Im Jahr 2022 kann das BLDAM wieder die jährliche Forschungstagung der brandenburgischen Landesarchäologie veranstalten – nach zwei Jahren pandemiebedingter Pause. Spannende Vorträge zu Forschungen von der Steinzeit bis in die Neuzeit werden in diesem Jahr online präsentiert. Über die Auswirkungen der Pandemie auf das BLDAM und die am 17. und 18.2. stattfindende Tagungen unterhalten sich Prof. Dr. Franz Schopper und Dr. Christof Krauskopf.
Der Zugang zu den Vorträgen erfolgt über Youtube, mit dem Suchbegriff „Forschungstagung BLDAM“ ist der Livestream leicht zu finden.
Juri-Gagarin-Oberschule in Eisenhüttenstadt (Lkr. Oder-Spree). Foto: S. Gramlich, BLDAM
Wie wird etwas zum Denkmal? Diese Frage wird derzeit immer öfter gestellt. Auf der Denkmalliste landen mittlerweile immer jüngere Bauten, deren Alter sie gar nicht wie ein Denkmal wirken lässt. Warum kann etwas aus den 1990er Jahren schon Denkmal sein? Das ist doch noch gar nicht so lange her!
Das Alter spielt in der tat bei der Eintragung auf die Denkmalliste nur eine sehr untergeordnete Rolle. Der Denkmalstatus hängt davon nicht in erster Linie ab. Auch der Zustand eines Gebäudes hat darauf keinen Einfluss.
Kossätenhaus in Altranft (Lkr. Märkisch-Oderland). Foto: W. Groß, BLDAM
Wichtig für die Eintragung in die Denkmalliste sind Eigenschaften des Gebäudes selbst. Kann es uns Geschichte erzählen? Hat es beispielsweise historische, künstlerische oder technische Bedeutung in dem Ausmaß, dass es beispielhaft für das Bau- und Gestaltungswesen einer Epoche stehen? Auch die Seltenheit ist relevant. So wird jedes Bauwerk des Mittelalters als Denkmal gelten können, niemand wird das in Frage stellen. Bei Bauten und Objekten der Nachkriegsmoderne oder gar der 1990er Jahre geschieht das aber regelmäßig. Aus diesem Grund setzt die Ermittlung des Denkmalwerts eine objektive und wissenschaftliche Untersuchung voraus.
Über diese Frage sprechen in der ersten Folge des Podcasts im Jahr 2022 die beiden Pressesprecher*innen des BLDAM, Julia Gerber und Dr. Christof Krauskopf.
Bronzezeitliche Lanzenspitze aus Frankfurt an der Oder. Foto: D. Sommer, BLDAM
Auch in diesem Jahr muss die traditionelle Weihnachtsführung des brandenburgischen Landesarchäologen pandemiebedingt ausfallen. Im Podcast spricht Prof. Dr. Franz Schopper über sein derzeitiges Forschungsprojekt. Durch Neufunde aus Brandenburg inspiriert, beschäftigt er sich intensiv mit Lanzenspitzen der Bronzezeit.
Das Thema verdeutlicht, dass die Forschung der Landesarchäologie nicht an den Landesgrenzen Halt machen kann. Die Entwicklungen der menschlichen Kultur der Vergangenheit haben keinerlei Verbindung zu modernen politischen Grenzen. Die Sachkultur, mit der sich die Archäologie ja im wesentlichen beschäftigt, belegt immer wieder die größeren internationalen Zusammenhänge. „Globalisierung“ bezeichnet heute die weltweiten Verbindungen, die Handel, Tourismus und Migration bedeuten. Ist der Begriff auch neu und heute in aller Munde, sind die Inhalte jedoch bereits für die Vorgeschichte von Bedeutung. Die archäologischen Funde zeigen, dass es schon immer Mobilität gegeben hat, sowohl von Objekten als auch von Menschen und damit verbunden von Ideen. Auch der heute viel diskutierte Begriff der Migration ist keine neue Erscheinung, Migration gehört zum Wesen des Menschen. Die archäologische Forschung findet dafür Belege aus allen Zeiten.
