In dieser Folge der DENKMALZEIT nehmen wir Sie mit nach Wünsdorf – in die amtseigene Messbild- und Bildarchiv der Abteilung Bau- und Kunstdenkmalpflege. Die analoge Bildsammlung besteht aus mehr als 260.000 Aufnahmen, ein Teil der Aufnahmen ist erschlossen und nun seit kurzem auf einer Fotodatenbank online zugänglich. Darüber spricht die Pressesprecherin am BLDAM, Anne-Marie Graatz, mit Astrid Mikoleietz, der Referatsleiterin für Dokumentation, Messbild- und Bildarchiv der Bau- und Kunstdenkmalpflege am BLDAM.
Historische Aufnahmen aus der Preussischen Messbildanstalt. Unten Mitte: Albrecht Meydenbauer. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM
Die Geschichte des Messbildsammlung reicht bis 1885 zurück, als Albrecht Meydenbauer die Königlich Preußische Meßbildanstalt gründete. Meydenbauer entwickelte spezielle Messkameras mit Winkelmaß-Funktion, um mittels photogrammetrischer Berechnungen präzise architektonische Zeichnungen zu erstellen. Die Anstalt existierte bis 1921, wurde dann in die Staatliche Bildstelle Berlin umgewandelt und produzierte bis 1945 überwiegend normale Fotografien auf Glasnegativen.
Blick in die Messbildsammlung. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Negative nach Moskau verbracht und 1958 größtenteils nach Ost-Berlin zurückgegeben. Im Jahr 1968 gelangten die Bestände an das Institut für Denkmalpflege der DDR und schließlich 1998 mit dem Umzug des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege nach Wünsdorf.
Die Glasnegative werden in Spezialschränken aufbewahrt. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM
Die Bildsammlung dient Wissenschaftler*innen, Kunsthistoriker*innen, Architekt*innen, Restaurator*innen und Studierenden aus ganz Europa und weltweit (u.a. USA, Indien, Singapur). Die Aufnahmen wurden für Rekonstruktionen bedeutender Bauwerke verwendet, darunter das Berliner Schloss, das Potsdamer Stadtschloss und das Knochenhaueramtshaus in Hildesheim. Zudem sind die Bilder wichtige Quellen für die Provenienzforschung. Die vollständige Erschließung der Sammlung ist noch nicht abgeschlossen. Die Bildsammlung stellt eine einzigartige Sammlung mit deutschlandweiter und teils auch weltweiter Bedeutung dar. Es dokumentiert Gebäude und Zustände, die teilweise nicht mehr existieren, und bleibt eine unverzichtbare Quelle für Denkmalpflege, Kunstgeschichte und archäologische Forschung.
Was Dating-Apps versprechen, hat die Archäologie hier wirklich geliefert: „It’s a match“ – „Es passt zusammen“. Berlin und Brandenburg erleben eine archäologische Liebesgeschichte mit Happy End. Ein Radkreuz aus dem 10. oder 11. Jahrhundert und seine Gussform haben sich wiedergefunden.
Die Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Dr. Manja Schüle, präsentierte bei einer Pressekonferenz in der Staatskanzlei des Landes Brandenburg gemeinsam mit Prof. Dr. Franz Schopper, Landesarchäologe und Direktor des Brandenburgischen Landesamts für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums (BLDAM), Prof. Dr. Matthias Wemhoff, Berliner Landesarchäologe und Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte in Berlin, Lukas Goldmann, wissenschaftlicher Referent für das slawische Mittelalter und Ehrenamt beim BLDAM, sowie der Finderin und ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegerin Juliane Rangnow einen außergewöhnlichen Bronzefund aus dem Havelland.
Das Radkreuz aus dem 10. oder 11. Jahrhundert wurde von der ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegerin Juliane Rangnow im Rahmen genehmigter Detektorbegehungen auf einem Fundplatz im westlichen Havelland entdeckt. Das Besondere an dem Fund: Das Bronze-Kreuz war in einer Form gegossen worden, die bereits vor mehr als 40 Jahren in Spandau zutage gekommen und die als „Spandauer Kreuz“ bekannt ist. Die 1983 bei Ausgrabungen auf dem slawischen Burgwall in Berlin-Spandau gefundene Gussform eines kleinen Radkreuzes gilt als einer der ältesten Nachweise der frühen Christianisierung zwischen Elbe und Oder. Sie wurde neben den Überresten eines Gebäudes gefunden, das der Ausgräber, Adrian von Müller, als frühe Kirche gedeutet hatte. Nach der Restaurierung und genauen Vermessung des im Havelland entdeckten Kreuzes am BLDAM sowie nach dem Abgleich mit der im Museum für Vor- und Frühgeschichte in Berlin ausgestellten Gussform konnte nachgewiesen werden, dass Kreuz und Gussform zusammengehören. Ein Gus aus der Form wurde bislang weder in Spandau noch anderswo gefunden – der jetzige Fund eines dazu passenden Gussstücks ist somit einzigartig.
