazu gehören Gleisanlagen, genauso wie Bahnhöfe, Straßen, Umspannwerke oder Brücken. Eine sehr breite Fächerung findet sich bei den Sozialstrukturen in Kategorie 5. Hierzu werden beispielsweise Siedlungen, Kirchen, Erinnerungsmale oder Gesundheitseinrichtungen gezählt. Zur Kategorie 6 zählen Begleitindustrien, die durch den Einsatz von Braunkohle entstanden sind, oder wesentlich beeinflusst wurden. In Kategorie 7 sind die Geländestrukturen und rekultivierten Bereiche in der Landschaft eingeordnet. Das können Tagebauseen, neu aufgeforstete Gebiete aber auch Lehrpfade, Nachfolgeindustrien wie Windparks oder umgesiedelte Orte sein.

Im Jahr 2019 gab das BLDAM ein Kinderbuch zur Brikettfabrik Louise heraus.
Es bietet neben einer spannenden, illustrierten Geschichte Erklärungen zum Braunkohleabbau und zur Briekttfabrik.

Im Sommer 2023 soll das Projekt mit einer Karte und verknüpften Datenbank, in der alle Objekte verzeichnet und beschrieben sind, beendet werden. Dazu gehören Grundinformationen wie die Lage, Datierung und äußere Erscheinung, genauso wie eine Beschreibung des Bergbaubezugs, der Bau- und Nutzungsgeschichte und des heutigen Zustandes. Diese Datenbank wird von unserem IT-Mitarbeiter auf der Basis eines Gis-Systems selbst erarbeitet.

In der Recherchearbeit ist das Erfassungsteam auf die Unterstützung von Vereinen, Museen und Ortschronisten angewiesen, ohne die die Beschaffung von Informationen wesentlich schwerer bis unmöglich wäre. Für Informationen zur braunkohlegeprägten Kulturlandschaft in der Lausitz sind wir sehr dankbar! Es gibt sicher viele Menschen, die durch Ihre Erfahrungen beim Braunkohleabbau viel zu erzählen haben. Wenn Sie zur Erfassung der Kulturlandschaft in der Lausitz beitragen wollen, schreiben Sie uns bitte an:

lausitzprojekt@bldam-brandenburg.de

In dieser Folge des Podcasts DENKMALZEIT spricht Julia Gerber mit den Projektleiterinnen Louise Warnow und Tanja Trittel.

030 Keltisches Gold bei den Europäischen Archäologietagen

Der Fund keltischer Goldmünzen im Land Brandenburg ist eine der wichtigsten und spannendsten Entdeckungen der letzten Jahre.

Eine Auswahl der keltischen Münzen aus Baitz. Foto: M. Pilekić

Der Fund keltischer Goldmünzen im Land Brandenburg ist eine der wichtigsten und spannendsten Entdeckungen der letzten Jahre. Im Dezember des letzten Jahres konnten die Münzen der Öffentlichkeit präsentiert werden – nachdem der Fundplatz über mehrere Jahre immer wieder begangen worden war. So stellte die Landesarchäologie sicher, dass am Fundplatz keine Exemplare mehr zu finden sind, die dann in unberufene Hände gelangen könnten.

Der Finder, Wolfgang Herkt, war in jeglichem Sinne „berechtigt“, einen solchen Fund zu machen. Er ist ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger der Landesarchäologie und erfahrener Detektorgänger. Nach der Vorstellung, die ein reges Presse- und Medienecho hervorgerufen hatte, verschwanden die Münzen zunächst wieder im Tresor. In Zeiten der Pandemie sollte keine Sonderausstellung stattfinden.

Die brandenburgische Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Dr. Manja Schüle, und der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger Wolfgang Herkt enthüllen am 8.6.2022 die Vitrine mit den Goldmünzen. Foto: M. Schneider, BLDAM

Nach der Beruhigung der Pandemielage wird nun die Ausstellung der Münzen nachgeholt. Rechtzeitig vor den Europäischen Archäologietagen zeigt das Archäologische Landesmuseum Brandenburg (ALB) die Münzen im vom Zeithorizont passenden Ausstellungsraum, der sich mit der Besiedlungsgeschichte der „Germanen“ beschäftigt. Die Münzen sind dort im Kontext anderer keltischer Importstücke der Dauerausstellung bis zum 3.7.2022 zu bestaunen – danach werden sie zu Forschungszwecken zunächst nicht mehr zu sehen. Erst im Jahr 2025 ist eine größere Ausstellung zu keltischen Funden in Brandenburg geplant, bei der auch die Goldmünzen wieder gezeigt werden.

Im Podcast beschreibt der Landesarchäologe Prof. Dr. Franz Schopper die Besonderheit des Fundes. Die brandenburgische Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Dr. Manja Schüle, stellt die Bedeutung der Münzen für das Land Brandenburg und die Landesarchäologie dar und der Finder Wolfgang Herkt spricht über seine Gedanken zu seinem spektakulären Fund.