Die Lanzensptzen der Bronzezeit lassen diese Migration ebenso erkennen. An ihren Formen und Ausprägungen können Einflüsse aus den unterschiedlichsten Regionen Europas beschrieben werden. Um dies genauer untersuchen zu können, ist eine überregionale und internationale Erfassung von Funden erforderlich. Zu dem bisher bekannten etwas über 100 Stücke umfassenden Bestand bronzezeitlicher Lanzenspitzen aus Brandenburg kamen nun nun durch Neufunde und die systematische Aufnahme aus brandenburgischen Museen sowie aus älteren, eher „versteckten“ Publikationen zahlreiche Exemplare hinzu. Die Zahl der bekannten Lanzenspitzen steigt damit auf fast 400. Den wissenschaftlichen Hintergrund der derzeitigen Forschungen bildet eine Datenbank mit Stücken aus ganz Europa, die mittlerweile fast 17.000 Einträge aufweist.
Die Forschungen sind noch im Gang, sollen aber zu gegebener Zeit entsprechend präsentiert und publiziert werden.
Das kleine Dorf Dallmin, am äußersten nordwestlichen Rand des Landes Brandenburg gelegen, bewahrt mit seiner Kirche ein Kleinod märkischer Kunst- und Kulturgeschichte.
Madonna mit dem Kind, spätgotischer Flügelalter der Dorfkirche Dallmin. Foto: BLDAM
Das kleine Dorf Dallmin, am äußersten nordwestlichen Rand des Landes Brandenburg gelegen, bewahrt mit seiner Kirche ein Kleinod märkischer Kunst- und Kulturgeschichte. Der mittelalterliche Feldsteinbau wurde im Laufe der Zeit mehrfach umgebaut, wobei vor allem die Umbauten zu Anfang des 18. Jahrhunderts – die Erweiterung des Kirchenschiffs nach Osten und der Bau des Fachwerkturms – die Kirche bis heute prägen. Auch den Innenraum der Kirche dominieren vor allem die barocken Einbauten: der Kanzelaltar im Osten und die Orgel, 1722/24 von dem aus Salzwedel stammenden Orgelbaumeister Anton Heinrich Gansen geschaffen, im Westen.
Daneben befinden sich zahlreiche weitere, aus verschiedenen Zeiten stammende Kunstwerke. Von besonderer Seltenheit ist eine gotische Kasel, ein liturgisches Messgewand aus der Zeit um 1400, das durch eine äußerst kostbare Seidenstickerei mit dem Motiv des gekreuzigten Christus geschmückt ist. Aber auch der kleine spätgotische Schnitzaltar ist von besonderem kunstgeschichtlichem Wert. Die Innenseite des Mittelschreins zeigt Maria mit dem Christuskind, umgeben von der heiligen Katharina und einem Bischof; in den Seitenflügeln sind die zwölf Apostel dargestellt. Die Außenseiten sind in späterer Zeit, zu Anfang des 18. Jahrhunderts, mit Darstellungen aus der Leidensgeschichte Christi bemalt worden.
Dorfkirche Dallmin, Kasel. Foto: BLDAM
Die letzten umfangreichen Erhaltungs- und Verschönerungsmaßnahmen erfolgten in den 1980er Jahren. Trotz achtsamen Umgangs mit den wertvollen Objekten hat sich mit den Jahren doch wieder eine Reihe von Schäden eingestellt. Vor allem am spätgotischen Schnitzaltar sind diese in Form von Abbrüchen kleinerer Schnitzteile und zahlreichen kleineren Farbverlusten schon auf den ersten Blick sichtbar. Andere Schäden, wie das allmähliche Ablösen der Farbschichten vom Untergrund, sind meist nur bei genauer Betrachtung erkennbar. Diese führen aber im Laufe der Zeit auch zum Verlust der Farbschicht, wenn nicht durch konservierende Maßnahmen rechtzeitig eingegriffen wird. Auch bei anderen Kunstwerken in der Dallminer Kirche sind restauratorische bzw. konservatorische Maßnahmen erforderlich. So kommt es z.B. bei der mittelalterlichen Kasel entscheidend darauf an, künftige Schäden durch Vermeidung potentieller Schadensursachen auszuschließen, indem deren unmittelbare Standortbedingungen verbessert werden, durch Lichtschutz und Schutz vor zu feuchtem Klima.