Gussform und Kreuz sind Zeugen der frühen Christianisierung. Im frühen 10. Jahrhundert geriet die in dieser Zeit von nichtchristlichen slawischen Stämmen bewohnte Region des heutigen Berlins und Brandenburgs durch Eroberungsfeldzüge in den Einflussbereich des ostfränkischen Reiches, des Vorläufers des späteren Römisch-Deutschen Reiches. Die neuen Eliten brachten neben einer politischen Neuorganisation auch einen neuen Glauben mit.
Das Podium während der Pressekonferenz in der brandenburgischen Staatskanzlei. Von links nach rechts: Lukas Goldmann (BLDAM), Juliane Rangnow (ehrenamtliche Bodendenkmalpflegerin und Finderin), Prof. Dr. Franz Schopper (Landesarchäologe von Brandenburg), Dr. Manja Schüle (Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur), Prof. Dr. Matthias Wemhoff (Landesarchäologe von Berlin) und Stfean Breiding (Pressepsrecher des MWFK). Foto: A.-M. Graatz, BLDAM
Zeugnisse dieser ersten Christianisierung sind jedoch vorwiegend in historischen Schriftquellen überliefert, da die slawischen Stämme die neue Religion mehrheitlich ablehnten. Im Jahre 983 erhoben sie sich im sogenannten Lutizenaufstand gegen die ostfränkische Oberhoheit und erkämpften sich für etwa 150 Jahre ihre politische und religiöse Unabhängigkeit. Eine nachhaltige Christianisierung erfolgte erst im 12. und im 13. Jahrhundert, nachdem die Region endgültig als Mark Brandenburg Teil des Römisch-Deutschen Reiches geworden war.
Die Finderin mit den Landesarchäologen von Berlin und Brandenburg – und dem Kreuz. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM
Die Finderin des Bronze-Kreuzes gehört zu den rund 350 ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegerinnen und -pflegern des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums (BLDAM). Sie leisten einen wichtigen Beitrag für die Erfassung, Erhaltung und Vermittlung des archäologischen Erbes. Alle offiziell benannten ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegerinnen und -pfleger sind Absolvent*innenen eines Lehrgangs, den das BLDAM in enger Zusammenarbeit mit der Archäologischen Gesellschaft Berlin und Brandenburg e.V. organisiert. Seit 2022 gibt es einen Mitarbeiter beim BLDAM, der sie unterstützt und berät.
Interviews und Gespräche mit: Kulturministerin Dr. Manja Schüle, Prof. Dr. Franz Schopper, Landesarchäologe und Direktor des Brandenburgischen Landesamts für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums (BLDAM), Prof. Dr. Matthias Wemhoff, Berliner Landesarchäologe und Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte in Berlin, Lukas Goldmann, wissenschaftlicher Referent für das slawische Mittelalter und Ehrenamt beim BLDAM, sowie der Finderin und ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegerin Juliane Rangnow.
Tipp
Die Gussform und das Kreuz sind vom 24. Januar bis zum 11. März 2026 im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg in Brandenburg an der Havel zu sehen.
Darüber hinaus wird eine Sonderführung angeboten:
Ein passgenauer Neufund – Gussform und Abguss eines bronzenen Radkreuzes aus dem Slawischen Mittelalter mit Lukas Goldmann M.A., BLDAM
So. 22. Februar 2026, 14.00 Uhr(Dauer ca. 1 Stunde)
Kosten: Eintritt 5 € | erm. 3,50 € | Familien 10 € | Kinder unter 10 Jahren frei | Keine Führungsgebühr. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.
Eine verbindliche Anmeldung ist von Di bis So jeweils 10 bis 17 Uhr unter 03381 / 4104112 möglich.
