
An der Unteren Havel bei Gülpe gibt es eine ganz besondere Auenlandschaft zu entdecken: Zwischen dem Ort und der Havel, auf einer Insel, begleiten wir Forschende bei ihrer Arbeit. Sie gehen der Frage nach, wie Menschen diesen Naturraum über Jahrhunderte geprägt haben – und seit wann sie überhaupt in die Auenlandschaft eingegriffen haben. Im Sommer untersuchten Wissenschaftler:innen der physischen Geographie, Geophysik und Archäologie der Universitäten Leipzig und Tübingen sowie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung gemeinsam mit dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseum den slawischen Burgwall „Pilatsch“.

Im Rahmen einer rund zweiwöchigen Feldkampagne fand dort erstmals eine archäologische Grabung statt. Ziel ist es, mehr über die zeitliche Einordnung, die Nutzungsgeschichte und die wasserbauliche Vergangenheit des Fundplatzes herauszufinden. Die Untersuchungen sind Teil des interdisziplinären Forschungsprojekts „Unterhavel-Region und Donaumoos-Region: ‚Gescheiterte‘ oder ‚erfolgreiche‘ Urbarmachung von Auen und Mooren? – eine vergleichende Analyse“ im DFG-Schwerpunktprogramm „Auf dem Weg zur fluvialen Anthroposphäre“.

Dabei kamen über tausend Funde zum Vorschein: Neben zahlreichen Keramikscherben, darunter verzierte slawische Keramik, wurden unter anderem ein möglicher Bleiring, Schlacke, Fischknochen und verkohlte Samen entdeckt. Besonders bemerkenswert ist ein Lehmofen, der vermutlich aus der Eisenzeit stammt. Die Funde geben erste Hinweise auf die Nutzungsgeschichte des Platzes und werfen neue Fragen auf.
Warum wurde gerade diese Insel besiedelt? Welche Rolle spielte ihre Lage in der Auenlandschaft? Und seit wann greift der Mensch in diesen Naturraum ein? Diesen Fragen geht das interdisziplinäre Forschungsprojekt nach. Archäologische Grabungen, geophysikalische Untersuchungen und sedimentologische Analysen helfen dabei, die Geschichte des Ortes und den Einfluss des Menschen auf die Auenlandschaft besser zu verstehen. Im Mittelpunkt steht dabei insbesondere die Zeit vom Frühmittelalter bis in die frühe Neuzeit.
Dr. Anne Köhler, physische Geographin an der Universität Leipzig, die Archäolog:innen Til Martens und Jessica Blaumann sowie Studierende der Universität Tübingen geben Einblicke in die Grabungsarbeit und berichten von ihren Funden. Auch Bill Neubüser, ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Havelaue, erzählt von der Bedeutung der Ausgrabung für die Region und davon, welche Chancen sie für die Vermittlung der lokalen Geschichte bieten könnte.
Gespräche mit: Dr. Anne Köhler, physische Geographin und akademische Assistentin am Institut für Geographie der Universität Leipzig, den Archäolog:innen Til Martens und Jessica Blaumann sowie den Studierenden Anton, Max und Felix von der Universität Tübingen und Bill Neubüser, dem ehrenamtlichen Bürgermeister der Gemeinde Havelaue.
Links:
DFG-Schwerpunktprogramms „Auf dem Weg zur fluvialen Anthroposphäre“
Natur- und Sternenpark Westhavelland
Gemeinde Havelaue