Mit Ihrer Spende können Sie dazu beitragen, dieses wertvolle Beispiel spätmittelalterlicher und barocker Kunst und Frömmigkeit zu erhalten.
Kontakt Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V., Tel.: 030-4493051, Mail: altekirchen.janowski@t-online.de, www.altekirchen.de
Ihre Spende Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V., IBAN: DE94 5206 0410 0003 9113 90, BIC: GENODEF1EK1 (Evangelische Bank), Stichwort: Dallmin
Eine gemeinsame Aktion des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums, der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und dem Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V.
Wehrmachtskoppelschloss mit Überprägung des Hakenkreuzes durch einen Sowjetstern. Fund aus einem der russischen Waldlager. Foto: BLDAM
In den brandenburgischen Wäldern ist vor einigen Jahren eine neue Denkmalkategorie entdeckt worden: Die Waldlager. In den Wäldern zeichnen sich an vielen Stellen Reihen von länglichen Gruben ab, oftmals viele Dutzende. Die ersten Beobachtungen stammen von unseren ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger*innen, die um die Gruben oft Schrott auflasen, der in die Zeit des Zweiten Weltkriegs datiert werden kann. Nachdem einige der ehrenamtlichen Kolleg*innen im Landesamt davon berichtet hatten, wurde schnell klar, dass es sich nicht um irgendeinen unbedeutenden Schrott handelt. Eine archäologische Untersuchung brachte dann Funde und Befunde zusammen. Die Gruben sind Überreste von Grubenhäusern – nicht viel anders als die aus der Vor- und Frühgeschichte und der Slawenzeit bekannten – die am Ende des Zweiten Weltkriegs von Soldaten der Roten Armee angelegt worden waren. Über die bedeutende Entdeckung, die den Verbleib der vielen Hunderttausend russischer Soldaten während und nach dem Sturm auf Berlin erklärt, berichtet im Podcast Dr. Thomas Kersting vom BLDAM.
Bereits zum siebten Mal veranstaltet das Archäologische Landesmuseum Brandenburg die Fachtagung „Focus Museum“. Bei dieser Fachtagung kommen Museumsfachleute und Experten aus dem Kulturbereich vor der Kulisse des historischen Pauliklosters zusammen, um gemeinsam über aktuelle Entwicklungen, Zukunftstrends sowie Chancen und Herausforderungen im heutigen Museumsbetrieb zu diskutieren. In diesem Jahr liegt der Themenschwerpunkt auf Kulturtourismus, Besuchermanagement und Marketing für Museen.
Neben interessanten Vorträgen und spannenden Workshops wird es wie immer Gelegenheit zur Diskussion und zum Netzwerken geben. Zudem findet im Kirchenschiff des Pauliklosters wieder begleitend eine Messe mit Fachunternehmen statt, die die neuesten Software- und Medienanwendungen, Dienstleistungen, Plattformen und Produkte zum Thema vorstellen.
Im Podcast erzählt Dr. Rainer Kossian, Dezernatsleiter Sammlung und Museum beim BLDAM, welche Ausrichtung und welche Ziele die Fachmesse hat. Er berichtet über die Entwicklung der Veranstaltung und die besonderen Herausforderungen, die sich seit dem letzten Jahr durch die Corona-Pandemie ergeben haben.
Das Paulikloster in Brandenburg an der Havel – Sitz des Archäologischen Landesmuseums Brandenburg. Foto: D. Sommer, BLDAM
Das Archäologische Landesmuseum Brandenburg präsentiert seine Dauerausstellung seit 2008 im ehemaligen Dominikanerkloster in Brandenburg an der Havel. Im Podcast sprechen wir mit dem Direktor des Brandenburgischen Landesamts für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums und Landesarchäologen, Professor Dr. Franz Schopper, über die Geschichte und Entwicklung des Landesmuseums sowie über seine Perspektiven für die Zukunft.