Die ehemalige Polytechnische Oberschule 10 in der Bischofstraße ind Frankfurt (Oder). Foto: C. Krauskopf, BLDAM
Denkmale vom Fahrradsattel aus erkunden? Frankfurt (Oder) bietet dafür beste Voraussetzungen: Kaum eine andere Stadt verfügt über so viele junge Denkmale – Bauten aus DDR-Zeiten, die das Stadtbild bis heute prägen. Dazu zählen kleine Verkehrsgebäude ebenso wie Kirchen, Kultur- und Bildungsbauten, ganze Straßenzüge wie die Magistrale oder der Komplex der ehemaligen Stasi-Bezirksverwaltung.
Im September des vergangenen Jahres lud die Frankfurter Stadtverordnete Sahra Damus in Kooperation mit dem BLDAM sowie der Ortsgruppe Frankfurt (Oder) des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) zu einer geführten Radtour zu ausgewählten Beispielen dieser jungen Denkmale ein.
Baubezogene Kunst in der Großen Scharrnstraße. Foto: C. Krauskopf, BLDAM
Die Route führte unter anderem zum Gemeindehaus der katholischen Kirche, zum ehemaligen Lichtspieltheater, entlang von Magistrale und Scharrnstraße, zur ehemaligen Polytechnischen Oberschule 10 in der Bischofstraße sowie zur heutigen Fanfarengarde im Komplex der früheren Stasi-Bezirksverwaltung in der Havemannstraße. Oft von hoher architektonischer Qualität und mit spannenden Details – zugleich aber auch teils historisch belastet – erzählen diese Gebäude anschaulich von der DDR-Vergangenheit der Stadt.
Große Scharrnstraße, Platzgestaltung I, Gerhard Bondzin, 1988. Foto: C. Krauskopf, BLDAM
An jeder Station erläuterte Dr. Christine Onnen, damalige Dezernatsleiterin für Inventarisation und Dokumentation am BLDAM, Hintergründe und Besonderheiten der Bauwerke. Die Tour war zugleich eine Abschiedstour: Frau Dr. Onnen wechselte inzwischen als Landeskonservatorin und Leiterin des Landesamtes für Denkmalpflege nach Bremen. Im Gespräch berichtet sie, was sie aus ihrer Zeit in Brandenburg mitnimmt, auf welche Projekte sie besonders stolz ist und was sie in Bremen erwartet.
Interviews und Gespräche mit den Teilnehmer*innen der Radtour, Susanne Wojahn, stellvertretende Vorsitzende der Fanfarengarde Frankfurt (Oder), der Frankfurter Stadtverordneten Sahra Damus, Dr. Christine Onnen, Dezernatsleiterin für Inventarisation und Dokumentation am BLDAM (nun Landeskonservatorin und Leiterin des Landesamtes für Denkmalpflege Bremen).
Die „Jungen Archäologen Prignitz“ vor dem Putlitzer Burgturm. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM
Mit Spaten, Kratze und viel Neugier arbeiten junge Archäolog*innen auf der Burgruine Putlitz in der Prignitz. Was nach klassischer Ferienfreizeit klingt, ist ein außergewöhnliches Bildungsprojekt: Das Archäologiecamp „Junge Archäologen Prignitz“ verbindet echte Forschungsarbeit mit Jugendbeteiligung – und wurde dafür 2025 auf Bundesebene mit dem Vermittlungspreis des Deutschen Preises für Denkmalschutz vom Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz ausgezeichnet.
Das Grabungscamp. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM
Seit 2022 treffen sich jedes Jahr Jugendliche im Alter von etwa zwölf bis 18 Jahren für eine Woche, um gemeinsam mit Archäolog*innen, Studierenden und Denkmalpfleger*innen zu graben. Dabei geht es um das systematische Ausgraben, Dokumentieren und Verstehen historischer Spuren. Auf der Burg Putlitz untersuchen die Teilnehmenden unter anderem Mauern, Schichtenfolgen und Alltagsfunde wie Keramik, Metallobjekte oder Musketenkugeln. Diese erzählen von mittelalterlichem Leben, späteren Umbauten und dem Niedergang der Burg im Dreißigjährigen Krieg.
Junge Archäolog*innen bei der Arbeit. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM
Die Jugendlichen lernen nicht nur archäologische Methoden kennen, sondern auch den respektvollen Umgang mit Kulturerbe. Sie waschen Funde, sortieren Material, legen Mauern frei und diskutieren gemeinsam mit den Fachleuten über offene Fragen – etwa zur Entstehungszeit der Burg oder zur Legende einer slawischen Vorgängeranlage.