Wolfgang Herkt betrachtet „seinen“ Fund. Foto: M. Schneider, BLDAM

Die Europäischen Archäologietage vom 17. bis zum 19. Juni würdigen in Brandenburg den besonderen Fund mit Führungen und Veranstaltungen. Fatima Wolgast vom ALB kündigt im Podcast die Veranstaltungen an. Weitere Informationen finden Sie auf den Websites des Landesmuseums und der Europäischen Archäologietage.

www.landesmuseum-brandenburg.de

https://journees-archeologie.fr/c-2022/lg-de/Deutschland/Die-Archaologietage-in-Europa

029 In der Zeit verschüttet – Burgen in Brandenburg

Blick auf die Ruinen der Burg Putlitz (Prignitz, Brandenburg). Foto: C. Krauskopf, BLDAM

„Die Burg ist ein altes, und vermuhtlich aus Albrechts des Bären zeiten herrührendes werk, und derselben noch ein ansehnlicher runder und ziemlich dikker  doch oben etwas wandelbarer thurm zusehen. Das andere Gebäude hat noch ein gutes mauerwerk; die zimmer darin aber sein meistentheils öde, jedoch werden in derer einem die Gerichte gehalten.“

So beschreibt der Historiker Johann Christoph Bekmann die Burgruine Putlitz im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts. Den allermeisten mittelalterlichen Burgen Brandenburgs erging es ähnlich wie der „Gänseburg“ in Putlitz: Sie verfielen spätestens seit der frühen Neuzeit zu Ruinen oder gingen komplett verloren. Viele wurden überflüssig, weil Städte ihnen als Verwaltungs- und Zentralorte den Rang abliefen. Andere verschwanden in neueren herrschaftlichen Gebäuden – man ging mit der Zeit, brach den alten Sitz ab oder baute ihn bis zur Unkenntlichkeit des ursprünglichen mittelalterlichen Baus um. Es gibt aber auch einige erhaltene Beispiele, die von der Kultur und der Herrschaft des Adels zeugen.

Der Turmhügel von Vehlefanz (Oberhavel, Brandenburg). Foto: C. Krauskopf, BLDAM

Im Podcast spricht Dr. Christof Krauskopf über erhaltene, ruinöse und verschwundene Burgen und darüber, wo die ursprünglich rund 1000 mittelalterlichen Burganlagen, die im Gebiet des heutigen Bundeslandes Brandenburg vermutet werden, geblieben sind. Warum kann man sie nicht mehr sehen, sondern nur noch vermuten, durch bauforscherische Untersuchungen oder archäologische Ausgrabungen nachweisen?

Festung Eisenhardt in Bad Belzig. Foto: J. Wacker, BLDAM

Sprecher*innen:
Text: Christof Krauskopf
Zitate: Julia Lennemann
Heinrich Beckelhering: Thomas Drachenberg
Hintergrundgeräusche: bbc.co.uk – © copyright 2022 BBC

028 Haken- oder Wendepflug?

Slawenzeitlicher Hakenpflug aus Wiesenau (Brandenburg) in Fundlage. Foto: BLDAM

Ein mittelalterliches landwirtschaftliches Gerät erzählt Geschichte – der Pflug. Der Hakenpflug war seit der Jungsteinzeit das wichtigste Arbeitsgerät für den Getreideanbau. Noch die Slawen nutzten ihn, um Getreide, vor allem Roggen, anzubauen. Zu sehen sind ein originaler Hakenpflug aus Wiesenbau sowie weitere landwirtschaftliche Geräte der Slawenzeit im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg.

Die slawenzeitliche Agrartechnik begrenzte die Siedlungsareale. Die Hochebenen mit ihren schweren Böden, wie etwa der hohe Barnim nordöstlich von Berlin, konnten nicht für den Getreideanbau genutzt werden. Die slawische Wirtschaftsweise war auf die Subsistenz gerichtet, d.h., dass man alles produzierte, was für das eigene Überleben erforderlich war.

Mit der Einwanderung von Siedlern aus den Gebieten westlich und nördlich der Elbe änderte sich das. Mit dem Wendepflug, den die Einwanderer mitbrachten, waren auch schwere Böden zu bearbeiten. In der Folge änderte sich das Siedlungsbild, die Dörfer des Mittelalters verteilten sich regelmäßig über das gesamte Land. Dies ging mit einer Änderung der Wirtschaftsweise einher. Die Menschen begannen, Getreideüberschüsse zu produzieren. Als Absatzmärkte dienten neu entstandene Marktorte und Städte.

Über den Übergang von der Slawenzeit zum Mittelalter und die Bedeutung von Pflügen unterhalten sich im Podcast Dr. Christof Krauskopf und Dr. Thomas Kersting.

Zwei Bauern arbeiten mit einem Wendepflug.Heidelberger Handschrift des Sachsenspiegels, Anfang 14. Jh. Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 164, fol. 25v