
Etwa 80 Jahre lang galt der „Firbas“ als Standardwerk zur Vegetationsgeschichte. Franz Firbas (1902-1964), Biologieprofessor in Göttingen sowie zwischenzeitlich Stuttgart-Hohenheim und Straßburg, fasste die Erkenntnisse der bereits im im frühen 20. Jahrhundert von dem schwedischen Geologen Lennart von Post (1884-1951) „erfundenen“ Pollenanalyse zusammen und publizierte sein zweibändiges Werk „Spät- und nacheiszeitliche Waldgeschichte Mitteleuropas nördlich der Alpen“ in den Jahren 1949 und 1952 im Jena. Er legte damit die Grundlage für eine überregionale Betrachtung der Vegetationsentwicklung auf der Basis von pollenanalytischen Untersuchungen. Seine bahnbrechende Einteilung in Entwicklungsphasen, die er anhand der Pflanzenausbreitung erkannte, sind bis heute gültig, sie werden noch immer als Firbas-Zonen bezeichnet.

Nach über 80 Jahren liegen jedoch so viele neue Erkenntnisse auf der Basis hunderter Pollenprofile vor, dass eine Überarbeitung überfällig war. Es kam allerdings nicht zu einer überarbeiteten Neuauflage, sondern zu einem vollständig neuen Projekt. Die Herausgeber*innen Dr. Ingo Feeser, Dr. Walter Dörfler (beide Universität Kiel), Prof. Dr. Manfred Rösch (Universität Heidelberg), Dr. Susanne Jahns (BLDAM), Dr. Steffen Wolters und Prof. Dr. Felix Bittmann (beide Niedersächsisches Institut für historische Küstenforschung) legen nun die „Vegetationsgeschichte der Landschaften in Deutschland) vor. Die Herausgeber*innen und weitere Autor*innen bieten darin in einführenden Kapiteln einen Überblick über Methodik und Forschungsgeschichte der Pollenanalyse und stellen in 39 weiteren Kapiteln die Vegetationsgeschichte in den deutschen Landschaften vor. Dabei wurde auf eine Vergleichbarkeit geachtet, so dass sich aus den regionalen Bildern ein Gesamtbild ergibt.

In dieser Folge der DENKMALZEIT unterhält Dr. Christof Krauskopf mit Dr. Susanne Jahns, der Archäobotanikerin des BLDAM, über den „Firbas“ und stellen die Neuerscheinung vor – die nicht nur für Fachleute verfasst ist. Sie soll auch allen Interessierten dienen und für den Schulunterricht geeignet sein.
Ingo Feeser, Walter Dörfler, Manfred Rösch, Susanne Jahns, Steffen Wolters und Felix Bittmann (Hrsg.): Vegetationsgeschichte der Landschaften in Deutschland. Berlin 2025.

Glossar
Pollen: Blütenstaub, der von Samenpflanzen ausgebildet wird. Die winzigen Pollenkörner werden durch Wind, Regen und Insekten verbreitet und dienen der Befruchtung von Pflanzen. Pollenkörner sind zwischen 18 und 80 Mikrometer (µm, millionstel Meter, 0,000001 m) groß und nur mit dem Mikroskop sichtbar.
Pollenanalyse: Die P. oder Palynologie identifiziert Pollen in (Boden)Proben. Sie dient u.a. der Rekonstruktion der Vegetationsgeschichte und trägt zur Erforschung der Klimaentwicklung bei.
Radiokohlenstoffdatierung: Die R. oder 14C-Datierung beruht auf dem Verhältnis von 12C und 14C. Während der 12C-Gehalt von organischem Material auch nach dem Absterben erhalten bleibt, das radioaktive Isotop 14C aber zerfällt, lässt sich aus dem Verhältnis der beiden Kohlenstoffisotope der Zeitraum seit dem Absterben eines Lebewesens errechnen.
Tephra: Feines vulkanisches Material, das bei Vulkanausbrüchen mehr oder weniger weit verteilt wird. Ist die Zusammensetzung bekannt, können Tephra-Lagen mit bestimmten Vulkanausbrüchen in Verbindung gebracht werden. Wenn der Zeitpunkt des Vulkanausbruchs datiert werden kann, können auch weit entfernt gefunden Tephra-Lagen zur Datierung von Bodenschichten, aber auch Pollenproben beitragen.