Das Projekt ist eine gemeinsame Initiative des Förderkreises Prignitzer Museen e.V., des Stadt- und Regionalmuseums der Stadt Perleberg und des Sachbereichs Denkmalschutz der Unteren Denkmalschutzbehörde im Landkreis Prignitz. Auch die Kommune vor Ort unterstützt das Camp, etwa durch Infrastruktur und Gelände.
Was das Camp besonders macht, ist die nachhaltige Wirkung: Viele Jugendliche nehmen mehrfach teil, wachsen mit dem Projekt und entwickeln ein dauerhaftes Interesse an Geschichte und Denkmalpflege. Ziel ist nicht, alle zu Archäolog*innen auszubilden, sondern ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wie wertvoll historische Orte sind – und warum es sich lohnt, sie zu schützen.
Thomas Hauptmann, Gordon Thalmann und Torsten Foelsch nehmen den Vermittlungspreis des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz in Empfang. Foto: C. Krauskopf, BLDAM
Die Jury des Deutschen Preises für Denkmalschutz würdigte genau diese Verbindung aus Vermittlung, regionalem Engagement und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Das Archäologiecamp zeigt eindrucksvoll, wie kulturelles Erbe lebendig vermittelt werden kann – mitten im ländlichen Raum und mit jungen Menschen im Zentrum
Interviews und Gespräche mit: den teilnehmenden Kindern und Jugendlichen, Studierenden der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Gordon Thalmann, Sachbereichsleiter Denkmalschutz der Unteren Denkmalschutzbehörde im Landkreis Prignitz, Torsten Foelsch, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Regional- und Stadtmuseum Perleberg, Thomas Hauptmann, Archäologe, Franziska Hammer, Referatsleiterin im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg und Dr. Ulrike Wendland, Geschäftsstellenleiterin des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz.
Musik: Luise Adolpha Le Beau (1860-1927), Aus den „Fünf Stücken für Violoncello und Klavier“, op. 24 gespielt von Cordula Heiland, Piano, und Ehrengard von Gemmingen, Violoncello.
Beim Ferienworkshop im Archäologischen Landesmuseum wurden die Finger schmutzig … Foto: A.-M. Graatz, BLDAM
Kneten, kleckern und klopfen durch die Jahrtausende: Es ist Ferienzeit im Archäologischen Landesmuseum. Wir haben in unserer Ferienfolge gemeinsam mit den Archäotechniker*innen vom Archäotechnischen Zentrum Welzow (atz) im Sommer einen Tag im Landesmuseum verbracht. Dort töpferten wir uns zusammen mit zahlreichen Ferienkindern durch verschiedene Zeitepochen und lernten dabei alte Handwerkstechnicken und die Geschichte der Töpferkunst kennen. Auch in den Herbstferien gibt es im Landesmuseum und im atz verschiedene Mitmachangebote für Kinder und Jugendliche.
Auch das Nudelholz kam zum Einsatz. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM
Interviews und Gespräche mit: Ferienkindern aus Brandenburg an der Havel, Jennifer Wenzler und Nils Schäkel vom Archäotechnischen Zentrum in Welzow (atz) sowie mit Fatima Wollgast vom Archäologischen Landesmuseum.
Empfang im Rathaus der Stadt Frankfurt (Oder). Foto: A.-M. Graatz, BLDAM
Von Unterwasserarchäologie, historischen Romanen und mittelalterlichen Kellern: Frankfurt (Oder) war vier tagelang Austragungsort eines deutschlandweiten Archäologie-Kongresses mit über 250 Teilnehmenden, darunter auch Wissenschaftler*innen aus Polen, Tschechien, Litauen, Dänemark und weiteren Ländern. Vor genau 20 Jahren hat der Mittel- und Ostdeutsche Verband für Altertumsforschung schon einmal im Rahmen des Deutschen Archäologie Kongresses in die Kleiststadt eingeladen. Zahlreiche spannende Vorträge vom Neolithikum über die Bronzezeit bis zum Mittelalter und Neuzeit luden zur Diskussion ein und sorgten für einen Wissensaustausch über die Landesgrenzen hinweg.