Nähere Informationen zum Archäologischen Landesmuseum finden Sie auf der Webseite des Museums.
Feines und Besonderes aus Brandenburg, Berlin und darüber hinaus
Der Regionalmarkt Brandenburg steht für Genuss, guten Geschmack, hohe Qualität und Handwerk aus der Region.
Rund 70 Erzeuger, Händler, Manufakturen, Designer und landwirtschaftliche Kleinbetriebe aus der näheren und ferneren Umgebung sind wieder vertreten und bieten vor der wunder-schönen Kulisse des historischen Pauliklosters ihre Produkte zum Probieren, Anschauen, Genießen und Mitnehmen an.
Das vielfältige Angebot reicht von Käse, feinen Aufstrichen, Obst und Gemüse, Kräutern und Gartenpflanzen über Fisch-, Wild- und Fleischprodukte, Konditorei- und Backwaren, Schokoladenkreationen, Biere von Kleinbrauereien, Hochprozentiges bis hin zu handgemachter Seife, Kosmetik, Accessoires wie Schmuck und Taschen, Kleidung, Designerobjekten und vielem mehr.
Regionale Züchter informieren über die Haltung alter Tierrassen während Vereine und Verbände, wie etwa der örtliche Imkerverein oder der Pomologenverein, der alte Apfelsorten präsentiert, ihre Arbeit vorstellen.
Wir freuen uns wieder sehr auf eine große Vielfalt liebevoll und mit viel Herzblut hergestellter Spezialitäten und laden Sie ein, mit uns gemeinsam den Ideenreichtum und das Feine und Besondere von „hier und anderswo“ wertzuschätzen und zu genießen.
WICHTIG!
Voraussetzung für eine Teilnahme an der Veranstaltung ist die Einhaltung der jeweiligen, zum Zeitpunkt der Veranstaltung gültigen Vorschriften zur Eindämmung des SARS-CoV-2-Virus und COVID-19.
Weitere Informationen und Hinweise entnehmen Sie bitte kurz vor der Veranstaltung unserer Webseite:
Der Grenzwachturm an der Elbe bei Cumlosen (PR) entstand Ende der 1970er Jahre. Fotos: M. Metzler, BLDAM
Vor 60 Jahren, am 13. August 1961, wurde die Grenze zwischen der DDR und West-Berlin militärisch abgeriegelt. In der Folgezeit errichteten die DDR-Grenztruppen umfangreiche Grenzsicherungsanlagen, die als Berliner Mauer nicht nur Berlin teilten, sondern ebenso den westlichen Teil der Stadt von seinem Umland abschnitten. Mit der Öffnung der Mauer am 9. November 1989 verlor sie ihre Funktion. In der Folgezeit wurden die Grenzsicherungsanlagen bis auf wenige Reste beseitigt. Einzelne Mauerreste und insgesamt sieben Grenzwachtürme sind in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragen. Dr. Matthias Metzler, Leiter des Referates Inventarisation im BLDAM erzählt, seit wann sich die Denkmalpflege mit diesen Objekten beschäftigt und warum es wichtig ist, diese „unbequemen“ Denkmale zu erhalten.
In der Fundbearbeitung lernten die Praktikantinnen u.a. wie man Keramikscherben wäscht, Foto: C. Krauskopf, BLDAM
Anna und Anni, beide 14 Jahre alt, sind Schülerinnen der Otfried Preußler-Schule in Großbeeren. Die beiden Freundinnen absolvierten gemeinsam ihr zweiwöchiges Schülerpraktikum in der Archäologischen Abteilung des BLDAM. Durch das Waschen und Beschriften von Keramikscherben und das Bearbeiten von Grabungsfotos erhielten sie einen ersten Einblick in die Berufswelt der archäologischen Denkmalpflege. Im Gespräch mit dem Archäologen Dr. Christof Krauskopf erzählen sie, was sie in der Fundbearbeitung erlebten und lernten. Dabei blieb auch keine aufgekommene Frage unbeantwortet: Wie wird man Archäologe oder Archäologin? Welche Aufgaben erwarten einen in diesem Beruf und was macht daran am meisten Spaß?