Eingang zum Gräfin-Dönhoff-Gebäude der Europa-Universität Viadrina. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM
Tagungsort war neben der Europa-Universität Viadrina auch das Collegium Polonicum in Słubice. Der Abendempfang der Stadt Frankfurt (Oder) im Rathaus, der öffentliche Abendvortrag vom brandenburgischen Landesarchäologen Prof. Dr. Franz Schopper sowie Stadtführungen in Frankfurt und eine Exkursion nach Polen bereicherten das Programm zusätzlich.
Vortrag im großen Hörsaal des Collegium Polonicum in Słubice. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM
Die Tagung wurde in Kooperation mit der STIFTUNG EUROPA-UNIVERSITÄT VIADRINA, der Professur für Denkmalpflege und dem Collegium Polonicum organisiert.
Exkursion zum eisenzeitlichen Burgwall in Wicina in Polen. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM
Interviews und Gespräche mit: Christian Matthes, Stadtarchäologe in Frankfurter (Oder), Dr. Sophie Hüglin, Eberhard Karls Universität Tübingen, Claus Junghanns, Bürgermeister von Frankfurt (Oder), Roger Blum, ehrenamtlicher Unterwasserarchäologe, Lukas Goldmann, Fachreferent für Ehrenamt am BLDAM und Unterwasserarchäologe, Małgorzata Daszkiewicz, Archäologin, Prof. Dr. Paul Zalewski, Leiter des Masterstudiengangs „Schutz Europäischer Kulturgüter“ an der Europa-Universität Viadrina, Agnieszka Matuszewska, Archäologin, Dr. Jasper von Richthofen, Direktor der Görlitzer Sammlungen für Geschichte und Kultur sowie Vorsitzender des MOVAs.
Vorleser: Bastian Düwell und Michael Schneider Vorgelesen aus: CELTIA – Die Kelten vor der Zeitenwende. Ein historischer Roman von Christine Hatz. Erschienen 2023 bei LIBRUM Publishers & Editors, Basel, Frankfurt a.M. ISBN: 978-3-906897-79-0. Auch als französische Übersetzung erhältlich: CELTIA – Les Celtes à la croisée de l’histoire, ISBN: 978-3-906897-80-6.
30 Jahre Freilichtmuseum Germanische Siedlung Klein Köris
Die German*innen von Klein Köris. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM
Drei Jahrzehnte ist es nun her, dass in dem beschaulichen Ort Klein Köris (Landkreis Dahme-Spreewald, Brandenburg) eine große Idee in die Tat umgesetzt wurde: Aus einer Ausgrabung wurde ein Freilichtmuseum. In dieser Folge der Denkmalzeit feiern wir gemeinsam mit den Vereinsmitgliedern*innen, den Besucher*innen und den römischen Freunden beim alljährlichen Sommerfest 30 Jahre Freilichtmuseum Germanische Siedlung Klein Köris e.V.
Die LEGIO XVII ALBICA besucht das Germanendorf. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM
Im Jahr 1976 wurde bei Erdarbeiten eine germanische Siedlung entdeckt und bis 1995 großflächig untersucht. Im Anschluss daran entstand bei den Mitwirkenden der Grabung und bei den Einwohner*innen von Klein Köris die Idee, die hier gewonnenen Erkenntnisse vor Ort zugänglich zu machen. In einer archäologischen Ausstellung wurden Gebäude, Brunnen und andere Einrichtungen an originalen Standorten neu errichtet, um einen Zeitabschnitt aus der Dorfentwicklung festzuhalten. Die Rekonstruktionen können besichtigt werden und an besonderen Aktionstagen kann man alte Handwerkstechniken aus der Nähe verfolgt oder selbst erlernen.
Rekonstruierte Gebäude in Klein Köris. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM
Besondere Attraktionen waren der Besuch der LEGIO XVII ALBICA als „Schutzmacht“ und Freunde der Germanen. Sie hatten ein umfangreiches Programm mit einem traditionellen Einmarsch ins Dorf, einer römischen Opferzeremonie, Kinder-Legionärsausbildung sowie Ausrüstungspräsentation zum Anfassen und Anprobieren erstellt. Die Gladiator*innen der Gladiatorenschule Berlin sorgten mit Schaukämpfen für Nervenkitzel.
Gladiator*innen. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM
Interviews und Gespräche mit: Saskia Irmscher, Vereinsvorsitzende, Michael Böhm, Schatzmeister des Vereins, Thomas Gantzkow, Vereinsmitglied, Dr. Stefan Pratsch, Vereinsvorstand, Vereinsmitglied Eva, Mitglieder der Legio XVII Albica und der Berliner Gladiatorenschule „Gladiatores Berolinenses“.
Die Tagungsteilnehmer*innen strömen zur Hyparschale. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM
Von nächtlichen Zugfahrten mit Ulrich Müther über die richtige Aussprache der Hyper- oder Hyparschale bis zur Eislaufbahn in einem Mütherbau: In dieser Podcastfolge lassen wir es ordentlich „müthern“ und das Leben und Wirken des „Landbaumeisters“ von der Insel Rügen Revue passieren. Am 21.7. hätte er Geburtstag gefeiert, vor 91 Jahren wurde der Bauingenieur geboren. Deshalb geht an diesem Tag die Podcastfolge online.
Unter dem Motto “Harte Schale, weicher Kern?” widmete sich der brandenburgische Denkmaltag, in diesem Jahr gemeinsam mit dem Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern, den denkmalpflegerischen Erfahrungen bei der Restaurierung und Sanierung ausgewählter Bauten von Ulrich Müther. In einem zweitägigen Programm erlebten die circa zweihundert Teilnehmer*innen spannende Präsentationen rund um die Bauten von Ulrich Müther und kamen intensiv ins Gespräch. Dr. Wera Groß vom BLDAM und der Architekt Lutz Grabowski (immer.gut architektur) führten die Teilnehmenden über das Gelände der Hyparschale in Templin und gaben dabei interessante Einblicke in die Architektur des Gebäudes und seines Umfeldes. So besitzt der Schalenbau, in Anlehnung an seine ursprüngliche Nutzung als Gaststätte mit Dancefloor, eine Glitzerdecke und in der angrenzenden Kindertagesstätte befindet sich ein Fledermaushotel.
Das Logo der Landesdenkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern zeigt eine Müther’sche Hyparschale
Ulrich Müther (1934–2007) entwarf als Bauingenieur mehr als 70 doppelt gekrümmte Beton-Schalentragwerke, die er als Bauunternehmer zu großen Teilen auch mit errichtete. Nach einer Phase der Missachtung nach 1989 zählen diese Bauten heute zu den eindrucksvollen Beispielen der Moderne nach dem Zweiten Weltkrieg in der DDR und werden sorgsam erhalten. An den Beispielen in Templin, Rostock-Schutow, Neubrandenburg und Magdeburg wurden die unterschiedlichen baulichen Gegebenheiten sowie die jeweiligen Befund- und Schadenslagen analysiert. Vorgestellt und diskutiert wurden dabei die denkmalpflegerischen Strategien und Nutzungskonzepte, die nicht nur die Substanz der Gebäude beeinflussen, sondern auch deren äußeres Erscheinungsbild prägen.
Durch den Vergleich dieser vier markanten Beispiele konnten wertvolle Erkenntnisse gewonnen werden, die sowohl für die Erhaltung als auch für die zukünftige Nutzung historischer Bauwerke der Nachkriegszeit von Bedeutung sind. Es ist geplant, die Ergebnisse in einem Tagungsband zu dokumentieren, um das gesammelte Wissen nachhaltig für zukünftige Projekte bereitzustellen.
Der gemeinsame Denkmaltag der Länder Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern in der Templiner Hyparschale war sehr gut besucht. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM
Der gemeinsame Landesdenkmaltag 2025 ist eine Veranstaltung des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums und des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern in enger Zusammenarbeit mit der Brandenburgischen Architektenkammer. Kooperationspartner sind die Brandenburgische Ingenieurkammer, die Architektenkammer Mecklenburg-Vorpommern, die Ingenieurkammer Mecklenburg-Vorpommern, das Müther-Archiv sowie die Stadt Templin.
Wir danken der Wüstenrot-Stiftung für die großzügige Förderung.
Interviews und Gespräche mit: Prof. Dr. Thomas Drachenberg, Dr. Ramona Dornbusch, Dr. Wera Groß, Sabine Dahl, Journalistin und Moderatorin, Lutz Grabowski, Architekt, Prof. Matthias Ludwig und Dr. Dina Falbe vom Müther-Archiv der Hochschule Wismar, Dipl. Ing. Architekt Michael Bräuer, Weggefährte Müthers und Passant*innen.
Gemeinsamer Denkmaltag der Länder Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommen
Archäologisches Workcamp in der Gedenkstätte Ravensbrück
Blick über das Untersuchungsareal im ehemaligen Konzentrationslager Ravensbrück. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM
Weite Flächen, brüchiger Beton und Vogelgezwitscher und mittendrin eine Gruppe von internationalen Freiwilligen. Welche Bedeutung hatte das größte Frauen-Konzentrationslager auf deutschem Boden? Wie wurde der 80. Jahrestag der Befreiung in Ravensbrück begangen? Wie wird die Gedenkstätte von Besucher*innen wahrgenommen? Und darf man in einem ehemaligen Konzentrationslager ausgraben? In dieser Folge der DENKMALZEIT begleiten wir – mit Unterstützung von Eva Gutensohn vom radio dreyeckland – einen Tag lang das einwöchige archäologische Workcamp in der Gedenkstätte Ravensbrück bei ihren Untersuchungen und Dokumentationen auf dem Gelände, unterhalten uns mit den Teilnehmenden, der Leiterin der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, Dr. Andrea Genest, und der Dezernatsleiterin Archäologische Denkmalpflege am BLDAM, Katharina Malek-Custodis.
Freigelegter Bereich der Baracke 32. Foto: A.-M. Graatz, BLDAM
Die Idee des Projektes ist es, dass die zeitgeschichtliche Archäologie zusammen mit der Geschichtswissenschaft in Gedenkstätten praktische Anwendung findet und so durch den partizipativen Ansatz, bei der archäologischen Dokumentation ein Zugang für junge Erwachsene zum Thema geschaffen wird. Ausgegraben oder wie Katharina Malek-Custodis sagt „archäologisch dokumentiert“, wird die Baracke 32, eine so genannte „Nacht- und Nebelbaracke“ (s. unten), deren Steinfußboden per Zufall bei gärtnerischen Arbeiten während eines anderen Workcamps entdeckt wurde. Die Archäologin berichtet davon, dass nach dem Ende des Krieges generell zahlreiche Akten vernichtet wurden und Archäologie manchmal die einzige Wissenschaft ist, die Vergessenes wieder zurück ans Tageslicht befördern kann. Dr. Genest ergänzt, dass das gesamte Gelände vom Überlappen zweier Zeitschichten geprägt ist, der Zeit des Nationalsozialismus und der Phase der Um- und Nachnutzung der Roten Armee. So verwundert es auch nicht, dass „große“ Funde ausblieben, manchmal ist kein Fund auch ein Ergebnis. In der zeitgeschichtlichen Archäologie kann es von sehr großer Bedeutung sein, nichts zu finden, weil bestimmte Bereiche beräumt wurden, um alles in Vergessenheit geraten zu lassen. Auch im nächsten Jahr soll die Zusammenarbeit zwischen dem BLDAM und der Gedenkstätte Ravensbrück fortgeführt werden und ein weiteres archäologisches Workcamp die Geschichte des ehemaligen Konzentrationslagers untersuchen. Mitmachen können Interessierte jeden Alters!
Dokumentationsarbeiten: Unter dem Betonboden, der während der Nutzung durch die Rote Armee angelegt wurde, sieht man den Ziegelboden aus der Zeit des nationalsozilistischen Terrorregimes. Foto: C. Krauskopf, BLDAM
Was genau gefunden wurde, hören Sie hier:
Podcastfolge mit Übersetzung der englischsprachigen Interviews
Podcastfolge ohne Übersetzungen (teilweise auf Englisch)
Überblick über die Geschichte des ehemaligen Konzentrationslagers
In Ravensbrück bei Fürstenberg wurde 1939 das größte deutsche Frauen-Konzentrationslager errichtet. 1941 wurde ein Männerlager, 1942 das „Jugendschutzlager Uckermark“ angegliedert. Von 1939 bis 1945 wurden 120.000 Frauen, 20.000 Männer und 1.200 weibliche Jugendliche des „Jugendschutzlagers Uckermark“ als Häftlinge registriert, sie stammten aus mehr als 30 Nationen. Zehntausende wurden ermordet oder starben an Hunger, Krankheiten oder durch medizinische Experimente. Am 30. April 1945 befreite die Rote Armee das Lager und rund 2.000 zurückgelassene kranke Häftlinge. Viele starben später an den Folgen der KZ-Haft. Nach Kriegsende nutzte die sowjetische Armee große Teile des ehemaligen Konzentrationslagers. Seit 1948 bemühten sich Überlebende und die Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes, den Bereich um das Krematorium als Gedenkort zu erhalten. Die 1959 gegründete Mahn‑ und Gedenkstätte Ravensbrück ist seit 1993 Teil der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten (SBG). 2013 eröffnete die Gedenkstätte im Beisein von Überlebenden die neue Dauerausstellung „Das Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück – Geschichte und Erinnerung“.
Der „Nacht- und Nebel-Erlass“
Am 7. Dezember 1941 erging ein „Führererlass“, der die Inhaftierung von politischen Gegnern, besonders aus dem Widerstand gegen das nationalsozialistische Terrorregime und die Besetzung von Nachbarländern, regelte. Danach wurden rund 7.000 des Widerstands verdächtige Personen aus zahlreichen europäischen Ländern verschleppt. Man verurteilte sie heimlich, behielt sie aber auch bei erwiesener Unschuld in Haft, ohne dass die Angehörigen irgendwelche Auskünfte erhielten. Das war der „Nacht- und Nebel“-Charakter der Aktion, der der Einschüchterung dienen sollte. Auch im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück waren Opfer des Erlasses inhaftiert. Die Inkraftsetzung des Erlasses durch das Oberkommando stellt eines der Kriegsverbrechen der Wehrmacht und ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit dar.
Die große Halle von Seddin im archäologschen Befund – bronzezeitliche Baukultur in Brandenburg. Foto: L. Dierkes, Universität Göttingen
In dieser Folge der DENKMALZEIT unterhält sich der Pressesprecher des BLDAM, Dr. Christof Krauskopf, mit dem brandenburgischen Landeskonservator, Prof. Dr. Thomas Drachenberg, zum Tag der Baukultur über die Baukultur. Was ist das? Was bedeutet Baukultur für die Menschen? Wie entwickelt sie sich? Und welche Rolle spielt die Baukultur im kulturellen Erbe und damit in der Denkmalpflege?
Die spätmittelalterliche Burgkapelle von Ziesar. Foto: C. Krauskopf, BLDAM
Für Thomas Drachenberg ist die Baukultur viel mehr als Form und Funktion: „Der sorgsame Umgang mit dem Bestand ist ein wesentlicher Teil der Baukultur. Es gibt eine Halbwertszeit in der Architektur, die man in den zurückliegenden Epochen beobachten kann. Wenn etwas nachhaltig und von großer Qualität ist, sowohl technisch als auch ästhetisch gebaut wurde, dann wird es als selbstverständlich betrachtet und weitergenutzt ohne dass es als alt und vorgestrig empfunden wird.“ Weiterhin wird über die Anfangszeit der Baukultur vom Neolithikum in Brandenburg über die große Halle und die Siedlung von Seddin, exzeptionelle mittelalterliche Bauten wie den Stolper Turm als eines der ältesten profanen Backsteingebäude Brandenburgs, die Burg in Ziesar bis zur Burg Eisenhardt in Bad Belzig, gesprochen.
Eckhaus in der Dortustraße in Potsdam, 1796, nach einem Entwurf von August Grabkowsky 1889 umgestaltet. Foto: R. Paschke, BLDAM
Die letzte und gleichzeitig zentrale Frage: Gibt es eine nationale Baukultur? Der Landeskonservator spricht sich dagegen aus: „Es gibt so viele Einflüsse von außen, sogar in der DDR-Zeit und beim Bauhaus. Man nehme nur die Kontakte zur De Stijl-Bewegung in Holland oder zu anderen Strömungen, die waren im kräftigen Austausch. Wir enden mindestens bei einer europäischen Baukultur und weit darüber hinaus. Schlussendlich lässt sich sagen, dass gute Baukultur Kommunikation ermöglichen muss, im Sinne der Demokratie, denn eine Diktatur braucht die Kommunikation nicht, da ist der Paradeplatz das Produkt. Für unsere Gesellschaft ist es ganz wichtig, dass Kommunikationsräume existieren, wo wir uns unter anderem über die Baukultur und die Denkmale austauschen können und jeder Mensch seinen Blick darauf erzählen kann und wir ins Unterhalten kommen.“
Die ADGB-Schule in Bernau. Entwurf von Hannes Meyer und Hans Wittwer, 1928-1930, 1950-1955 nach dem Entwurf von Georg Waterstradt erweitert. Foto: R. Schneider, BLDAM